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Durchsuchungen bei 42 Eintracht-Fans

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Beim Spiel Eintracht Frankfurt gegen VfB Stuttgart im Deutsche Bank Park ziehen sich die Frankfurter Ultras aus Protest gegen die Polizei aus ihrem Fanblock zurück.
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Polizei greift nach Ausschreitungen beim Eintracht-Spiel zu harten Maßnahmen zu denen auch Aufenhaltsverbote für das Bahnhofsviertel und Alt-Sachsenhausen gehören sollen.

Knapp vier Monate nach den Krawallen beim Bundesligaspiel von Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart hat die Polizei die Wohnungen von potenziellen Tatbeteiligten durchsucht. Hessenweit seien am Dienstagmorgen 42 Wohnungen durchsucht worden, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Ziel sei es, Bekleidung und Datenträger zu finden, die konkrete Hinweise auf eine Tatbeteiligung zulassen.

Den Beschuldigten werden laut Staatsanwaltschaft der besonders schwere Fall von Landfriedensbruch, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamt:innen und gefährliche Köperverletzung vorgeworfen, Sie sollen am 25. November vorigen Jahres Absperrgitter, Fahnenstangen, Feuerlöscher, Gürtelschnallen, Plastikboxen und Handtuchhalter in Richtung der Polizeibeamt:innen geworden haben. Die Angreifer:innen seien vermummt gewesen.

Die Polizei teilte mit, „gefahrenabwehrrechtliche Maßnahmen gegen gewalttätige Fußballfans“ eingeleitet zu haben. So habe die Eintracht am Dienstag die Empfehlung erhalten, gegen 36 identifizierte Tatverdächtige bundesweite Stadionverbote zu verhängen. Der für Fanbelange zuständige Eintracht-Vorstand Philipp Reschke bestätigte den Erhalt der schriftlichen Anregung. „Wir werden uns einen Überblick verschaffen und dann das weitere Vorgehen festlegen.“

Neben dieser Empfehlung hat die Polizei weitere Schritte eingeleitet. So soll gegen 37 Fans ein Aufenthaltsverbot von bis zu drei Monaten für neuralgische Punkte um das Stadion und „in der Fußballszene relevante Örtlichkeiten“ erfolgen. Dabei handelt es sich um das Bahnhofsviertel, das Kneipenviertel in Alt-Sachsenhausen und Teile des Mainufers, wie die FR auf Nachfrage erfuhr. Die Dauer von drei Monaten gelte für besonders schwere Fälle, was zur Folge habe, dass die Betroffenen auch die in Frankfurt stattfindenden EM-Vorrundenspiele nicht besuchen können. Der Polizei geht es insbesondere um die Partie zwischen England und Dänemark. Die 37 Betroffenen hätten Anhörungen dazu zugeschickt oder ausgehändigt bekommen.

Die Kriterien für dieses harte Vorgehen seien die konkrete Tatbeteiligung am 25. November, „die einschlägige Historie im Kontext Fußball und weitere ergänzende Erkenntnisse“. Auf Nachfrage hieß es, dazu zählten etwa die Mitgliedschaft zu einer Hooligan-Gruppierung oder Hinweise auf Auffälligkeiten bei Auswärtsfahrten. Sechs der Beschuldigten bekamen zudem sogenannte Gefährderschreiben zugestellt. Darin werden sie gewarnt, sie müssten mit ähnlich drastischen Strafen wie die übrigen 36 Tatverdächtigen rechnen, also Stadionverboten.

Der Fanclubverband der Eintracht kritisierte das Vorgehen scharf und sprach von „Schikane“. Die Maßnahmen seien völlig überzogen. Auch in den sozialen Medien stieß das Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaft auf Kritik und Häme. „Lächerlich. Gibt wohl keine echten Probleme“, schrieb ein Nutzer bei X, vormals Twitter. Ein anderer fragte nach: „Habt ihr eure gewalttätigen Kollegen auch besucht, oder wurde das mal wieder vergessen?“

Unklar blieb am Dienstag, wie die nach Angaben der Staatsanwaltschaft vermummten Tatverdächtigen identifiziert wurden. Die Staatsanwaltschaft machte dazu keine Angaben. Auch die explizite Nachfrage, ob sogenannte Super-Recognizer zum Einsatz kamen, ließ die Anklagebehörde offen. Bei der Randale Ende November wurden nach Polizeiangaben rund 50 Beamte verletzt. Seitdem ermittelt die Polizei mit Hochdruck und hatte eigens eine knapp 50-köpfige Sonderkommission ins Leben gerufen. Von Seiten der Fans war Kritik am Vorgehen der Polizei laut geworden. Mögliches Fehlverhalten der Polizei soll das Landeskriminalamt ermitteln.

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