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Frankfurt: Beschäftigte im Einzelhandel drohen mit weiteren Streiks

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Beschäftigte von Ikea, Kaufland, H&M und anderen großen Ketten forderten auf dem Frankfurter Rathenauplatz ein kräftiges Lohnplus.
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Mehr als 300 Beschäftigte im hessischen Einzelhandel haben in Frankfurt für 2,50 Euro mehr Stundenlohn demonstriert. Das Arbeitgeberangebot führe zu einem Reallohnverlust, hieß es.

Trotz Dauerregen sind am Freitag mehr als 300 Beschäftigte im hessischen Einzel- und Versandhandel durch die Frankfurter Innenstadt gezogen, um die Arbeitgeber zu einem besseren Angebot in der laufenden Tarifrunde zu drängen. Dazu aufgerufen hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Wir woll’n mehr Kohle seh’n!“, lautete das Motto des Aktionstags, bei dem Mitarbeiter:innen von Esprit, Frankfurt Airport Retail, Galeria Karstadt Kaufhof, H&M, Zara, Ikea, Kaufland und Douglas in den Streik traten.

Sie fordern 2,50 Euro mehr Stundenlohn. „Ohne uns kein Geschäft“, skandierten die Teilnehmer:innen der Demo immer wieder, die vom Gewerkschaftshaus an Bankentürmen vorbei zu einer Kundgebung auf dem Rathenauplatz führte. In bereits vier Verhandlungsrunden haben sich Verdi und Arbeitgeber bisher nicht auf eine Tariferhöhung verständigen können. Die Arbeitgeber boten zuletzt ein Plus um 5,3 Prozent ab 1. Juli 2023 und um weitere 3,1 Prozent ab April 2024 sowie eine Inflationsausgleichsprämie von 450 Euro an.

Verdi macht vor den Tarifverhandlungen für den Handel in NRW Druck

Den Beschäftigten, die am Freitag in Frankfurt und in Kassel auf die Straße gingen, ist das viel zu wenig. Die Arbeitgeber wollten einen „Billigabschluss“, der für die Beschäftigten angesichts der hohen Inflation zu einem Reallohnverlust führe, kritisierte Marcel Schäuble, Landesfachbereichsleiter Handel bei Verdi und Verhandlungsführer, bei der Abschlusskundgebung. Im Handel gelte: „Ohne gutes Angebot kein Geschäft“. Legten die Arbeitgeber nicht nach, gingen die Streiks eben weiter, kündigte er an. Am Montag gehen die Tarifverhandlungen im Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen weiter. Werde dort ein annehmbares Tarifergebnis erzielt, hätte das, so Verdi, Auswirkungen auf die Verhandlungen in Hessen, die am 4. September fortgesetzt werden.

Der Handelsverband Hessen, der die Interessen von 7200 Mitgliedsunternehmen mit 200 000 Beschäftigten vertritt, hatte Verdi Mitte Juli, nach Scheitern der jüngsten Verhandlungsrunde, „utopische Forderungen“ vorgeworfen. Die von der Gewerkschaft geförderte Erhöhung der Stundenlöhne sei für die Händlerinnen und Händler wirtschaftlich untragbar, hieß es.

Verdi Hessen kritisiert großen Billiglohnsektor im Einzelhandel

Die Beschäftigten, die am Freitag durch Frankfurt zogen, sehen das völlig anders. Die großen Handelsketten hätten in den vergangenen Jahren sehr gute Geschäfte gemacht, sagten etwa Cornelia Fett und Claudia Hernandez, Betriebsrätinnen bei Kaufland in Bad Nauheim. Schon jetzt sei es schwierig, Beschäftigte für den Einzelhandel zu finden. Verbessere sich die Bezahlung nicht deutlich, spitze sich das noch zu.

Die Arbeitgeber dächten offenbar, die Einkommen hätten sich den Gewinneerwartungen der Unternehmen anzupassen, sagte Schäuble in seiner Rede auf dem Roßmarkt. Die Arbeit im Handel werde immer härter. Gleichzeitig arbeiteten 41 Prozent der Beschäftigten in der Branche für Niedriglohn. „Man muss von der Arbeit leben können“, forderte der Gewerkschafter. Das Gehalt müsse ausreichen, um den Kühlschrank zu füllen und in Urlaub zu fahren. Eine Lohnerhöhung stütze aber auch die Wirtschaft. Elf Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiteten im Handel. Hätten diese eine höhere Kaufkraft, wirke sich das auf die Binnenkonjunktur aus.

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