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Das Areal der Gerhart-Hauptmann-Schule, so Bürgermeister Wilhelm Gebhard, sei ein Filetstück mitten in der Wanfrieder Ortslage.
Wanfried – Im Herbst ist es soweit – die Grundschüler der Gerhart-Hauptmann-Schule (GHS) ziehen auf den neuen Schulcampus in Wanfried. Dann stehen die Gebäude an der Martinsgasse 4 leer. Was mit ihnen passiert, erklären nun Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard und eine Sprecherin des Werra-Meißner-Kreises.
Das sagt der Kreis:
„Seitens der Kreisverwaltung werden aktuell die Vorbereitungen getroffen, um die notwendigen Gremienbeschlüsse für eine Entwidmung des bisherigen Schulgebäudes einzuholen“, erklärt Sylvia Weinert vom Fachdienst Öffentlichkeit und Kultur.
Werden Grundstücke oder grundstücksgleiche Rechte, die ein Schulträger bei einem Wechsel der Schulträgerschaft ohne Entschädigung abgegeben hat, für schulische Zwecke nicht mehr benötigt, so kann der frühere Schulträger innerhalb eines Jahres nach der Entwidmung die unentgeltliche Rückübertragung verlangen. „Mit der Entscheidung und der Umsetzung ist im Spätherbst 2024 zu rechnen“, so Sylvia Weinert weiter.
Das sagt der Bürgermeister:
„Sobald die Schule auszieht, kann der Kreistag den Entwidmungsprozess beginnen“, bestätigt Bürgermeister Wilhelm Gebhard. Ist das geschehen, habe die Kommune ein Jahr Zeit, um sich für oder gegen eine Rückübertragung vom Landkreis zu entscheiden. „Wir warten also aktuell erst mal ab.“
Das Areal der GHS, so Gebhard, sei ein Filetstück mitten in der Wanfrieder Ortslage. „Das ist eine ortsprägende Stelle und hat einen gewissen Wert.“ Die Stadt sei schon einmal Eigentümer des Areals gewesen, bevor Mitte des 20. Jahrhunderts der Kreis Schulträger wurde, erklärt Gebhard. Aus dem November 2020 gibt es einen aktiven Beschluss, in dem der Umbau der Grundschule in eine Kita festgehalten wurde – Krippenplätze waren in der Gemeinde Mangelware. Mit maximal 1,5 Millionen Euro Eigenanteil soll ein reiner Krippenstandort an der Martinsgasse entstehen. So zumindest der Plan.
Gebhard: „Wir haben zweimal Fördermittel in einem Bundesprogramm für den Umbau beantragt und sind beide Male gescheitert.“ In diesem Programm würden vornehmlich Sportstätten und Schwimmbäder gefördert werden. Gebhard: „Eine große Lösung kann so also nicht finanziert werden.“ Auch sei zwischen November 2020 und Sommer 2024 die Zeit weitergegangen; Bau- und Sanierungskosten seien seitdem deutlich teurer geworden.
„Mit dem Bedarf an Kita- und Krippenplätzen ist es ein Auf und Ab“, weiß Bürgermeister Gebhard. Zum Sommer sei fast eine ganze Gruppe frei, in den vergangenen drei Monaten habe es aber 13 Geburten in Wanfried gegeben, außerdem einige Zuzüge mit kleinen Kindern. Der Bedarf werde in absehbarer Zukunft also wieder steigen. „Die eine Krippengruppe, die als Übergangslösung in Heldra eingerichtet wurde, wird zudem zum 31. Juli geschlossen.“
Aktueller Stand sei nun, dass die Gremien die Rückübertragung nicht ablehnen werden, sagt der Bürgermeister. „Die Nutzung der bald leer stehenden Grundschule müssen wir trotzdem neu debattieren.“ Statt einer Krippe sei denkbar, die Gerhart-Hauptmann-Schule in barrierefreien bzw. barrierearmen Wohnraum umzuwandeln – der werde in Wanfried händeringend gesucht.
Gebhard: „Wie es mit dem Areal der GHS weitergeht, müssen wir in den Gremien noch ausgiebig diskutieren, wenn sich Fördermittel abzeichnen. Noch haben wir den Krippen-Auftrag.“ Im Backsteingebäude – das steht bereits fest – soll das Wanfrieder Museum seine neue Heimat finden. (Theresa Lippe)
Die Historie der Gerhart-Hauptmann-Schule
Das Areal der Wanfrieder Gerhart-Hauptmann-Schule misst 5162 Quadratmeter und umfasst drei Gebäude. Das Gelände, auf dem die Kinder noch bis Herbst lernen und spielen, wird schon lange als Schulgelände genutzt. Zuerst wurde 1843 ein stabiles Schulhaus aus grauem Sandstein mit Rundbogenfenstern und Walmdach gebaut. Es steht seit Jahrzehnten leer. „Wir nennen dieses Gebäude in Wanfried ‘Uraltschule’“, erklärt der Bürgermeister.
1903 wurde dahinter das neugotische rote Backsteingebäude als weiteres Schulhaus gebaut. Aber auch dort reichte bald der Platz nicht, sodass in den Jahren 1958/1959 ein zehnklassiger Neubau nebenan errichtet wurde. Dieser dient seither als Hauptgebäude mit Verwaltung, Lehrerzimmer und Fachräumen. Mit der Landschulreform im Raum Wanfried änderten sich 1968 die Organisation und die Struktur der Gerhart-Hauptmann-Schule grundlegend.
Für die Kinder ab Klasse 5 war am Stadtrand eine neue, moderne Schule errichtet worden. In der Gerhart-Hauptmann-Schule, also in der Innenstadt, verblieben die Schuljahrgänge 1 bis 4, jetzt aber mit den Grundschülern der aufgelösten Dorfschulen aus Niederdünzebach, Schwebda, Frieda, Völkershausen, Aue, Heldra und Altenburschla. Zusammen waren es zeitweilig über 500 Kinder, die im Backstein-Gebäude und im Neubau unterrichtet wurden. tli
