Wachstum-Hoffnung

Konjunktur-Ausblick: Startet die Wirtschaft 2026 endlich durch?

Nach drei Jahren Stagnation hoffen Politik und Unternehmen 2026 auf Wachstum – doch Prognosen, Reformstau und internationale Risiken dämpfen die Erwartungen. Und wie sieht die Einschätzung in der Region Fulda aus?

Fulda/Frankfurt - 2026 könnte die Dauerkrise ein Ende haben. Experten warnen jedoch vor zu viel Optimismus. Was nährt die Hoffnung, und wo bleiben die Risiken? Die Fuldaer Zeitung hat dazu auch Michael Konow ,Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda, und Florian Wehner, Kreischef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Fulda, befragt.

2026 könnte die Konjunktur-Wende bringen, doch Experten warnen vor Risiken.

Drei Krisenjahre in Folge, miese Stimmung bei vielen Unternehmen, mehr Firmenpleiten: Die deutsche Wirtschaft steckt in der Flaute fest. Die nüchterne Bilanz der vergangenen drei Jahre: gerade einmal zwei Quartale mit Wachstum. Auch die Politik der schwarz-roten Koalition hat bisher nicht für einen Stimmungsumschwung gesorgt. Kommt 2026 der Aufschwung?

Deutsche Wirtschaft 2026: Hoffnung auf Wachstum trotz Risiken

Die gute Nachricht: Es soll bergauf gehen. Allerdings nur etwas. 0,9 Prozent bis 1,3 Prozent Wachstum wird je nach Prognose erwartet – wobei viel Unsicherheit bleibt. Deutschlands führende Wirtschaftsforschungsinstitute warnten im September anlässlich ihrer Gemeinschaftsdiagnose: Die deutsche Wirtschaft stehe nach wie vor auf „wackeligen Beinen“. Auch die „Wirtschaftsweisen“ erwarten 2026 keinen breit angelegten Aufschwung. 

Getrieben werden dürfte das Wachstum 2026 maßgeblich durch Sondereffekte: staatliche Milliardenausgaben für Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie für Verteidigung. Zudem fallen mehr Feiertage auf ein Wochenende, so dass es 2026 mehr Arbeitstage gibt. Hohe Energiekosten, steigende Sozialabgaben, langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, zu viel Bürokratie – Verbände und Ökonomen mahnen immer wieder: Ohne tiefgreifende Reformen wird es nichts werden mit einem wirklichen Aufschwung hierzulande. 

Alle in der Koalition brauchen mehr Ambition.

Rainer Dulger, Arbeitgeberpräsident 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte einen „Herbst der Reformen“ angekündigt. Die schwarz-rote Koalition streitet aber um zentrale Vorhaben wie das Rentenpaket. In der Wirtschaft wächst die Ungeduld. „Alle in der Koalition brauchen mehr Ambition“, sagt Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. 

Die IKB Deutsche Industriebank schrieb Ende November, maßgeblich für den Erfolg seien nicht nur höhere staatliche Investitionen, „sondern vor allem ein Stimmungsaufbruch unter den Unternehmen“. Im Dezember verschlechterte sich die Stimmung in den 9000 Unternehmen, die das Münchner Ifo-Institut regelmäßig befragt. „Das Jahr endet ohne Aufbruchstimmung“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest zuletzt.

Der Export fällt als Motor aus

Die aggressive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump trifft eine ohnehin geschwächte Exportnation Deutschland. Maschinenbau, Chemie, Elektro: Seit Jahren verlieren deutsche Hersteller auf den Weltmärkten an Wettbewerbsfähigkeit. „Die deutschen Exportmarktanteile sanken seit 2017 und entwickelten sich im internationalen Vergleich seit 2021 besonders schwach“, analysierte die Bundesbank im Sommer.

Der Befund ist umso alarmierender, da fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland vom Export abhängt. Schon 2024 wurden weniger Waren „Made in Germany“ ins Ausland verkauft als ein Jahr zuvor. Für das laufende Jahr prognostiziert der Außenhandelsverband BGA 2,5 Prozent Rückgang. 

Viele der neuen US-Zölle sind so hoch, dass Geschäfte schlichtweg unmöglich werden.

Dirk Jandura, BGA-Präsident

Und die Aussichten sind trüb: „Viele der neuen US-Zölle sind so hoch, dass Geschäfte schlichtweg unmöglich werden – für zahlreiche deutsche Exporteure bedeutet das faktisch den Verlust des US-Marktes“, sagt der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel (BGA), Dirk Jandura.

Für die Jahre 2026 bis 2028 soll ein staatlich subventionierter, niedrigerer Industriestrompreis eingeführt werden. Zudem will die Bundesregierung zum 1. Juli 2026 die Ticketsteuer in der Luftfahrtbranche senken. Es geht um eine Größenordnung von etwa 350 Millionen Euro zugunsten der Luftverkehrsindustrie in Deutschland. Geplant sind auch eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Speisen in der Gastronomie von 19 Prozent auf 7 Prozent zum 1. Januar 2026 sowie eine Ausweitung der Mütterrente. 

