Bundestagswahlkampf

Der Robin Hood der Linken: Jan van Aken will keine Milliardäre

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Am Ende gab es fast nur Stehplätze: Linken-Direktkandidatin Violetta Bock mit Spitzenkandidat Jan van Aken am Donnerstag im rappelvollen Stadtteilzentrum Vorderer Westen.
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Vor wenigen Monaten drohte die Linke, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Nun kommen immer neue Mitglieder dazu – auch beim Auftritt von Spitzenkandidat van Aken in Kassel.

So etwas wie in diesen Tagen und auch am Donnerstag in Kassel hat Jan van Aken in den 17 Jahren, in denen er Linken-Mitglied ist, noch nicht erlebt. Als der Parteivorsitzende und Spitzenkandidat zur Bundestagswahl das Stadtteilzentrum Vorderer Westen betritt, wird ein Großteil der Stühle wieder hinausgetragen. Weil der Andrang so groß ist, werden aus Sitz- einfach Stehplätze gemacht. 300 Gäste sind gekommen.

Zuvor hatte van Aken mit der Kasseler Direktkandidatin Violetta Bock im Imbiss Crunchy Kebab 200 neue Mitglieder aus der Region begrüßt. In Kassel ist die Mitgliederzahl innerhalb eines Jahres von unter 300 auf 400 gestiegen. Zum Vergleich: Bei der CDU sind es 500. Laut van Aken ist es überall ähnlich. Für eine Partei, die nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken drohte, sind das beeindruckende Zahlen. Van Aken sagt, er habe die Linke „noch nie mit so viel Energie, Spaß und Ernst erlebt“.

In den Vorderen Westen sind viele junge Menschen gekommen. Bei der Generation Tiktok ist vor allem die Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek (36) populär, aber auch der 63-jährige van Aken erhält viel Applaus. Mit seinem Hamburger Zungenschlag redet der ehemalige Greenpeace-Mitarbeiter vor allem über Soziales. Das gemeinsame Abstimmen von Union und AfD im Bundestag ist für ihn ein „Wendepunkt der Demokratie“ und das Erstarken der Rechtsaußen-Partei „das Ergebnis einer Politik der letzten 30 Jahre, in denen das Land kaputtgespart wurde“.

Als Rezept gegen den Faschismus, wie es van Aken nennt, will die Linke mehr Geld ausgeben, damit es „den Menschen wieder besser geht“, einen Mietendeckel einführen und natürlich eine Vermögenssteuer. Der prominente Gast findet, „es sollte keine Milliardäre geben“. Das Vermögen des Lidl-Chefs, das auf 46 Milliarden Euro geschätzt wird, habe der sich „bei den Leuten geklaut“. Es sei das gute Recht, es sich zurückzuholen.

Nicht nur als Robin Hood vermischt van Aken Realpolitik mit Populismus. Der Ukraine versichert der ehemalige Biowaffeninspekteur der UN seine Solidarität, er ist aber strikt gegen Waffenlieferungen. Hier klingt er fast wie Wagenknecht. Das alles kommt an. Am Ende sind in einem Becher 900 Euro an Spenden für die Partei zusammengekommen und auch 20 neue unterschriebene Mitgliedsanträge. (Matthias Lohr)

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