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Boris Mijatovic musste am Sonntagabend lange zittern. Erst spät stand fest, dass es der Kasseler Grünen-Bundestagsabgeordnete wieder nach Berlin schafft. So verlief der Abend für ihn.
Update vom 24. Februar, 10.30 Uhr:
Kassel – Boris Mijatovic hat es doch wieder nach Berlin geschafft. Erst spät stand fest, dass der Kasseler Grünen-Politiker erneut im Bundestag vertreten sein wird. Bei den Erststimmen landete der 51-Jährige hinter den Direktkandidaten Daniel Bettermann (SPD) und Maik Behschad (CDU) nur auf dem dritten Rang. Auf der Landesliste stand Mijatovic auf dem sechsten Platz. Weil die Öko-Partei nach dem vorläufigen Endergebnis bundesweit 11,6 Prozent der Stimmen erhielt, sind die hessischen Grünen mit sieben Abgeordneten in Berlin vertreten.
Erstmeldung vom 23. Februar, 22.45 Uhr:
In der Caricatura-Bar musste der Außenpolitikexperte mit seinen Unterstützern lange zittern. Bis spätabends war nicht endgültig klar, wiee s für ihn weitergeht. „Im Moment sieht es aus, als würden die Grünen in Hessen sechs Plätze bekommen“, sagt Mijatovic um 22.40 Uhr. Mit seinem Listenplatz 6 wäre der 51-Jährige somit ein zweites Mal im Bundestag. Er geht davon aus, dass er auch einzieht, wenn das BSW über die Fünf-Prozent-Hürde klettert. Aber: „Um mich geht es heute Abend aber gar nicht“, sagt der 51-Jährige, der sich am Anfang des Abends optimistisch zeigt, später aber von einem „enttäuschenden Ergebnis“ spricht. „Wir sind gestartet bei 13,3 Prozent und liegen jetzt bei 12,2 Prozent“, sagt er etwas resigniert.
Viele Parteifreunde und Wegbegleiter haben sich am Sonntagabend zusammengefunden, um bei Aperol Spritz, Pizza und Gebäck das Wahlergebnis zu verfolgen. Unter den Gästen sind auch Awet Tesfaiesus, die höchstwahrscheinlich für den Wahlkreis 168 (Werra-Meißner – Hersfeld-Rotenburg) in den Bundestag einziehen wird, und die Landtagsabgeordneten Sascha Meier und Vanessa Gronemann. Die Stimmung: gelassen, aber geprägt vom Warten. Auf einer großen Leinwand laufen die Hochrechnungen – auf einem Podest steht Mijatovic und bedankt sich bei seinem Team für den Wahlkampf.
„Enttäuschendes Ergebnis“
Viel mehr mache Mijatovic das Bundesergebnis zu schaffen: „Viele Parteien, die gar nicht regieren wollen, haben einen großen Zuspruch bekommen“, sagt er. AfD und Linke machten nunmehr ein Drittel im Bundestag aus. „Die Verantwortung liegt auf den anderen zwei Dritteln.“ Gehofft hatte er auf eine Zwei-Fraktionen-Koalition.
Und auch das Hessen-Ergebnis fällt für den Ex-Stadtverordneten „enttäuschend“ aus. „Omid Nouripour aus Frankfurt konnte sein Direktmandat nicht verteidigen, und Philip Krämer aus Darmstadt hat es auch nicht geschafft.“ Dass die Grünen bei der Erststimme mit 14,1 Prozent hinter der AfD liegen (16,2 Prozent), sei ein herber Verlust. Auch wenn die Prozentverluste der Grünen nicht so groß waren – bei der Bundestagswahl 2021 holten sie 14,8 Prozent –, „gemessen an der Richtungsentscheidung hätten wir uns mehr Zuspruch erhofft“, sagt Mijatovic.
Parteivorsitzender Lucian Hanschke erzählt ebenfalls, wie engagiert die Grünen in diesem Wahlkampf waren: „Wir konnten viele neue Mitglieder aktivieren, einiges bewegen und haben um die 900 Plakate aufgehängt.“
Seinen Optimismus verliert Mijatovic aber über den Abend nicht. „Die überwältigende Wahlbeteiligung zeigt, dass von Politikverdrossenheit bei dieser Wahl nicht die Rede sein kann.“ Diese Zahl sei am Wahlsonntag die wichtigste.
Komme er in den Bundestag, werde er gern mit Daniel Bettermann zusammenarbeiten. Dass alle Kasseler Kandidaten im Wahlkampf fair miteinander umgegangen seien, hebt er besonders positiv hervor. „Meine Unterstützung für den Wahlkreis hat Daniel – wie Timon damals auch.“ (Clara Pinto, Matthias Lohr)

