VonPeter Hanackschließen
Gleichzeitig werden fast überall Fachkräfte gesucht. Mehr Weiterbildung, Qualifikation und Sprachkurse sollen hessenweit mehr Menschen in Arbeit bringen.
Der Arbeitsmarkt in Hessen zeigt ein scheinbar widersprüchliches Bild. So ist die Zahl der Arbeitslosen 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 17 000 gestiegen. Gleichzeitig wird es für Unternehmen schwieriger, Stellen mit Fachkräften zu besetzen. Die Bundesagentur für Arbeit setzt auf Qualifizierung und schaut dabei besonders auf die Menschen aus der Ukraine, die vor dem Angriffskrieg Russlands nach Hessen geflohen sind.
Rund 181 000 Menschen waren 2023 in Hessen im Jahresdurchschnitt arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitgeteilt hat. Das sind 17 000 mehr als 2022, die Arbeitslosenquote stieg damit von 4,8 auf nun 5,2 Prozent.
„Der sonst übliche Aufschwung im Frühjahr und im Herbst blieb hinter den Erwartungen zurück“, sagte dazu BA- Geschäftsführer Joav Auerbach. Als Gründe nannte er den Krieg in der Ukraine, hohe Energiepreise und eine schwächelnde Konjunktur.
Ältere stark betroffen
Dennoch versuchten viele Unternehmen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten, so Auerbach. Denn es sei für sie schwierig, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und Stellen zu besetzen. Deshalb seien Weiterbildung und Qualifizierung besonders wichtig. Dies gelte sowohl für Menschen ohne ausreichende Qualifikation als auch für Ukrainerinnen und Ukrainer, die nach Hessen geflüchtet sind.
Auerbach geht davon aus, dass viele in den nächsten Monaten ihre Sprachkurse absolvieren werden. Auch wenn sie die Sprache noch nicht perfekt beherrschten oder die Anerkennung ihrer Qualifikationen noch nicht abgeschlossen sei, könnten sie auf dem Arbeitsmarkt in Hessen schnell Fuß fassen. Aktuell seien 3500 Ukrainerinnen und Ukrainer in Hessen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 17 700 weitere, in der Mehrheit Frauen, suchten nach einem Job.
Mehr Arbeitslose in Frankfurt
Auch in Frankfurt ist die Zahl der Arbeitslosen angestiegen. Dort waren laut der Frankfurter Agentur für Arbeit im Dezember 25 600 Menschen arbeitssuchend gemeldet, im Dezember vergangenen Jahres waren es noch rund 1400 weniger. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich damit von 5,7 auf jetzt 5,9 Prozent.
Besonders gestiegen sind laut Arbeitsagentur die Arbeitslosenzahlen bei den Männern, den über 50-Jährigen, Menschen ohne deutschen Pass und bei den von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen. Etwa günstiger entwickelt haben sich die Zahlen bei den Frauen und den unter 25-Jährigen.
Die höchsten Quoten weisen Offenbach (8,9 Prozent), Wiesbaden (8,2 Prozent), Kassel (8 Prozent), Frankfurt (5,9 Prozent) sowie die Landkreise Groß-Gerau (5,9 Prozent) und Lahn-Dill (5,7 Prozent) auf.
