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Erdbeben in der Türkei: THW-Helfer aus Hessen landen - Bitte um visafreie Einreise für Betroffene

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Nach den schweren Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet sind 50 Einsatzkräfte des THW - darunter auch Helfer aus Hessen - vor Ort eingetroffen. Angehörige in Deutschland bitten Innenministerin Nancy Faeser (SPD) um eine visafreie Einreise für die Opfer.

Gaziantep/Wiesbaden - Die Aufgabe der am Mittwoch (8. Februar) eingetroffenen Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) sei es, verschüttete Menschen zu orten, zu retten und erstzuversorgen, sagte der Sprecher des THW-Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Michael Walsdorf.

Erdbeben in Türkei: THW-Helfer aus Hessen landen - Bitte um visafreie Einreise für Betroffene

Nach der Landung würden sie zunächst Fahrzeuge beladen und dann in ihr Einsatzgebiet fahren. Das Team habe vier Rettungshunde und rund 16 Tonnen Ausstattung dabei. Dazu gehöre auch schweres Gerät wie Betonkettensägen. Die Kräfte des THW stammten vor allem aus Hessen, Rheinland und dem Saarland. Einige wenige seien auch aus Nordrhein-Westfalen und aus Bayern dabei.

Die Helfer seien vor Ort in Kontakt mit den Koordinierungsteams der Vereinten Nationen und des Katastrophenschutzes der Türkei. Nach Ankunft in ihrem zugewiesenen Gebiet würde das Team sich teilen: Ein Teil lege direkt mit der Suche nach Verschütteten los, der andere werde das Camp für die Helfer aufbauen, sagte Walsdorf.

Der Flug vom Flughafen Köln/Bonn hatte sich zunächst verzögert. Ursprünglich hatten die Kräfte bereits am Dienstag abfliegen wollen. In Hessen plädiert indes unter anderem der Landesausländerbeirat (agah) für unbürokratische Einreiseerleichterungen für Familienangehörige aus dem von der Erdbebenkatastrophe betroffenen Gebiet.

Erdbeben in der Türkei und in Syrien: Bilder zeigen Ausmaß der Zerstörung

Erdbeben erschüttern Türkei und Syrien
Zivilschutzmitarbeiter und Anwohner durchsuchen die Trümmer eingestürzter Gebäude nach Überlebenden. © Ghaith Alsayed/AP/dpa
Erdbeben
Die Moschee in Malatya (Türkei) wurde durch das Erdbeben zerstört. © Uncredited/DIA Images/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Frauen weinen, während sie zusehen, wie die Rettungskräfte in den Trümmern eines zerstörten Gebäudes in Adana nach Menschen suchen. © Khalil Hamra/AP/dpa
Erdbeben
Menschen und Rettungskräfte bergen eine Person auf einer Bahre aus einem eingestürzten Gebäude in Adana. © Elifaysenurbay/IHA/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Rettungskräfte suchen nach Menschen in den Überresten der zerstörten Häuser. © Khalil Hamra/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien
Ein Mann sucht nach Menschen in den Trümmern eines zerstörten Gebäudes. © Khalil Hamra/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Bild der Verwüstung: Eingestürzte Gebäude in Aleppo in Syrien. © -/SANA/dpa
Erdbeben
Die Zahl der Opfer des Erdbebens steigt am Dienstagmorgen auf fast 5000. © Elifaysenurbay/IHA/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Zivilisten und Mitglieder des syrischen Zivilschutzes bergen in Harem in der Region Idlib ein Erdbebenopfer. © Anas Alkharboutli/dpa
Erdbebenkatastrophe
Dichter schwarzer Rauch steigt auf aus brennenden Containern im Hafen von Iskenderun in der Türkei. © Serdar Ozsoy/Depo Photos/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe - Gaziantep
Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in den Trümmern von Gebäuden in Gaziantep. © Muhammad Ata/IMAGESLIVE/ZUMA/dpa
Erdbebenkatastrophe
Notfallteams suchen nach Menschen in den Trümmern eines zerstörten Gebäudes in Adana. © Hussein Malla/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe - Idlib
Idlib in Syrien: Mit allen Mitteln versuchen Rettungskräfte die unter den Trümmern eingeschlossenen Menschen zu retten. © Anas Alkharboutli/dpa
Erdbebenkatastrophe - Adana
Zwei Männer tragen eine Leiche aus einem zerstörten Gebäude. © Hussein Malla/AP/dpa

„Den Opfern der verheerenden Erdbeben, deren Verwandte in Deutschland leben, muss eine schnelle und unbürokratische Einreise ermöglicht werden“, sagte der agah-Vorsitzende Enis Gülegen. „Wir hören aus den Ausländerbeiräten vor Ort vielfach den Wunsch, nahe stehenden Verwandten eine vorübergehende Bleibe im eigenen Heim zu geben“, ergänzte er.

„Damit wäre ein wichtiger Beitrag zur Linderung der größten Nöte geleistet. Dafür brauchen die Menschen jetzt die vorbehaltlose Unterstützung durch die Landes- und Bundespolitik.“ Die agah hoffe auf entsprechendes Engagement der hessischen Landesregierung auf Bundesebene.

Alle wollen helfen, aber derzeit herrscht ein gewisses Chaos, weil unklar ist, wohin Spenden gebracht werden können.

Turgut Yüksel

„Dafür erwarten wir insbesondere von Bundesinnenministerin Nancy Faeser ein klar erkennbares Engagement für die vielen Erdbebenopfer und ihre in Deutschland lebenden Angehörigen.“ Viele Menschen, die obdachlos gewordene Angehörige im Erdbebengebiet hätten, wollten ihre Verwandten bei sich in Deutschland aufnehmen.

Das bestätigte auch der Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel (SPD). Das sei derzeit aber sehr schwer: Die Erdbodenopfer müssten online einen Termin in der deutschen Botschaft oder einem der Konsulate vereinbaren, um ein Visum beantragen zu können. Das sei vielen angesichts der zerstörten Infrastruktur aber nicht möglich.

„Es gibt sehr viele, die sich mit dem Auto auf den Weg in die Türkei gemacht haben, um zu helfen“, sagte Yüksel. Andere versuchten, mit dem Flugzeug in die Türkei zu gelangen, um dort Hilfe leisten zu können. Zerstörte Straßen und winterliche Bedingungen dürften dies jedoch erschweren.

Davon, dass aktuell von einem Flug in die Türkei den Familien abgeraten wird, berichtet auch Canan Kir, Vorstandsvorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Schlüchtern: „Dort hinzufliegen, hätte nichts gebracht.“ Von den schweren Erdbeben in der Türkei und in Syrien sind auch etliche Familien aus Schlüchtern im Kinzigtal betroffen.

Nach den schweren Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet sind 50 Einsatzkräfte des THW - darunter auch Helfer aus Hessen - vor Ort eingetroffen.

In Hessen wollen derweil türkische Organisationen gemeinsam Hilfe für die Menschen im Katastrophengebiet koordinieren. Voraussichtlich am heutigen Donnerstag soll in Frankfurt eine zentrale Sammelstelle für Sachspenden eingerichtet werden. „Alle wollen helfen“, berichtete der SPD-Abgeordnete Turgut Yüksel.

„Aber derzeit herrscht ein gewisses Chaos, weil unklar ist, wohin Spenden gebracht werden können.“ Unter dem Motto „Rhein-Main hilft“ solle auch ein Spendenkonto eingerichtet werden. Auch bei Rettungsaktionen nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 war indes das THW aus Hessen beteiligt. Etliche Helfer kam dabei auch aus der Region Fulda. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © THW LV Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland/Facebook

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