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Das Spiel England gegen Dänemark bedeutet für die Pubs in Frankfurt absolute Ausnahmesituation. So sind sie vorbereitet.
Frankfurt -Die englischen Fans sind berüchtigt - für Ihren Bierkonsum und ihre Massen. Am Donnerstag spielt ihre Nationalelf um 18 Uhr gegen Dänemark - im Frankfurter Waldstadion. 10 000 Tickets sind an die englischen Fans gegangen, weitaus mehr dürften insgesamt in der Stadt unterwegs sein.
Für die hat sich das O’Reilly’s, ein Irish Pub direkt am Hauptbahnhof, vorbereitet: 10 000 Liter Bier hat Manager Martija Tvrcec (41) zusätzlich bestellt - hauptsächlich das irische Guinness und Henninger. Dazu kommen 20 000 Plastikbecher - „aus Sicherheitsgründen“, sagt er. Mit 8000 Fans rechnet er am Donnerstag während des Spiels, in und um seinen Laden herum. „Wir denken, dass dann hier keine Autos mehr fahren und sich die Leute um den Pub stellen.“ Alle Gäste wird er trotz der 35 Service-Kräfte nicht bewirten können, sagt Martija Tvrcec, aber immerhin gebe es auch noch Kioske in der Gegend, die den Durst der Fans stillen können. Rund um den Spieltag gibt es nur Spezialangebote wie Burger, Fish & Chips, und bis 16 Uhr ein „full Irish breakfast“. Und das kommt an, sagt er. „So bald wir öffnen, sind direkt alle Plätze belegt.“
O’Reillys: Personal kurzzeitig aufgestockt
An den englischen Fans mag er, dass sie immer großen Durst mitbringen. Eine Eigenart: „Sie lassen immer ein bisschen was im Becher und bestellen dann ein neues Bier.“ Und der Manager findet gut: „Sie singen sehr gerne und feiern sehr laut.“ Die beliebtesten Songs seien „Sweet Caroline“, ein Boogie-Song und die Nationalhymne. „Wir haben neun Barkeeper, die dauerhaft zapfen - wir tun unser Bestes“, sagt er.
England-Fans und Feierwut, muss da nicht auch differenziert werden? Die Brüder Jordan (36) und Haydn (34) Westbury kommen aus Birmingham und sitzen vor dem Birmingham-Pub in der Nähe der Konstablerwache, essen Pommes und Burger. Zwischendrin wird ein Schnaps serviert.
Trinkfreudige Engländer? „Die Vorurteile stimmen“
„Wir kennen die Vorurteile. Sie stimmen. Es ändert sich nie“, sagen sie. Ihren Wirt schätzen sie: Cem Kaya (56) hat zehn Jahre in der Küche des Birmingham-Pub gearbeitet, ihn vor sechs Jahren übernommen. „Das Essen ist super, er ist unglaublich“, sagen sie in seine Richtung. Er schätzt die englischen Fans ebenso: „Die sind gut.“ Probleme habe er mit ihnen noch nie gehabt. Im Gegenteil, bei einem Westham-Spiel in Frankfurt habe er 500 Leute in und vor seinem Pub mit Bier und Essen versorgt, alles sei friedlich gewesen.
Ähnlich viele Menschen könnten es diesmal wieder sein. Deswegen hat er zwölf Leute engagiert, die hinter dem Tresen und der Fritteuse in dem kleinen Pub arbeiten, Frau und Tochter sind mit dabei. Reservierungen sind nicht möglich. „Wer kommt, sitzt.“ Die Masse an Fans sei einfach nicht zu kontrollieren. Ähnlich wie das O’Reilly’s am Hauptbahnhof hat er vorgesorgt. Zum üblichen Bestand kommen: 750 Liter Guinness-Bier, 1500 Liter Binding, 500 Liter Kilkenny und 250 Liter Ebbelwei. Um 3 Uhr in der Nacht zum Dienstag kamen bereits die ersten englischen Fans. Jetzt hofft er, dass seine Bier-Vorräte bis nach dem Spiel am Donnerstag reichen.
Im Übrigen bereitet sich hoffentlichen auch das Frankfurter Stadion-Personal auf die Engländer vor. Ein England-Fan hat sich in Gelsenkirchen ein Denkmal der Feierlaune gesetzt: Er veröffentlichte ein Video, in dem er aus dem leeren Stadion auf Schalke in die Kamera sagt: „Bin gerade aufgewacht, es ist vier Uhr am Morgen.“ Offensichtlich hat das Sicherheitspersonal den Mann nach dem Spiel gegen Serbien übersehen - und er hat aus Versehen im Stadion genächtigt. (Adrian Kaske)
