VonSteven Mickschschließen
Die Forschung versucht, passende Therapien für Long Covid zu entwickeln. Zwar ist man bei der Ursachenforschung weitergekommen, doch noch fehlen Studienergebnisse.
Long Covid stelle die Forschung vor eine große Herausforderung. Wirksame Therapien zu finden, brauche vor allem eins: Zeit. In einem Jahr werde man schon viel mehr über Therapieansätze sagen können, sagt Maria Vehreschild, Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt, wo in Zusammenarbeit mit der Pneumologie auch die Post-Covid-Ambulanz angesiedelt ist.
Long- und Post Covid sind quasi zwei weitgehend synonyme Begriffe. Das Wort Long Covid hätten Betroffene gewählt, Post Covid ist der akademische Ausdruck, den die Weltgesundheitsorganisation definiert hat.
Gesicherte Erkenntnisse fehlen
Von der Theorie zurück zur Therapie: Auf diesem Feld fehlt es noch an gesicherten Erkenntnissen aus klinischen Studien. Erste Ergebnisse werden in Kürze erwartet. Die Studien müssen hohen Qualitätsstandards genügen, bestehende Therapien müssen geprüft und neue entwickelt werden. Da bei Long-Covid-Erkrankten mitunter unterschiedliche Symptome aufträten, sei es wahrscheinlich nicht möglich, eine allumfassende Therapie zu gewährleisten, so die Medizinerin.
„Bei der Ursachenforschung ist man deutlich weiter gekommen“, sagt Vehreschild, die Forscher:innen gingen von vielen verschiedenen Ursachen aus. Eine soll die Viruspersistenz sein, das heißt, es wird vermutet, dass die Coronaviren in einem Rückzugsraum des Körpers überdauern. Jedoch nicht im Blut, wo man sie leicht nachweisen könnte, sondern zum Beispiel in Darm oder Gehirn. Auch die Reaktivierung anderer Viren steht im Raum. So könnte die Coronainfektion zu einer Schwächung des Immunsystems führen, wodurch andere Erreger wie das Epstein-Barr-Virus (EBV) nicht mehr in Schach gehalten werden können. Das EBV tragen viele Menschen im inaktiven Zustand in sich.
Auch Gerinnungsstörungen, Autoimmun-Phänomene und eine mögliche pro-entzündliche Situation im Mikrobiom des Körpers werden als Ursachen in Betracht gezogen. Diese Vielfalt zeigt, wie schwer es ist, eine passende Therapie zu entwickeln – und warum es so lange dauert.
Forderung nach mehr Ambulanzen
Weltweit gebe es geschätzt 65 Millionen Fälle von Post Covid, berichtet die Infektiologin. Zwischen 100 und 200 Fälle jährlich würden in der Ambulanz behandelt. „Aber der Bedarf ist viel höher.“ Es gibt eine Warteliste mit Menschen, die ebenfalls in der Ambulanz vorstellig werden wollen. Zusätzliches Personal sei den Ambulanzen nicht zur Verfügung gestellt worden. „Es bräuchte sehr viel mehr Geld, das man dann auch in den Aufbau von Ambulanzen stecken müsste“, sagt Vehreschild. Dort müssten dann Studien vorgenommen werden, um mehr Erkenntnisse zu sammeln.
Patient:innen empfiehlt die Fachfrau den Kontakt zu Selbsthilfegruppen. Dort erfahre man nicht nur sehr viel Akzeptanz, sondern bekomme auch viele Informationen. Wer medizinische Hilfe möchte, sollte sich durchaus auf die Wartelisten der Post-Covid-Ambulanzen setzen lassen. Auch ein Blick auf die Internetseite www.mecfs.de könne sich lohnen. Die Myalgische Enzephalomyelitis/das Chronische Fatigue-Syndrom ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die sich viele Symptome mit Long Covid teile. Die Seite biete viele hilfreiche Informationen.

