Heimspiel in Frankfurt

Ein Stück Speck für einen schlechten Tag in Frankfurt

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Der rumänische Lebensmittel-Laden an der Habsburger Allee.
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Im rumänischen Laden Valahu finden viele ein bisschen Heimat

Ein Mann verlässt gerade mit zwei großen Taschen und einer riesigen Tüte Chips den Laden Valahu an der Habsburgerallee. Drinnen steht ein Pärchen an der umfangreich bestückten Fleischtheke und gibt Bestellungen auf. Das kleine Geschäft für rumänische Delikatessen und Spezialitäten liegt etwas versteckt im Frankfurter Ostend, doch für die Mittagszeit ist er nicht schlecht besucht. In den Regalen findet man Süßigkeiten, Kekse, Chips. Käse und Joghurt gibt es ebenfalls, dazu viele Gläser mit eingelegtem Gemüse wie Paprika, Gurken oder Tomaten.

Eine Kundin kauft gleich drei mächtige Gläser mit Krautrouladen, „wenn man zu faul zum Rollen ist“, sagt sie und lacht. Gefüllt sind sie mit einem Hackfleisch-Reis-Gemisch. Das werde oft traditionell an Weihnachten gegessen - Sarmale heiße es. Außerdem hat sie sich noch eine Art Cevapcici aus der Tiefkühltheke geholt, aus Rind- und Schafsfleisch, „das will ich mal probieren“. Einen süßlichen Käse, den sie für einen Käsekuchen nutzen will und der der eigentliche Grund für ihren Besuch war, habe sie nicht gefunden. Seit 30 Jahren lebten sie und ihr Mann in Deutschland, da vermisse sie eigentlich keine Gerichte aus der Heimat mehr.

Vergangenes Jahr hat Ilinca-Gabriela Vioiu den Laden mit ihren Eltern übernommen. Ihre Mutter war angestellt bei den vorherigen Besitzern. Das Geschäft gebe es wohl schon zehn Jahre, schätzt sie. Bald wollen sie es etwas umgestalten und modernisieren. Die Familie betreibt noch eine Filiale in Kaiserslautern und haben gerade eine in Ludwigshafen eröffnet.

In Frankfurt gebe es eine der ältesten und größten rumänischen Communitys im Westen Deutschlands, sagt Vioiu, die in Mannheim wohnt. Nach den statistischen Angaben der Stadt leben rund 10 750 Rumäninnen und Rumänen hier. Viele seien zum Arbeiten gekommen, manche nach dem Studium hier geblieben, meint die 27-Jährige. Vioiu selbst und ihre Eltern sind seit 2020 in Deutschland, sie ging dann noch mal nach Bukarest und kehrte 2022 zurück. Sie hat in Italien Jura studiert, das helfe ihr nun auch bei ihrer Arbeit als Managerin ihrer Läden.

Besonders beliebt bei ihren Kunden sei Slanina, geräucherter Schweinerückenspeck, sagt Vioiu. „Wenn man einen schlechten Tag hat, dann isst man ein Stück davon.“ Oder auch die Würstchen Carnati de casa und Sunca, geräucherter Schinken. Generell esse man in Rumänien viel Fleisch. Und Kraut: „Ich denke, wir lieben Kraut fast so sehr wie die Deutschen.“ Wenn sie ihren internationalen Freunden ein rumänisches Gericht vorführen wolle, mache sie Tochitura. Hinein kämen Schweinefleisch und Würstchen. Dazu gebe es Mamaliga, einen Maisbrei, den Schafskäse Telemea sowie Tomatensoße.

Frische Kuchen würden ebenfalls jede Woche aus Rumänien importiert, wie Savarina, ein Rumkuchen, oder der Schokoladenkuchen Amadine. Viele Artikel im Geschäft – oder das, was die Kundinnen und Kunden damit kochen – erinnere sie an Rumänien, sagt Vioiu. „Ein Stück Heimat in einem fremden Land.“ Die Croissants etwa, die sie im Laden verkaufen, mögen vielleicht nicht die besten sein, aber sie versetzten sie in ihre Kindheit. „Und wie ich sie gemeinsam draußen mit meinen Freunden gegessen habe.“

Für die Fußball-Europameisterschaft konnte man in ihrem Laden auch T-Shirts, Schals und Flaggen kaufen, erzählt Vioiu - um das rumänische Team zu unterstützen. Sie hofft, dass Rumänien am Mittwoch in Frankfurt seinen Platz im Achtelfinale klar macht. Aber auch wenn das nicht klappe, seien die meisten wohl nicht allzu enttäuscht, glaubt sie. Die Mannschaft hätte bislang einen tollen Job gemacht, und schon mehr erreicht, als man erwartet hatte.

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