Wehrdienst

Fragebogen ist Pflicht – Wehrdienst: Gut 3000 Frauen und Männer wären betroffen

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Ein Radpanzer Boxer schießt bei einer Übung in Polen mit seinem schweren Maschinengewehr.
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Wehrdienst: Gut 3000 Frauen und Männer wären aus dem Schwalm-Eder-Kreis betroffen.

Schwalm-Eder – Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stellte vergangene Woche der Öffentlichkeit seine Pläne für eine neue Form der Wehrpflicht vor. Im Schwalm-Eder-Kreis wären davon wohl zunächst 1550 Männer und 1389 Frauen im wehrfähigen Alter betroffen. Das sind die Geburtsjahrgänge 2006 und 2007 – sollte das Verteidigungsministerium die vorgestellte Wehrdienstreform wie angekündigt bereits 2025 in Kraft treten lassen. Die Zahlen finden sich in der Bevölkerungsstatistik des Hessischen Statistischen Landesamts für das Jahr 2023. Insgesamt leben im Landkreis zurzeit mehr als 183 000 Menschen.

Nach den Plänen von Pistorius soll der Wehrdienst aber nicht in seiner alten Form aufleben, HNA berichtete. Bis zur Aussetzung der Wehrpflicht 2011 wurden alle Männer erfasst und größtenteils auch gemustert. Dann erfolgte die Einberufung zur Bundeswehr oder die Absolvierung des Wehrersatzdienstes beziehungsweise des Zivildienstes.

Wehrdienst: Ein Teil der Männer erhält eine Aufforderung zur Musterung. Frauen können sich freiwillig mustern lassen

Nach den neuen Plänen erhalte die in Frage kommenden Männer und Frauen im Kreis zukünftig einen Fragebogen, in dem Angaben zur Person und Tauglichkeit gemacht werden müssen. Für Männer ist die Beantwortung verpflichtend, für Frauen nicht. Danach erhält ein Teil der Männer eine Aufforderung zur Musterung. Frauen können sich freiwillig mustern lassen.

Bislang bekommen Männer im wehrfähigen Alter von der Bundeswehr lediglich ein Informationsschreiben. Durch die Neuregelung des Wehrpflichtgesetzes sind die Meldebehörden seit dreizehn Jahren verpflichtet, dem Bundesamt für Wehrverwaltung einmal jährlich bis zum 31. März die notwendigen Daten von Deutschen, die im darauf folgenden Jahr volljährig werden, zu übermitteln. Gegen die Datenweitergabe konnten Betroffene bislang aber Widerspruch einlegen. Ob es diese Möglichkeit in Zukunft noch geben wird, erscheint fraglich; würde es doch dem Pflichtgedanken widersprechen.

In der Vergangenheit erfolgte die Musterung von Wehrpflichtigen aus dem Kreis beim Kreiswehrersatzamt in Kassel in der Ludwig-Mond-Straße. Seit mehr als zehn Jahren gibt es diese Strukturen aber nicht mehr. Die Untersuchung zur Feststellung der Dienstfähigkeit findet zurzeit in den sogenannten Karrierecentern statt. Bundesweit gibt es sechzehn dieser Bundeswehr-Einrichtungen – eins davon in Kassel. (Matthias Haaß)

Zwei Kasernen im Landkreis

Mit Ende des Kalten Kriegs wurden im Schwalm-Eder-Kreis und den umliegenden Landkreisen die meisten Kasernen geschlossen und die militärischen Einheiten aufgelöst. Ein Wehrdienst – in welcher Form auch immer – wäre nur noch bei den Heeresfliegern in Fritzlar und bei den Jägern in Schwarzenborn möglich. Die notwendigen Kapazitäten und die Infrastruktur müssten aber angepasst werden, hieß es Ende 2023 von den Verantwortlichen im Knüll und an der Eder.

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