Erinnern an jedes Schicksal

In Herleshausen sind die letzten Stolpersteine verlegt worden

+
Bewegende Ansprache: Edna Julietta Redlich bedankte sich herzlich für das Engagement der Herleshäuser. Im Hintergrund: Helmut Schmidt.

In Herleshausen sind die letzten Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an die jüdischen Menschen, die den Nazis zum Opfer gefallen sind.

Herleshausen – Die sanft schimmernden Gedenksteine erinnern an die Menschen, die dort einmal waren und nicht mehr sind. Weil sie als Juden dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer gefallen sind oder im Zuge des verbrecherischen Euthanasie-Programms verschleppt wurden. Über siebzig Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft kehren die Opfer des Terrors nun in den Herleshäuser Alltag zurück; jeder Name ein schmerzhafter Hinweis auf die Wunde, die Deutschland sich selbst gerissen hat.

Insgesamt 125 solche Stolpersteine sind in den vergangenen zehn Jahren in Herleshausen und Nesselröden verlegt worden. Die in die Gehwege vor den Häusern ehemaliger jüdischer Mitbürger eingelassenen Quader sollen die Menschen „im Kopf“ stolpern lassen; das individuelle Gedenken an die Opfer mitten im Alltag auslösen.

Am Freitagnachmittag nun hat der Arbeitskreis Stolpersteine im Werratalverein, Zweigverein Südringgau-Herleshausen, die Aktion mit der Verlegung 18 weiterer Stolpersteine zum Abschluss geführt. Ganz genau ein Jahrzehnt intensiver Recherche liegt damit hinter den Mitgliedern um den Vorsitzenden Helmut Schmidt; ausführliche, oft bedrückende Biografiearbeit, aber auch das Akquirieren von Spendengeld und die Suche nach Stolperstein-Paten.

Bewegende Ansprache: Edna Julietta Redlich bedankte sich herzlich für das Engagement der Herleshäuser. Im Hintergrund: Helmut Schmidt.

„Betteln aber mussten wir nie“, lobt Helmut Schmidt die Bereitschaft aller, sich mit einem Kapitel dunkler deutscher Geschichte auseinanderzusetzen, das in anderen Städten und Gemeinden (noch) verschlossen bleibt. Und auch am Freitagnachmittag wollten über 60 Gäste dem Abschluss der Aktion an der Lauchröder Straße in Herleshausen beiwohnen. Herleshausens Bürgermeister Lars Böckmann, Friedel Lenze als Erster Kreisbeigeordneter sowie Ralph Beyer, Dekan des Kirchenkreises Werra-Meißner, trugen Grußworte bei. Die Herleshäuser Kirchengemeinden vertraten die Pfarrer Dietrich Wierczeyko und Bernhard Wehner sowie Helga Gogler. Die Polizeistation Sontra war durch den Leiter Michael Heußner und ein Aufgebot vertreten. Ein besonderer Dank aller ging an die Schüler der Südringgauschule, die als Vertreter der nachwachsenden Generation die Biografien der Opfer des Nazi-Regimes verlasen und für Blumen- und Kerzenschmuck sorgten.

Mit Edna Julietta Redlich aus Haifa (Israel) war die Enkelin von Nora Schleisner, geborene Wolf, nach Herleshausen gekommen. Für Nora Schleisner wurde an diesem Tag ein Stolperstein verlegt. „Meine Familie und ich sind bewegt und dankbar für das Engagement, die verlorenen Menschen zu ehren, die einst in diesem Ort lebten“, erklärte Edna Redlich hörbar bewegt. „Ich bin sicher, meine Oma würde sich über die Verlegung ihres Stolpersteins freuen – und besonders darüber, dass sich dadurch wieder Freundschaften zwischen Israel und Herleshausen entwickelt haben.“ (Emily Hartmann)

Kommentare