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Würde man Balou nach den Ereignissen in der Nacht zu Samstag fragen können, dann hätte er sicherlich eine Menge zu erzählen. Für ihn berichten Bernd und Andrea Wiegand aus Hofbieber-Elters: Ihr Hund hat sie geweckt, als ihr Haus in Brand geriet und ihnen womöglich das Leben gerettet.
Elters - Balou hat in der Nacht zu Samstag bei einem Brand in Elters in der Rhön womöglich Schlimmes verhindert. „Wir haben zwar Rauchmelder, aber Balou war schneller“, sagt Bernd Wiegand (59). Denn der Bernhardiner-Dackel-Mischling Balou hat ihn mit seinem lauten Gebell in der Nacht zu Samstag (13. April) geweckt, als in dem Haus ein Feuer ausbrach. So hat der Hund vielleicht drei Menschen das Leben gerettet.
Feuer in der Nacht: Hund Balou weckt sein Herrchen und wird so womöglich zum Lebensretter
Durch das Gebell wurde der 59-Jährige um kurz vor zwei Uhr nachts wach. Irritiert stieg er aus dem Bett, sah nach und wurde auf Rauch und Feuer aufmerksam, die sich im Geschoss unter seiner Wohnung ausgebreitet hatten. Sofort warnte er seine Frau sowie die Freundin seines Sohnes Maximilian, die ebenfalls im Haus war und alarmierte die Feuerwehr. „Bernd kam zurück und rief ‚geht raus, geht raus, geht raus‘“, erinnert sich Ehefrau Andrea Wiegand (67).
„Die Feuerwehr war spitze. Sie war superschnell da und die Feuerwehrleute haben einen guten Job gemacht“, lobt Wiegand. Während der Löscharbeiten hielt Andrea Wiegand Balou an der Leine. Der Hund gehört eigentlich ihrem Sohn Sebastian. Er lebt in einer eigenen Wohnung in dem Haus in Elters, doch er war an diesem Abend nicht zu Hause, sondern musste arbeiten. „Wenn er nicht da ist, dann ist Balou bei uns“, erklärt Wiegand. Und so hat der siebenjährige Rüde an diesem Abend auf seiner Decke im Wohnzimmer des Ehepaars geschlafen.
„Wir hatten schon immer einen Hund“, berichtet Bernd Wiegand. Seit ungefähr drei Jahren lebt der Hund nun mit Familie Wiegand in Elters. Damals hatte die Familie Balou aus dem Tierheim geholt. Seitdem ist er ein richtiger Familienhund. „Er ist lieb, zärtlich und treu“, beschreibt Andrea Wiegand das Tier und ergänzt: „Er passt immer schön auf uns auf. Wenn ich zum Beispiel krank bin, liegt er vor meinem Bett und gibt auf mich acht.“
Ob Balou letztendlich den richtigen Riecher hatte und den Rauch bemerkt hat, oder ob er aus anderen Gründen laut gebellt hat, ist natürlich nicht herauszufinden. „Für uns ist er der Lebensretter, alles andere ist unwichtig“, betont Andrea Wiegand. Die drei Familienmitglieder, die in dieser Nacht im Haus waren, blieben fast unverletzt. „Ich habe ein bisschen zu viel Rauch eingeatmet“, berichtet Bernd Wiegand und ergänzt: „Ich habe dann ein bisschen Sauerstoff im Krankenwagen bekommen und es war wieder in Ordnung.“
Glück im Unglück: Ohne Hund Balou hätte Kohlenmonoxid die Familie töten können
Für Balou gibt es seit seiner heldenhaften Tat extra viel Liebe. Die Extra-Portion Leckerli hingegen bleibt aus. „Er bekommt eh schon genug“, sagt Andrea Wiegand und lacht, und ihr Mann betont: „Es ist gut, wenn man so einen Hund hat.“
Marius Domhöfer ist stellvertretender Wehrführer in Hofbieber und bereits seit 15 Jahren Teil der Einsatzabteilung. Bei dem Einsatz war er als Zugführer eingesetzt und verantwortlich für alle Feuerwehrfahrzeuge aus Hofbieber-Mitte. Dass ein Hund die Bewohner mit Gebell geweckt und somit möglicherweise Schlimmeres verhindert hat, ist seitdem noch nicht passiert.
