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Michael Löber hat einen Wolf auf einem Feldweg zwischen Wehren und Kirchberg fotografiert. Es ist die erste offiziell bestätigte Sichtung im Kreisteil Fritzlar-Homberg.
Wehren/Kirchberg – Die Zahl der Wölfe in Hessen wächst stetig. Nun gibt es die erste offiziell bestätigte Wolfsichtung im Kreisteil Fritzlar-Homberg. Zwischen dem Fritzlarer Stadtteil Wehren und dem Niedensteiner Stadtteil Kirchberg ist ein Wolf gesichtet worden. Das Jungtier hielt sich vergangene Woche auf einem Feldweg zwischen den beiden Orten auf und wurde dabei von Michael Löber aus Kirchberg fotografiert.
Das Wolfszentrum Hessen hat sich inzwischen mit dem Fall beschäftigt und bestätigt auf HNA-Anfrage: „Einer unserer Wolfsberater war draußen und hat die Sichtung verifiziert. Es handelt sich um einen gesicherten Wolfsnachweis der Kategorie C1“, sagt eine Sprecherin des Wolfszentrums. Es gibt drei Kategorien: C1 steht dabei für eindeutigen Nachweis. In den nächsten Tagen werde die Beobachtung in das hessische Wolfsmonitoring einfließen und somit auf der Nachweisliste des Wolfszentrums im Internet erscheinen.
Wolf auf dem Vormarsch: Erster offiziell bestätigter Nachweis im Kreisteil Fritzlar-Homberg
Ob sich das nun entdeckte Tier in dem Bereich rund um Wehren niedergelassen hat oder auf der Durchreise ist, könne man nicht sagen, heißt es vom Wolfszentrum. Ein Wolf gilt dann offiziell als territorial, wenn er in einem bestimmten Gebiet mindestens zweimal im Abstand von sechs Monaten genetisch erfasst wird. Von dem nun gesichteten Tier gebe es bislang nur Fotos. Anders als bei den beiden Wolfsterritorien Ludwigsau/Knüll und Spangenberg, wo jeweils Einzeltiere ansässig sind, wisse man daher auch nicht, um welches Tier es sich bei dem Wehrener Wolf handelt. Es ist somit unklar, welches Geschlecht das Tier hat, wie alt es ist und wo es herkommt. Das Foto lasse aber darauf schließen, dass es ein junger Wolf ist.
Besonders scheu habe sich das Tier nicht gezeigt, sagt Michael Löber, der den Wolf aus einem Auto heraus fotografiert hat. „Wir waren beide neugierig und haben uns etwa zwei Minuten gegenseitig beobachtet“, ergänzt er. Für ihn sei die Situation nicht bedrohlich gewesen, allerdings sorge er sich um seine Kälber, die auf einer nahen Weide stehen.
Schon im Oktober, November und Dezember seien nahe Wehren mögliche Sichtungen bekannt geworden, sagt Jagdpächter Markus Kleffel. Doch wurden sie dem Wolfszentrum nicht mitgeteilt, wie Kleffel und auch Ortsvorsteher Karl-Heinz Lepp wissen. Denn es sei unklar gewesen, ob es nicht vielleicht ein Luchs war. Es sei wahrscheinlich, dass es sich dabei schon um Wolfssichtungen handelte.
Tiere seit 2008 zurück in Hessen
In Hessen wurde 2008 im Reinhardswald der erste Wolf wieder sesshaft. Sowohl in Knüllwald als auch in Spangenberg gibt es im Schwalm-Eder-Kreis bereits Wolfsterritorien – die bis zu 350 Quadratkilometer groß sein können. In beiden Gebieten lebt laut dem hessischen Wolfszentrum seit mindestens sechs Monaten je ein einzelner Wolf. Das Wolfszentrum ist neben dem Monitoring Ansprechpartner rund ums Thema Wolf. (may)
Kontakt: wolf@hlnug.hessen.de
Wölfe sind scheu und haben kein Interesse an einer Begegnung mit Menschen
Ein Monitoring finde erst statt, wenn klar sei, dass das Tier sich niedergelassen habe. „Jeder Landnutzer kann uns aber Bilder zusenden und mögliche Losungen (Kot) sowie Risse melden“, ergänzt sie. Diese würden dann überprüft.
Dass der Wolf, den Michael Löber gesichtet hat, auf ihn nicht scheu wirkte und sogar zwei Minuten verharrte und Löber beobachtete, führt die Wolfszentrum-Sprecherin darauf zurück, dass es sich um ein neugieriges Jungtier gehandelt haben könnte und Löber zudem mit einem Fahrzeug unterwegs war. „Diese zählen für Wildtiere bereits zur Naturlandschaft“, sagt sie. „Würden sie davor flüchten, wären sie ständig auf der Flucht.“
Grundsätzlich seien Wölfe aber scheu und hätten kein Interesse an einer Begegnung mit Menschen. Deshalb sei es auch sehr, sehr selten, dass Menschen die zu Fuß unterwegs seien auf einen Wolf treffen. „Das kommt vor, wenn es keine Deckungsmöglichkeit für das Tier gibt oder der Wind ungünstig steht und der Wolf den Menschen nicht riechen kann.“
Sollte einem dennoch ein Wolf begegnen und man sich unsicher fühlen, rät sie dazu, sich „groß zu machen und in die Hände zu klatschen“, um das Tier zu vertreiben. Dagegen rät sie davon ab, vor dem Tier wegzurennen – der Wolf sei ein großer Beutegreifer und Wegrennen signalisiere Flucht.
Hunde anleinen, wenn Wölfe im Gebiet nachgewiesen sind
Auch sollten Hunde in Wolfsgebieten zwingend an der Leine gehalten werden. „Der beste Schutz für den Hund ist der Mensch“, sagt die Sprecherin. „Es könnte kritisch werden, wenn ein unbeaufsichtigter Hund in das Territorium eines Wolfes eindringt“, erklärt sie. „Und ganz, ganz wichtig ist es, Wölfe nicht anzufüttern“, betont die Sprecherin. Grundsätzlich sollten Wildtiere nicht angefüttert werden, damit erst gar keine positive Assoziation mit dem Kontakt zu Menschen entstehe. Werden Schafe, Ziegen und andere Nutztiere gerissen, sollten diese Schäden der Wolfshotline gemeldet werden.
Über ein solches Szenario hat sich auch bereits Michael Löber Gedanken gemacht, der die erste offiziell bestätigten Wolfssichtung im Kreisteil Fritzlar-Homberg dokumentierte. „Es war ein imposantes Tier und ein spannender Moment, aber um meine Kälber sorge ich mich jetzt schon“, sagt er nachdenklich.
Naturschutzinteressen und die Bedenken der Menschen, die in den betroffenen Gebieten leben, prallen aufeinander: Während es vom Wolfszentrum heißt, dass ein Umdenken stattfinden müsse, damit der Wolf wieder sesshaft in Deutschland werden kann, sieht es Löber so: „Grundsätzlich sollten diese Tiere sich in anderen Habitaten aufhalten und nicht in dicht besiedelten Gebieten.“ (Maja Yüce)
Im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist im März ein Wolf gesichtet worden.
Rubriklistenbild: © Michael Löber/nh

