VonSabrina Mehlerschließen
Der Weihnachtsmarkt in Fulda steht in den Startlöchern, der Aufbau hat begonnen. Doch ist angesichts Hamas-Terror und antisemitischer Vorfälle eigentlich Zeit für ein Fest, an dem die Menschen das gesellige Beisammensein bei Glühwein und Mandeln feiern? Auch der Sicherheitsaspekt rückt jetzt in den Fokus.
Fulda - Der Herbst wird kalt und ungemütlich, die Vorfreude auf Punsch und Flammlachs steigt. Schon jetzt wirft der Weihnachtsmarkt seine Schatten voraus: Der Aufbau der großen Pyramide auf dem Uniplatz hat begonnen. Damit sich Besucher keine Sorgen um ihre Sicherheit machen müssen, trifft die Stadt ebenfalls schon Vorkehrungen.
Fulda: Wie sicher ist der Weihnachtsmarkt in der Barockstadt?
„Vor dem Hintergrund der aktuellen Sicherheitslage in Deutschland und in Vorbereitung auf den Weihnachtsmarkt steht die Stadt Fulda bereits in einem engen und regelmäßigen Austausch mit der Polizei“, erklärt die Stadt auf Anfrage. Gegenwärtig lägen dem Polizeipräsidium „keine konkreten gefährdungsrelevanten Erkenntnisse“ vor. Um aber angemessen auf mögliche Entwicklungen reagieren zu können, sei man mit den örtlichen Sicherheitsbehörden ständig in Kontakt.
Wie in jedem Jahr gebe es ein umfassendes Sicherheitskonzept, dazu gehört die Bestreifung des Weihnachtsmarktes durch ein Sicherheitsunternehmen sowie durch Stadt- und Landespolizei. Das Konzept werde in Abhängigkeit von der Sicherheits- und Lageneinschätzung der zuständigen Behörden angepasst. Auch Sicherheitsdienst und Polizei tauschten sich regelmäßig aus, erklärt die Stadt.
Zudem werden wohl wieder Betonsperren errichtet, die nach den Anschlägen am Berliner Breitscheidplatz vor sieben Jahren auch in Fulda eingeführt worden waren. Das Polizeipräsidium Osthessen konnte gestern noch keine Details zu ihren Sicherheitsmaßnahmen bekanntgeben, bestätigt aber einen engen Austausch mit der Stadt. Und verspricht: „Wir werden Präsenz zeigen.“
Eine Absage wäre ein Eingriff in unsere Kultur, die wir auf keinen Fall zulassen können.
Das Sicherheitsgefühl angesichts der aktuellen Weltlage ist das eine. Das andere ist das für viele Weihnachtsmarkt-Besucher zwiespältige Gefühl, trotz der Situation inNahost einen heimeligen Budenzauber zu veranstalten. Müsste der Weihnachtsmarkt vielleicht sogar abgesagt werden – wie einst die Fastnachtssaison im Golfkrieg 1991? Derlei Überlegungen gibt es nicht, sagt die Stadt Fulda – und findet Zustimmung in der Stadtpolitik.
„Der Weihnachtsmarkt ist Teil unserer Kultur und schenkt vielen Menschen im Rahmen der Adventszeit Gemeinschaft, Freude und Zuversicht“, unterstreicht CDU-Fraktionsvorsitzende Patricia Fehrmann. Der Krieg in Israel mit seinen Todesopfern und Entführungen sei tragisch; die Welt schaue bestürzt auf die Entwicklungen im Nahostkonflikt und die kriegerischen Handlungen. „Wir stehen zu Israel und verurteilen sämtliche antisemitischen Vorfälle“, betont sie.
Die Union sei aber der Meinung, dass der Markt nicht abgesagt werden solle. Das wäre „ein Eingriff in unsere Kultur, den wir auf keinen Fall zulassen können.“ Die zwischenmenschlichen Begegnungen der Besucher – egal welcher Herkunft und Religion – seien wichtig und wertvoll.
Natürlich muss der Weihnachtsmarkt stattfinden! Schon alleine, weil wir uns unsere Lebensweise nicht von ein paar Spinnern nehmen lassen sollten.
„Wir alle wollen, dass der Konflikt im Nahen Osten bald endet und Frieden möglich wird“, betont AfD-Chef Pierre Lamely. Die Entscheidung darüber werde aber nicht in Fulda getroffen und hänge nicht davon ab, ob ein Weihnachtsmarkt hier stattfindet. „Ich spreche mich deshalb klar für eine Durchführung aus. Bürger wie Budenbetreiber fiebern dem Weihnachtsmarkt entgegen. Wir sollten uns in der Weihnachtszeit besonders darauf besinnen, wie wertvoll Frieden und eine friedliches Zusammenleben ist.“ Die Betonklötze an den Zugängen des Marktes verdanke man der „Willkommenskultur à la Merkel“, sagt Lamely: „Statt unsere Festplätze immer stärker zu verbarrikadieren, sollten wir das mit den EU-Außengrenzen machen.“
Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Hashem Savoji, unterstreicht: „Wir werden weder unser Leben noch unsere Agenda von Terroristen oder der Angst vor ihnen bestimmen lassen.“ Das gelte auch für den Weihnachtsmarkt, „der bei allen wirtschaftlichen Aspekten auch für Lebensfreude, Lebensbejahung und Miteinander stehe“. In unruhigen Zeiten wie diesen sei das ein wichtiges Signal.
Jonathan Wulff, Vorsitzender der SPD/Volt-Fraktion, erklärt: „Natürlich muss der Weihnachtsmarkt stattfinden! Schon alleine, weil wir uns unsere Lebensweise nicht von ein paar Spinnern nehmen lassen sollten.“ Die antisemitischen Vorfälle seien besorgniserregend, insbesondere für Jüdinnen und Juden. Es stellten sich viele Fragen, etwa, was man gegen die antisemitische Indoktrination in sozialen Netzwerken oder auch hier vor Ort tun kann. „Ich würde daraus aber keinen Handlungsbedarf in Bezug auf den Weihnachtsmarkt herleiten.“
