Das Jahr im Ortsbeirat 7

„Die soziale Infrastruktur muss gesichert werden“

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Johannes Lauterwald (Grüne) an der im Bau befindlichen Unterkunft für Geflüchtete In der Au 18-22 in Rödelheim.
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Ortsvorsteher Johannes Lauterwald (Grüne) spricht über die Geflüchtetenunterkunft in Rödelheim, den Autobahnausbau und das Schönhofviertel.

In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr 2024 in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es jetzt im neuen Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 7 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleut, Innenstadt).

Zum Ende des Jahres ging es im Ortsbeirat 7 hoch her. Die Stadt stellte zum Unmut vieler Menschen vor Ort und aus Sicht einiger Fraktionen im Ortsbeirat verspätet die geplante neue Unterkunft für Geflüchtete und Wohnsitzlose in Rödelheim vor. Wie kann aus Ihrer Sicht künftig die Kommunikation zwischen Stadt und den Gremien vor Ort verbessert werden?

In der Sitzung hatte das Dezernat eingestanden, dass zu viel Zeit zwischen Baugenehmigung und der Information des Ortsbeirats vergangen ist, und es das künftig anders handhaben wird. Ich denke, damit befinden wir uns auf dem richtigen Weg. Nachdem mir der Sachverhalt bekannt geworden war, hatte ich eng mit der zuständigen Referentin kommuniziert und mich mit dem Ortsbeirat abgesprochen. Uns war es wichtig, darüber in einer Sitzung zu informieren. Letztendlich fand ich den Ablauf der Sitzung relativ zufriedenstellend. Ich gehe davon aus, dass wir während des weiteren Baufortgangs durch die Stadt auf dem Laufenden gehalten werden.

Es wurden wegen der neuen Unterkunft Bedenken vor allem hinsichtlich der sozialen Infrastruktur und der Ausstattung der Brentanoschule geäußert. Wie wird der Ortsbeirat hier ein Augenmerk draufhaben?

Die soziale Infrastruktur muss unbedingt gesichert sein. Das ist ein Punkt, den wir im Auge behalten müssen wie auch die Verkehrssituation während der Bauarbeiten. All das trägt zur Akzeptanz der Geflüchtetenunterkunft bei, auch um zu vermeiden, verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen. Hierzu haben wir in der letzten Ortsbeiratssitzung Beschlüsse gefasst. Hinsichtlich der bedarfsgerechten Abdeckung des Stadtteils mit Betreuungsplätzen hatte die Stadt vor einigen Monaten den Ausbau der Kita im Kirschbaumweg mit dem Argument abgelehnt, im Schulbezirk Brentanoschule gebe es ausreichend Plätze. Die Gesamtsituation im Stadtteil ist jedoch eine andere. Auch die angesprochene angespannte Raumausstattung an der Brentanoschule dürfte der Stadt nicht neu gewesen sein.

Aktuell ist nicht bekannt, wie viele Familien mit Kindern in welchem Alter in die neue Unterkunft einziehen werden. Wie kann der Ortsbeirat hier vorausschauend agieren, damit kurzfristig eben nicht ein Engpass wegen fehlender Betreuungsplätze entsteht?

Sobald uns die Zahlen im Groben bekannt sind, werden wir darauf drängen, entsprechend Vorsorge zu treffen. Wir erwarten hier vor allem frühzeitig Informationen aus dem Bildungsdezernat, wie es hier plant und kalkuliert.

Auch Sie mussten sich in der letzten Sitzung Vorwürfe anhören, dass Sie die Fraktionen nicht über den Bau des neuen bosnischen Kulturzentrums informiert hätten. Was haben Sie persönlich für sich daraus gelernt?

