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Die Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft legt im Diversitätsausschuss den Finger in viele Wunden.
Wie fühlt es sich an, wenn man im Rollstuhl in Frankfurt unterwegs ist, ein dringendes Bedürfnis hat, aber keine öffentliche Toilette in Sicht, die barrierefrei ist? Warum wurde der Goetheturm ohne Aufzug wiederaufgebaut? Und wieso gibt es immer noch 628 Bushalte- und 128 Straßenbahnhaltestellen in der Stadt, die nicht barrierefrei sind?
„Erst, wenn man im Rollstuhl sitzt, sieht man die Probleme“, sagt Alexander Bauer. Er ist Sprecher für Bauen, Wohnen und Freizeit der Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft (FBAG), die am Donnerstagabend im Diversitätsausschuss über ihre ehrenamtliche Arbeit berichtet. Er sei selbst Fußgänger gewesen, sagt Bauer, und wisse, was es heiße, auf den Rollstuhl umzusteigen. Die Auflistung der Barrieren, die für gehende, sehende und hörende Menschen keine sind, geht weiter: Sand unter der Schaukel auf dem Spielplatz? Da kommen Rollstuhlfahrer:innen nicht durch, weiß der Familienvater. Der Roßmarkt und der Goetheplatz: „Ebenerdig heißt nicht barrierefrei“ - was sei mit Leitstreifen und akustischen Signalen?
Der barrierefreie Umbau von Bus- und Straßenbahnhaltestellen beschäftigt auch die Stabsstelle Inklusion. „Da mahnt die FBAG zu Recht an, dass das besser werden muss“, sagt Leiterin Christine van den Borg in einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau kurz vor dem Ausschuss. „Da ist der größte Handlungsbedarf.“
Die FBAG gibt es seit 1990, seit 1992 ist sie ein sogenanntes magistratsberatendes Gremium. In ihr organisieren sich Verbände, Vereine und Einzelpersonen. Ihr Geschäftsführer ist Sören Schmidt, der Behindertenbeauftragte der Stadt.
Gut eine Stunde Zeit nimmt sich der Ausschuss für das Thema. Die Stadtverordneten versichern, wie wichtig es sei, dass die FBAG sich unermüdlich für die Belange von Menschen mit Behinderungen einsetze. Gregor Amann (SPD) will wissen, wie Frankfurt in Sachen Barrierefreiheit im Städtevergleich dastehe. Hannes Heiler vom FBAG-Fachausschuss Verkehr schüttelt erst den Kopf. Das wisse er nicht. Doch sei es nicht egal, wie die Situation in Lissabon sei? „Ich lebe in Frankfurt.“
Diversitätsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) betont, es sei gut, dass die FBAG auf Defizite hinweise. „Und das ganz klar und deutlich und immer wieder.“ Antworten auf die vielen Fragen gibt es indes nicht.
