VonWiebke Huckschließen
Noch bis Ende des Jahres gilt in der Gastronomie der als Corona-Hilfe eingeführte ermäßigte Mehrwertsteuersatz auf Speisen in Höhe von 7 anstatt 19 Prozent. Damit sollten Gastronomen in Pandemie-Zeiten entlastet werden.
Werra-Meißner – Mit der Rückkehr zur alten Mehrwertsteuerregelung befürchtet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) eine Vielzahl von Betriebsschließungen, Preissteigerungen von mehr als 15 Prozent, sinkende Umsätze und weniger Arbeitsplätze in der Gastronomie. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Umfrage des Dehoga-Bundesverbands, an der sich 9600 Mitgliedsbetriebe bundesweit beteiligt haben, davon 830 aus Hessen, auch aus dem Werra-Meißner-Kreis. Damit setzt sich laut Christian Pelikan, Dehoga-Vorsitzender des Werra-Meißner-Kreises, ein Negativtrend fort, der sich seit mehr als zehn Jahren abzeichnet: „Deutschland ist das einzige Land, das in diesem Zeitraum 30 Prozent seiner Gastronomiebetriebe verloren hat“, so der Gastronom. Seiner Meinung nach müsse das gesamte Steuersystem überdacht werden. Ein Imbissbetreiber zahlt auch künftig 7 Prozent Mehrwertsteuer, erst wenn Service hinzukommt, geht die Mehrwertsteuer hoch. Das würde sich auch auf die Restaurantpreise auswirken und es so gerade Menschen mit einem schwächeren Einkommen noch schwerer machen, sich außerhalb der eigenen Küche gesund zu ernähren. Gerade im Hinblick auf die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und das Ernährungsverhalten der Deutschen sei das ein ganz falsches Zeichen.
„Die Gastronomie schafft Arbeitsplätze, sie ist wichtiger Teil der Integration, da hier Stellen niederschwellig und mit kurzer Einarbeitungsphase geschafft werden“, so Pelikan. Die gestiegenen Energiekosten würden es zurzeit gerade kleineren, Inhabergeführten Betrieben schon schwer genug machen. „Wenn jetzt auch noch eine Abgabensteigerung in Höhe von 12 Prozent hinzukommt, werden das auch bei uns im Kreis einige Betriebe nicht mehr stemmen können.“
Die erwarteten Schließungen werden gerade die ländlichen Regionen treffen, sagt dazu der Präsident des Dehoga Hessen, Gerald Kink. „Künftig bedeutet das noch mehr Dörfer ohne Gasthaus und Gegenden, in denen Wanderer und Feriengäste unter der Woche kaum noch geöffnete Gastwirtschaften finden.“ Besonders schlecht ist das für die Tourismusregionen, denn ohne funktionierendes Gastgewerbe läuft im Tourismus nichts.
So werden Speisen besteuert
Für Speisen, die der Gast mitnimmt oder sich nach Hause bestellt, fallen auch künftig 7 Prozent Mehrwertsteuer an. Werden Speisen beispielsweise in einer Fast-Food-Kette bestellt und ohne Porzellangeschirr, im Stehen aus Papp- oder Styroporverpackungen verzehrt, gilt ebenfalls die 7-Prozent-Regel. Tische und Stühle erhöhen die Steuer auf 19 Prozent, gibt es nur Stehtische, gilt das ebenfalls als Außerhausverkauf. (hbk)