Es war nicht meine Absicht, Gremium und Bürger uninformiert zu lassen. Es ist völlig zutreffend, was auch in der Sitzung gesagt wurde, dass die Menschen aus dem Umfeld mitgenommen werden müssen, wenn ein solches Projekt realisiert wird, auch wenn es baurechtlich keine Einwände gibt. Ich bin mir sicher, dass sich das Ganze nun gut entwickeln wird. Meine Fehler in dem Prozess habe ich eingestanden und meine Lehre daraus gezogen. Ein erster Schritt in diese Richtung war, schnell einen Termin für die Vorstellung des Projekts zu vereinbaren. Diese erfolgt in der Januar-Ortsbeiratssitzung.

Lange hatte der Ortsbeirat 7 auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zum zehnspurigen Ausbau der A5 gewartet. Seit Frühsommer liegen sie nun vor und eröffnen die Möglichkeit zum Ausbau. Wie wird es aus Ihrer Sicht hier weitergehen – auch in Hinblick auf die Bundestagswahl?

Zur Person

Johannes Lauterwald von den Grünen ist seit der Kommunalwahl 2021 Vorsteher für den Ortsbeirat 7 und zudem Stadtverordneter. Seine Stellvertreterin ist Michaela Will (SPD). Der 27-Jährige studiert Geschichte und kommt aus Rödelheim.

Im Ortsbeirat 7 sind die Grünen mit fünf Mitgliedern die stärkste Fraktion, gefolgt von CDU (vier), SPD und Farbechte/Die Linke mit jeweils drei. Zudem gehören FDP, BFF, Freie Wähler mit je einem Mitglied sowie ein Fraktionsloser dem Gremium an. Zum Ortsbezirk gehören Rödelheim, Praunheim, Hausen, Westhausen und Industriehof, dort leben leben 43 922 Menschen (Stand Juni 2024).

Die nächste Sitzung ist am Dienstag, 21. Januar, um 19.30 Uhr. the

Wir haben uns im Ortsbeirat mehrheitlich gegen den zehnspurigen Ausbau ausgesprochen. Betrachtet man bei der Machbarkeitsstudie, was bei uns alles wegfallen würde, sind das gravierende Einschnitte: Es betrifft Kleingärten, den Rödelheimer Fußballclub, wichtige Freiflächen und Wohnhäuser. Der Magistrat nimmt ebenfalls eine ablehnende Position ein. Insofern ist die Haltung der Stadt eindeutig. Es ist für uns zum Vorteil, dass, um die A5 im beschleunigten Verfahren auszubauen, eine Änderung im Planungsbeschleunigungsgesetz nötig wäre. Die vorherige schwarz-grüne Landesregierung hatte die A5 hierfür ja nicht gemeldet. Nichtsdestotrotz wird die Frage „Wie stellen wir uns moderne Mobilität vor?“ Thema im Bundestagswahlkampf werden. Über den Wunsch der von einem Ausbau betroffenen Ortsbeiräte nach einer Infoveranstaltung, um die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorzustellen, habe ich mit dem Mobilitätsdezernenten Wolfgang Siefert gesprochen. Er ist dazu bereit, allerdings braucht es hierfür den Willen der Autobahn GmbH.

Im Ortsbezirk 7 gibt es zahlreiche Initiativen, die sich für ihr Umfeld einsetzen, etwa die versiegelte Kreuzung in Alt-Praunheim zu bepflanzen, in Alt-Rödelheim einen Quartiersplatz zu gestalten oder aus dem Alten Friedhof in Hausen einen grünen Treffpunkt zu machen. Doch bislang konnte keines dieser Projekte umgesetzt werden. Wie können Sie als Ortsbeirat die Engagierten unterstützen?

In Alt-Praunheim liegt ja zumindest die Zusage des Magistrats vor. Der neue Umsetzungstermin ist im Frühjahr. Wir als Ortsbeirat bleiben dran und erwarten eine Einhaltung des genannten Termins. Zum Quartiersplatz in Alt-Rödelheim wird es im Januar ein Gespräch im Stadtplanungsamt geben, um auszuloten, was machbar ist. Zum Friedhof in Hausen ist ein Ortstermin mit dem Grünflächenamt angedacht. Mittlerweile wurde festgestellt, dass es sich beim Friedhof um ein Bodendenkmal handelt und das bisher vorliegende statische Gutachten hinfällig ist.