Nach Ansicht der „Wirtschaftsweisen“ Monika Schnitzer wird hierbei Geld an Gruppen verteilt, „die es nicht unbedingt brauchen, aber die besonders laut danach rufen“. Die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung betonte, man müsse sich „schon fragen, warum man für so etwas Geld ausgibt. Das wird das Wachstum nicht beschleunigen.“

Lebensmittel im Vergleich zu 2019 um 37 Prozent verteuert

Auch die zusätzlichen staatlichen Milliardeninvestitionen für die Infrastruktur könnten nach Einschätzung von Ökonomen für weniger Rückenwind sorgen als erhofft. Einschätzungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge fließen von den bis 2029 vorgesehenen 271 Milliarden Euro im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität rund 133 Milliarden in bereits geplante Maßnahmen – sie werden also keinen zusätzlichen konjunkturellen Impuls erzeugen.

Zwar ist die große Teuerungswelle mit Höchstwerten von fast neun Prozent Inflation ausgelaufen, die Deutschland nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine erfasst hatte. Doch viele Preise sind deutlich höher als vor ein paar Jahren: Lebensmittel in Deutschland haben sich seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 um mehr als ein Drittel (37 Prozent) verteuert.

Florian Wehner hofft auf neuen positiven Schwung

Nach Einschätzung von Volkswirten müssen sich Verbraucher in Deutschland vorerst mit Teuerungsraten oberhalb der Zwei-Prozent-Marke abfinden. Gestiegene Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen bremsen den privaten Konsum. Das könnte auch Arbeitsplätze kosten:

Vor allem im Einzelhandel stieg zuletzt der Anteil der Unternehmen, die ihre wirtschaftliche Existenz akut bedroht sehen, wie eine Umfrage des Ifo-Instituts ergab. Der Arbeitsmarkt ist ohnehin unter Druck. In wichtigen Branchen wie der Automobilindustrie wurden binnen eines Jahres fast 50 000 Jobs gestrichen. 

Auch Florian Wehner (links), Kreischef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Fulda, und Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda, äußern sich zum Konjunktur-Ausblick.

Neuer positiver Schwung ist dringend nötig, sagt Florian Wehner, Kreischef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Fulda. „Es wäre wünschenswert, wenn wir die aktuelle Krise bald hinter uns lassen könnten“, sagt er. „Eine anhaltende Flut negativer Nachrichten belastet nicht nur die Stimmung der Menschen, sondern bremst auch Investitionen und unternehmerischen Mut.“

„Dabei lebt unsere Wirtschaft von Zuversicht und Verlässlichkeit. Ein neuer positiver Schwung ist dringend nötig – und er ist erreichbar. Ich bin optimistisch, dass uns wieder nachhaltiges Wirtschaftswachstum gelingen kann. Die Politik hat erste Rahmenbedingungen gesetzt, die in die richtige Richtung weisen.“

„Maßgeblich vorangetrieben werden notwendige Wirtschaftsreformen dabei von der CDU, die sich klar zu Wettbewerbsfähigkeit, Entlastung von Unternehmen und Leistungsgerechtigkeit bekennt. Weitere Schritte müssen folgen, auch wenn viele Prozesse noch zu langsam verlaufen und Reformen sich verzögern. 

Michael Konow lobt breiten Branchenmix in der Region Fulda

Zugleich gilt es, überhastete Schnellschüsse zu vermeiden. Die Erfahrungen der Ampel-Regierung haben gezeigt, dass schlecht abgestimmte Maßnahmen oft nach hinten losgehen. Zusätzlich wünsche ich mir von den Medien eine weniger skandalbasierte Berichterstattung. Allzu oft entsteht der Eindruck eines permanenten politischen Streits, obwohl sachlicher Diskurs zum politischen Geschäft gehört. Diese Zuspitzung heizt die Stimmung unnötig an.“

„Die regionale Wirtschaft blickt mehrheitlich pessimistisch auf 2026“, erklärt Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda. „Die Wirtschaftspolitik, das Einbrechen der Inlandsnachfrage, steigende Arbeitskosten – noch verstärkt durch den Mindestlohn, der Fachkräftemangel und hohe Energie- und Rohstoffpreise bleiben Faktoren, die sich negativ auf die geschäftliche Lage auswirken.“

„Auch die weiterhin völlig unberechenbare Zollpolitik der US-Regierung könnte zusätzliche Bremsspuren hinterlassen“, fügt Michael Konow an. „Was mich dennoch hoffnungsvoll stimmt, ist die regionale Wirtschaftsstruktur, die von einem breiten Branchenmix und inhabergeführten mittelständischen Unternehmen geprägt ist.“

Fuldaer IHK-Geschäftsführer fordert beherztes Angehen von Reformen

Der IHK-Geschäftsführer ergänz: „Hier herrscht eine große Verantwortung für die Menschen und den Standort vor, so dass Entlassungen, eine Verlagerung der Produktion ins Ausland oder ein Schließen des Betriebs erst als letzte Option in Erwägung gezogen werden.“

„Umso wichtiger ist es, dass Berlin verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen setzt und die notwendigen Reformen beherzt angeht.“ Indes ging zuletzt die Arbeitslosigkeit in der Region Fulda im November gegenüber dem Vormonat zurück. Die Zahl der Arbeitslosen lag bei 4803 und somit um 100 niedriger als im Oktober. Die Quote liegt bei 3,7 Prozent.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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