VonAnna-Laura Weyhschließen
Bettwanzen kommen meist über das Urlaubsgepäck mit in die eigene Wohnung. Auch im Raum Kassel gibt es immer mehr Fälle. Fragen und Antworten dazu.
Kassel – Bettwanzen sind nur etwa vier bis sechs Millimeter groß. In Frankreich sind sie aber trotzdem gerade ein Riesenproblem. In Kinos, in der Metro oder in Hotels sorgen die blutsaugenden Insekten für Unruhe. Menschen posten Fotos in sozialen Medien, auch Zeitungen und TV-Sender berichten von der Bettwanzen-Plage.
Doch die Tiere gibt es nicht nur in Frankreich. „Es wird auch hier immer mehr“, sagt Mike Adler von Rentokil, Schädlingsbekämpfung in Kassel. Vor allem nach den Sommerferien gebe es einige Fälle im Raum Kassel. „Es nimmt von Jahr zu Jahr zu“, sagt Adler. Fragen und Antworten zur Bettwanzen-Situation in Nordhessen kurz vor den Herbstferien.
Wie lässt sich ein Bettwanzenbefall erkennen?
Als mögliche Anzeichen nennt das Gesundheitsamt Region Kassel:
- Kotspuren (kleine, schwarze Punkte), zum Beispiel auf der Bettwäsche
- kleine Blutflecken auf Bettwäsche oder Schlafanzug
- Tiere oder ihre Larvenhäute können zu sehen sein
- bei ausgeprägtem Befall ist ein süßlicher Geruch in betroffenen Räumlichkeiten
- Bisse in Form von roten, juckenden, teils geschwollenen Stellen – diese treten oft in Reihen auf und sind nicht immer eindeutig zuzuordnen, da Ähnlichkeit mit Mückenstichen oder Flohbissen besteht
Bettwanzen: Wie erkenne ich die Wanzenbisse?
„Meist verursacht der Stich der Bettwanze leichte Rötungen, Schwellungen sowie Juckreiz. Kratzen erhöht das Risiko für eine bakterielle Infektion“, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsamts. Auch allergische Reaktionen seien möglich. Die Behandlung erfolge symptomatisch, wie beispielsweise auch bei geschwollenen, juckenden Mückenstichen.
Bei stärkeren allergischen Reaktionen sollte eine Arztpraxis aufgesucht werden, rät das Gesundheitsamt. „Ein Bettwanzenbefall lässt sich aber nie nur aufgrund der Bisse erkennen“, sagt Mike Adler von Rentokil
Bettwanzen: Was tue ich, wenn ich einen Befall entdeckt habe oder vermute?
Ein Bettwanzenbefall ist nicht meldepflichtig. Dem Gesundheitsamt Region Kassel seien deshalb regelhaft keine Fälle bekannt, heißt es. Das Gesundheitsamt berate aber Betroffene auf Anfrage. Mike Adler betont:
„Am besten direkt beim ersten Tier einen Schädlingsbekämpfer informieren.“ Viele Leute schämen sich und versuchen, zunächst allein mit den Insekten klarzukommen. „Aber je länger man wartet, desto mehr werden es. Es wird immer schlimmer“, sagt Adler.
Bettwanzen: Wie bekämpfe ich den Bettwanzenbefall?
In der Regel können Bettwanzen nur durch eine professionelle Schädlingsbekämpfungsfirma wirksam beseitigt werden, heißt es vonseiten des Gesundheitsamts. Spezielle Insektizide müssen dabei zum Einsatz kommen.
„Außerdem sind meist mehrere Anwendungen notwendig, da die Eier durch die eingesetzten Insektizide nicht absterben“, teilt eine Sprecherin mit. Das bestätigt auch Mike Adler von Rentokil und fügt an: „Die Bettwanzen sind robuster geworden. Handelsübliche Mittel reichen nicht aus.“
Bettwanzen: Was mache ich mit Gegenständen, die nicht mit Insektiziden behandelt werden können?
Geeignete Gegenstände, die nicht mit einem Insektizid behandelt werden können, kann man gut verschlossen bei mindestens –18 Grad Celsius über drei Tage in der Tiefkühltruhe lagern oder bei 60 Grad mit dem längsten Programm in der Waschmaschine waschen, zählt das Gesundheitsamt auf.
Alternativ könne man sie auch für etwa eine Stunde bei mindestens 55 Grad in Backofen oder Sauna stellen.
Bettwanzen: Gibt es noch eine andere Behandlungsmöglichkeit als Insektizide?
Ja. „Ich nutze am liebsten die Wärmebehandlung bei einem Bettwanzenbefall“, sagt Adler. Hier reiche auch in der Regel eine Behandlung aus, da dabei auch die Eier der Bettwanzen zerstört werden. „Mit speziellen Heizlüftern, so genannten Wärmekanonen, heizen den betroffenen Raum auf. Das Eiweiß der Tiere gerinnt“, erklärt der Schädlingsbekämpfer.
Bettwanzen: Wie kann man auch nach einer Reise einem Befall vorbeugen?
„Vorbeugend sollten Koffer auf Reisen nicht in unmittelbarer Nähe des Bettes abgestellt werden, insbesondere nicht bei mehrtägigem Aufenthalt“, sagt die Sprecherin. Betten sollten zudem auf Wanzenspuren kontrolliert werden.
Nachsorgend können Gepäckstücke etwa in der Badewanne ausgepackt und sorgfältig auf Bettwanzen und deren Spuren untersucht werden, schlägt das Gesundheitsamt vor. „War das Hotelzimmer nachweislich mit Bettwanzen befallen, kann das Gepäck sicher verschlossen werden und nach Ankunft vor dem Auspacken von einem Schädlingsbekämpfer behandelt werden“, sagt die Sprecherin weiter.
In den Wochen danach sollte auf Stiche geachtet werden und mögliche Wanzenverstecke untersucht werden – zum Beispiel in Ritzen des Lattenrostes, in Falten der Matratze, hinter Fußleisten, Heizungsrohren und Lichtschaltern.
Rubriklistenbild: © Piotr Naskrecki/CDC/Harvard University