Was wissen Sie, wie es in Alt-Rödelheim mit den Bauarbeiten zu dem Wohn- und Ladenkomplex weitergehen wird?

Es ging zunächst langsam los. Die Baugrube wurde ausgehoben und ein Baukran aufgestellt, so dass man die Hoffnung hatte, es geht bald los. Mittlerweile schätze ich, dass der Zeitplan nicht einzuhalten ist. Möglicherweise hat das mit den aktuell schwierigen Bedingungen am Bau zu tun. Ein Update haben wir nicht erhalten. Bei unserem Gespräch im Januar im Stadtplanungsamt werden wir nachfragen. Einen Stillstand können wir uns nicht leisten. In Sachen Platzgestaltung wird es auf alle Fälle eine öffentliche Sitzung geben. Auch haben Bürger angeregt, einen Hinweis auf die Geschichte der jüdischen Familie Stern, die in einem der abgerissenen Häuser gelebt hat, zu integrieren.

Kommen wir auf die Schulsituation zu sprechen. Gute Nachrichten gab es für die Praunheimer Ebelfeldschule, die ihren Erweiterungsbau erhält. Doch wann geht es endlich bei der Hausener Kerschensteinerschule los?

Wir fragen regelmäßig nach, zuletzt im Oktober. Ich verstehe die zunehmende Ungeduld. Es ist eine unendliche Geschichte. Unser letzter Stand ist, dass alles davon abhängt, wann die Verhandlungen zwischen Stadt und Bistum über das Grundstück von St. Raphael an der Ludwig-Landmann-Straße, das als Ausweichquartier genutzt werden soll, zu einem Abschluss kommen. Jedenfalls ist die Kerschensteinerschule Bestandteil der Schulbauoffensive. Sobald ihr Um- und Neubau abgeschlossen ist, soll auf dem Areal das katholische Gymnasium entstehen.

In der Nachbarschaft zu St. Raphael nimmt das Schönhofviertel Gestalt an. Der Ortsbeirat macht sich Gedanken in puncto klimafreundlicher Anpassung von Park, Wegen und Plätzen. Wie wollen Sie sich hier frühzeitig Gehör verschaffen?

Vor gut zwei Jahren wurden uns die Pläne für den Park vorgestellt. Denen haben wir unter der Maßgabe zur klimafreundlichen Gestaltung zugestimmt. Im Oktober haben wir nachgefragt, wie der Sachstand ist, wann es endlich losgeht, damit dort nicht schon die Menschen leben, und der Park noch lange auf sich warten lässt. Bei der Gelegenheit haben wir erneut auf eine klimaresiliente Planung gedrängt.

Und welche Themen werden vor allem das kommende Jahr bestimmen?

Thema wird sicherlich der Fortschritt im Schönhofviertel sein und die verkehrliche Anbindung. Die Geflüchtetenunterkunft wird uns weiter begleiten. Hier möchten wir im engen Austausch mit der Bevölkerung bleiben. Bei der Nidda-Renaturierung steht der Anschluss des Altarms in Praunheim an. In dem Kontext erwartet der Ortsbeirat eine bessere Zusammenarbeit mit dem Verein für soziale Heimstätten, der die Geflüchtetenunterkunft in den ehemaligen Praunheimer Werkstätten betreibt, insbesondere wenn der Betreibervertrag verlängert werden sollte.

Gegen den Ausbau der A5 gab es Demonstrationen.
In Alt-Rödelheim, soll gebaut werden.
Die Ebelfeldschule in Praunheim erhält einen Erweiterungsbau.
Das Schönhofviertel entsteht.

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