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Modekette Aachener insolvent: Neues Warenhaus an der Zeil steht auf der Kippe

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    Steven Micksch
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Der Mieter des früheren Karstadt-Gebäudes an der Frankfurter Zeil hat Insolvenz beantragt. Eigentlich wollte das Modehaus Aachener dort ein Warenhaus öffnen. Ob das nun geschieht, ist unklar.

Eigentlich sollte rechtzeitig vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts ein Warenhaus namens Aachener Department Store das frühere Karstadt-Gebäude an der Zeil in Frankfurt mit neuem Leben füllen. Doch nach Wochen, in denen das Modehaus Aachener, das die Immobilie im Sommer von Galeria übernommen hatte, immer neue Öffnungstermine nannte, hat das Unternehmen TEH Textilhandel, das hinter Aachener steht, vor dem Dortmunder Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger von der Wirtschaftskanzlei White & Case teilte am Freitag mit, der Geschäftsbetrieb von Aachener werde auch nach dem Insolvenzantrag an allen bisherigen neun Standorten uneingeschränkt fortgeführt. Parallel dazu würden die Sanierungsmöglichkeiten eruiert und das Investoreninteresse geprüft. „Ob und gegebenenfalls wann die noch nicht geöffneten Filialen die Geschäftstätigkeit aufnehmen können, ist ebenfalls Gegenstand der Prüfungen.“ Das gelte auch für eine mögliche Eröffnung des Department Stores in Frankfurt, teilte er auf FR-Anfrage mit.

Verdi klagt über anhaltende Unsicherheit für frühere Beschäftigte von Karstadt an der Zeil

Ob der frühere Karstadt an der Zeil in Frankfurt wirklich zum Aachener Department Store wird, ist offen.

Bislang wird das frühere Karstadt-Gebäude von Aachener für einen Sonderverkauf von Fahrrädern, Sport- und Outdoorartikeln genutzt. Im August hatte sich der damalige Geschäftsführer des Modehauses Aachener, Friedrich-Wilhelm Göbel, zuversichtlich gezeigt, dass das geplante Warenhaus Ende September oder Anfang Oktober öffnen könne. Doch danach gab es immer spärlichere Informationen zur geplanten Öffnung. Inzwischen wird Göbel per Haftbefehl gesucht, weil er Anfang November nicht zu einem Gerichtstermin erschien.

Für die früheren Beschäftigten von Galeria an der Zeil setze sich die Unsicherheit nun fort, sagte Katja Deusser von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Freitag auf Anfrage. Sie forderte, nun rasch Klarheit zu schaffen, wie es weitergeht. 220 Menschen hatten bis Juni für Galeria an der Zeil gearbeitet. Ein Teil von ihnen arbeitet inzwischen an anderen Standorten von Galeria. Weiter geöffnet ist etwa der frühere Kaufhof an der Hauptwache. Die Arbeitsverträge der früheren Karstadt-Beschäftigten enden aber Ende Januar 2024. Göbel hatte angekündigt, allen Beschäftigten ein Jobangebot zu machen. Wie viele inzwischen für Aachener arbeiten, blieb am Freitag unklar.

Frankfurter Wirtschaftsdezernentin bietet Unterstützung an

Die Frankfurter Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) sagte am Freitag, sie hoffe im Sinne der betroffenen Beschäftigten, dass die Prüfung, ob das Warenhaus trotz Insolvenz öffnen könne, positiv verlaufe. Über die Wirtschaftsförderung suche das Dezernat den Kontakt sowohl zum Modehaus Aachener als auch zur Vermieterseite und biete Unterstützung an. „Unser gemeinsames Ziel besteht darin, Leerstand zu vermeiden und eine attraktive Lösung für die Zeil zu erreichen“, sagte Wüst.

Das frühere Karstadt-Gebäude soll nach Plänen der Eigentümer mittelfristig einem Neubau weichen.

Ähnlich äußerte sich Joachim Stoll, Vizepräsident des Handelsverbandes Hessen. „Ein Leerstand des Gebäudes für die nächsten zwei Jahre bis zum Abriss muss verhindert werden“, sagte er. Ein solch großes ungenutztes Gebäude würde das Gesamtbild der großen Frankfurter Einkaufsstraße erheblich verschlechtern. Nun sei der Vermieter des Hauses gefragt, eine alternative Nutzung zu finden. Auch eine Zwischenlösung mit einer Kunstausstellung, wie etwa beim ehemaligen Esprit-Gebäude in der Nähe der Hauptwache, sei besser als ein Leerstand, sagte Stoll. Von der Stadt Frankfurt fordert er nun eine schnelle Absprache mit den beiden Vermietern des Galeria-Grundstücks. Es müsse darum gehen, zeitnah ein endgültiges Konzept für den Neubau zu entwickeln, der den früheren Karstadt ersetzen soll.

Rubriklistenbild: © Renate Hoyer

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