Tierische Retter
Dass Tiere Menschen in Notsituationen helfen, kommt immer wieder vor. Im Januar 2022 hat ein Hund in Nordrhein-Westfalen seinen Besitzer mit seinem Bellen geweckt und so auf ein Feuer in der Garage aufmerksam gemacht.
Im November 2018 in Baden-Württemberg war es eine Katze, die laut Polizei in Folge einer starken Rauchentwicklung im Haus laut miaute. In der Wohnung lebte eine Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern, die so von der Feuerwehr gerettet wurden. Es war auch eine Katze, die im August 2021 im französischen Straßburg so kläglich miaute, dass die Nachbarn die Polizei holten. Diese fand in der Wohnung einen Mann, der nach einem medizinischen Notfall hilflos auf dem Boden lag.
Im November 2020 war es in Australien gar ein Papagei, der mit seinem lauten Geschrei eine Familie vor den Flammen im Haus warnte. Der sprechende Papagei hatte immer wieder den Vornamen seines Besitzers gerufen.
Tragisch ging die Geschichte eines Hundes in Nordrhein-Westfalen im September 2020 aus: Der Schäferhund warnte seinen Besitzer nachts vor einem Feuer im Haus. Der Mann konnte sich mit einem Sprung aus dem Fenster retten – doch das Tier musste er zurücklassen, es starb in den Flammen.
„Wir haben schon öfters Tiere aus Brandwohnungen gerettet, aber dass Hunde die Bewohner vor einem Feuer gewarnt haben, ist soweit ich weiß, das erste Mal vorgekommen“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung und ergänzt: „Heutzutage sind solche Brände aber eher selten, denn neue Baustoffe und Materialien sind schwerer entflammbar als früher. Sogenannte Brandschutzschalter können frühzeitig den Strom abschalten, sodass Elektrogeräte bei einem Defekt erst gar nicht anfangen zu brennen. Außerdem sorgen in Neubauten Baurichtlinien dafür, dass sich Brände nicht so schnell ausbreiten können.“
Der Brand in Elters war in einer Küche entstanden. „Als wir ankamen, stand die Küche im Erdgeschoss im Vollbrand. Das Außenfenster war geplatzt und die Flammen schlugen rund fünf bis sechs Meter hoch aus dem Fenster und griffen auf den Dachstuhl über. Das Dach musste stellenweise abgedeckt werden, um alle Glutnester zu löschen. Mehrere Trupps mit Atemschutzmasken löschten zudem von innen“, berichtet Domhöfer.
Was wäre wohl passiert, wenn Balou seine Menschen nicht mit seinem Gebell geweckt hätte? „Im schlimmsten Fall hätte sich der Brandrauch unkontrolliert im gesamten Haus inklusive Schlafzimmer verteilt. Möglicherweise wären die Bewohner dann nicht wach geworden und an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben.
Kohlenmonoxid ist ein Bestandteil des Rauchs und kann beim Einatmen sehr schnell zum Tod führen. Option zwei ist, dass die Bewohner zwar wach geworden wären, aber aufgrund des dichten Rauches oder des fortgeschrittenen Brandes die Wohnung nicht mehr selbstständig hätten verlassen können. Dann hätten wir vor der eigentlichen Brandbekämpfung versucht, die Menschen aus dem Haus zu holen.“
Video: Schlauer und reagiert unglaublich
Doch das war nicht mehr notwendig. Die Trupps der Feuerwehr Hofbieber konnten sofort mit den Löscharbeiten beginnen. Bis alle Glutnester, die im Dachstuhl entstanden waren, gelöscht waren, waren trotzdem knapp vier Stunden vergangen. Es entstand Sachschaden in Höhe von 250.000 Euro.
Zur Ermittlung der Brandursache hatte die Polizei den Brandort beschlagnahmt. Da die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, kann die Polizei noch nichts zur Brandursache sagen. In den Tagen nach dem Brand kam die Familie bei Freunden und Familienmitgliedern unter. Da die Wohnung des Ehepaares Wiegand schon wieder bewohnbar ist, leben die beiden wieder dort - und Hund Balou kommt regelmäßig zu Besuch.

