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Der Meißner Hausarzt Dr. Hans-Peter Marsch gibt Tipps, wie man sich am besten vor Zeckenstichen schützt und was zu tun ist, wenn man doch gestochen wird.
Meißner – Mit der warmen Jahreszeit werden auch Zecken wieder aktiver. Die Stiche der Spinnentiere sind nicht nur unangenehm, sie können in manchen Fällen auch Krankheitserreger für Erkrankungen wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.
Wie man sich gegen die kleinen Blutsauger schützen kann, und wann man nach einem Zeckenstich zum Arzt gehen sollte, darüber informiert Hausarzt Dr. Hans-Peter Marsch aus Herleshausen.
Mit den Frühlingstagen zieht es viele Menschen wieder vermehrt in die freie Natur. Aber Vorsicht: Dort kann man auch auf bereits erwachte Zecken treffen. Die kleinen Blutsauger werden schon ab etwa acht Grad Celsius aktiv. Mit ihrem Stich können sie Krankheiten übertragen. „Zu den häufigsten durch Zecken verursachten Erkrankungen zählen Borreliose und Hirnhautentzündungen“, erklärt Dr. Marsch.
Borreliose
Borreliose wird auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt und durch Borrelien-Bakterien ausgelöst. Sie kann sich auf verschiedene Organsysteme auswirken. Am häufigsten aber sind die Haut, das Nervensystem oder die Gelenke betroffen.
Hirnhautentzündung
Bei einer Hirnhautentzündung, (auch FSME, Frühsommer-Meningoenzephalitis genannt) handelt es sich um eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, die durch Viren hervorgerufen wird. Bei einer Erkrankung können grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten, weshalb Betroffene oft von einer Erkältung ausgehen.
Die Gefahr auf FSME sei im Werra-Meißner-Kreis nicht erhöht, so Dr. Marsch, im angrenzenden Thüringen sehe das aber anders aus. Besonders das südöstliche Thüringen gilt als FSME-Risikogebiet.
Stiche unterscheiden
„Insektenstiche zeigen eine begrenzte Rötung, es können auch Quaddeln auftreten“, sagt der Experte. Allerdings seien diese Reaktionen direkt in Folge des Insektenstichs erkennbar.
Dr. Marsch: „Bei einem Zeckenstich ist der Einstich eher blass, ein zartrosafarbener Ausschlag kann an anderen Körperstellen noch bis zu drei Wochen später auftreten.“ Es sei also wichtig, nach einem verdächtigen Stich einen eventuellen Ausschlag zu beobachten.
Zecke entfernen
Wurde man von einer Zecke gebissen, sollte diese, so bald wie möglich herausgezogen werden. Dabei sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden, informiert das RKI. Dem schließt sich Dr. Marsch an. „Die Zecke sollte fest mit einer entsprechenden Pinzette nahe der Hautoberfläche gegriffen werden.“ Ob das Insekt nun erst im Uhrzeigersinn gedreht werden, oder direkt gerade nach oben aus der Haut gezogen werden soll, da scheiden sich die Geister. „Wichtig ist, dass auch der Kopf der Zecke mit entfernt und die Einstichstelle im Anschluss desinfiziert wird“, weiß Dr. Marsch.
Handelt es sich um eine sehr kleine Zecke, die sich noch nicht mit Blut vollgesogen hat, so könne man das Insekt auch selbst entfernen und anschließend aufmerksam bleiben, ob es zu einem Ausschlag kommt. „Ist die Zecke jedoch sehr vollgesogen, sollte man damit zum Arzt gehen“, sagt der Hausarzt. Denn auf keinen Fall sollte das Insekt am vollgesogenen Körper gepackt und gedrückt werden.
Das RKI informiert weiter: „Auf keinen Fall darf die Zecke vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt.“
Acht geben
Zecken befinden sich häufig im Gras oder Gebüsch – also etwa auf Kniehöhe. Laut RKI warten die meisten Zecken in einer Höhe von weniger als einem Meter, häufiger sogar nur zwischen 10 und 50 Zentimetern über dem Boden.
Streift ein Mensch beispielsweise ein Gebüsch, „lassen sich Zecken einfach fallen“, erklärt Dr. Marsch. Das Tragen von langer Kleidung kann also bereits gut gegen Zeckenstiche vorbeugen.
„Die Tiere stechen gerne am Kopf und an versteckten Stellen wie Achseln, Arm- und Kniebeugen.“ Aber auch eng anliegende Kleidung wird laut RKI als geschützter Ort von den Zecken wahrgenommen und so stechen sie ebenfalls gerne im Hüftbereich, wo die Hose aufliegt, oder unter dem Uhrarmband, heißt es weiter. Nach einem Besuch in der Natur ist es laut Dr. Marsch also wichtig, den Körper nach Zecken und Zeckenstichen abzusuchen.
Impfung
Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung. Eine Impfung ist gegen die Viruserkrankung FSME, also die Hirnhautentzündung möglich. Dr. Marsch: „Dafür braucht es drei Impfdosen über ein Jahr verteilt.“
Er empfiehlt allen die FSME-Impfung, jedoch besonders den Menschen, die sich häufig in der Natur aufhalten. „Senioren, die in einem Altenzentrum leben und nur noch selten in der Natur unterwegs sind, brauchen diese Impfung eher nicht.“ Aber auch bei Kindern rät er zum Impfschutz. „Dafür sollten die Eltern aber mit dem eigenen Kinderarzt sprechen.“ Quellen: RKI und OTS. (Theresa Lippe)

