Gericht

„Spielsucht und Kokain haben uns verbunden“: Falsche Messerschleifer stehen vor Gericht

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 Diebstahl und Betrug: Deswegen müssen sich zwei Männer aus dem Landkreis Kassel und dem Werra-Meißner-Kreis aktuell vor Gericht verantworten.
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Wegen Diebstahls müssen sich zwei Nordhessen, die sich als Messerschleifer ausgaben, vor Gericht verantworten. Ihre Opfer waren meist Senioren.

Kreis Kassel – Diebstahl und Betrug: Deswegen müssen sich zwei Männer aus dem Landkreis Kassel und dem Werra-Meißner-Kreis aktuell vor Gericht verantworten. Im Jahr 2020 sollen sich der 36-jährige und der 37-jährige Mann mehrfach als Messerschleifer ausgegeben haben und so in die Wohnungen ihrer meist ältere Opfer gelangt sein.

Dort habe der eine der beiden Männer dann immer die Messer geschärft, während der andere nach Schmuck, Bargeld und anderen wertvollen Dingen suchte.

Insgesamt erbeuteten die beiden arbeitslosen Freunde zahlreiche Schmuckstücke, mehrere Tausend Euro sowie in einem Fall eine EC-Karte einer Seniorin. Die beiden vorbestraften Männer gestanden vor Gericht den Großteil ihrer Taten. „Zu dieser Zeit ging es uns psychisch und gesundheitlich nicht gut“, erklärte der ältere Angeklagte. „Wir waren spiel- und drogensüchtig.“

Männer aus Nordhessen vor Gericht

Beide sollen täglich zwei Gramm Kokain zu sich genommen haben und seien jeden Tag im Casino gewesen. Da das ganz schön ins Geld ging, seien sie irgendwann auf die Idee gekommen, andere Menschen zu bestehlen. „Wir waren einfach nicht bei Sinnen. Teilweise habe ich das Taschengeld meiner Kinder für Drogen ausgegeben“, erklärte der 37-Jährige dem Vorsitzenden Richter.

Genau erinnern konnten sich die beiden Angeklagten an den ersten Diebstahl, den sie zusammen begangen haben. Gemeinsam klingelten sie bei einer Frau im Senioren- und Therapiezentrum Helsa, tranken mit ihr Kaffee und stahlen ihr anschließend Schmuck, Bargeld und ihre EC-Karte. Später bemerkte die Seniorin dann, dass teils große Geldbeträge von ihrem Konto abgehoben wurden. Die zwei Angeklagten bestreiten, dass sie das Geld abgehoben haben. „Wir haben die Karte zwar mitgenommen, aber in Kassel haben wir sie gegen Kokain eingetauscht“, erklärte der jüngere Mann.

Einige Tage später sollen die Männer eine ältere Dame im Mundus-Pflegeheim in Kassel-Wilhelmshöhe bestohlen haben. Wieder hätten sie sich als Messerschleifer ausgegeben. Aus der Rollator-Tasche der Frau sollen sie dann Geld geklaut haben.

Angeklagte bestahlen Senioren

Der ältere Angeklagte wird beschuldigt, später im Jahr noch zwei Taten allein begangen haben. In der HNA schaltete er Anzeigen, in denen er angab, Flohmarkt-Artikel ankaufen zu wollen. Mit einem unbekannten Mittäter soll er sich so Zutritt in die Wohnung einer Frau in Kassel verschafft haben. Ihr soll er Schmuck und Bargeld im Wert von 6000 Euro gestohlen haben. Mit der gleichen Masche versuchte er es noch mal bei einer Frau in Lohfelden. Sie soll er um 500 Euro erleichtert haben.

Die Beute, die die beiden Männer mit der Betrugsmasche machten, verkauften sie immer unmittelbar später. „Wir haben das Zeug veräußert, um so schnell wie möglich wieder im Casino zu sitzen“, gab der Ältere zu. „Das war krankhaft.“ Der Corona-Lockdown hätte den beiden Männern „das Leben gerettet“, so beschrieben sie es dem Richter. „Wir waren gezwungen, zu Hause zu bleiben. Die Casinos waren zu“, erinnerte sich der 37-Jährige, der fünf Kinder hat.

In der Zeit habe er zwangsläufig auf Drogen und das Spielen verzichtet. Sein Freund und Komplize, der vier Kinder hat, fügt hinzu: „Die Spielsucht und das Kokain haben uns verbunden. Danach hatten wir erst einmal keinen Kontakt mehr.“ Heute, so behaupten es die Männer, sind sie alkohol- und drogenfrei und gehen nicht mehr ins Casino. Welche Strafe auf die beiden zukommt, klärt sich beim nächsten Termin am 22. Mai. (Clara Pinto)

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