Europawahl

Frankfurt: „Bildung fängt schon in der Kita an“

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Sozialministerin Heike Hofmann (Mitte) diskutierte mit Leistungskursen der Helmholtzschule.

Sozialministerin Heike Hofmann war zu Besuch in der Helmholtzschule. Eine Schülerin schlägt vor, Bildungs-Projekte anzubieten, die nicht nur auf Leistung und Prestige bauen und auch Menschen aus bildungsfernen Schichten ansprechen.

Digitalisierung, Fachkräftemangel, Diskriminierung – beim Besuch von Hessens Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) in der Helmholtzschule Frankfurt am Freitag wurde über mehr als nur Europapolitik gesprochen. Im Rahmen des EU-Projekttags hatte das Gymnasium an der Habsburgerallee im Ostend die Ministerin – die auch für Arbeit, Integration und Jugend zuständig ist – eingeladen, um mit den Jugendlichen über die Europäische Union, die kommende EU-Parlamentswahl und andere politische Themen zu diskutieren.

„Ihr seid die Zukunft unseres Landes“, sagte Hofmann zum etwa 30-köpfigen Publikum, bestehend aus den Leistungskursen Politikwissenschaft und Geschichte der Jahrgangsstufe zwölf und ein paar Abiturient:innen, die an ihrem letzten regulären Schultag freiwillig teilnahmen. Nach einer kurzen Begrüßung durch Schulleiter Gerrit Ulmke übernahmen zwei Schüler:innen, Emanuel und Ela, die Moderation. Die Teilnehmenden stellten fleißig Fragen: zur Bedeutung von Demokratie für die Europäische Union, den Herausforderungen der Digitalisierung, zur Armutsrate, zum Fachkräftemangel und eben der politischen Bildung.

Sie sei wichtig, um die Demokratie, für Hofmann das „Grundgerüst für die Europäische Union“, zu schützen. Ihre Förderung sei auch im Koalitionsvertrag der neuen Hessischen Landesregierung verankert und daher „von ganz zentraler Bedeutung“. Die Schüler:innen wollten daraufhin wissen, wie man politisches Wissen unter die Leute bringen könne. „Bildung fängt für mich schon in der Kita an“, antwortete Hofmann. Man solle Kindern früh die Möglichkeit geben, mitentscheiden zu können, und ihnen zeigen, dass ihre Meinung einen Wert hat.

Für Jugendliche gebe es mittlerweile vermehrt digitale Angebote zur politischen Bildung, was die Schülerinnen und Schüler begrüßten. Sie finden es wichtig, dass populistischen Meinungen im Internet entgegengewirkt wird. Gerade im digitalen Bereich sei der Schutz vor Falschinformationen schwer, stimmte auch Hofmann zu. Dazu müsse man die Medienkompetenz stärken, und zwar nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch bei Erwachsenen, wo der Bedarf noch größer sei.

Die Ministerin fragte ihrerseits die Teilnehmenden nach ihren Ideen und Wünschen. Zwei Schülerinnen betonten, dass Bildungsangebote sich häufig an bereits interessierte und gebildete Menschen richten und andere dabei vernachlässigen würden. „Es sind immer dieselben Leute, die zu solchen Veranstaltungen gehen“, sagte eine der beiden und wünschte sich Angebote angepasst auf die verschiedenen Zielgruppen. Ihre Klassenkameradin schlug vor, Projekte anzubieten, die nicht auf Leistung und Prestige bauen.

Die Ministerin begrüßte die Kritiken und Meinungen der Schüler:innen, die nicht immer mit ihrer eigenen übereinstimmten. So schieden sich zum Beispiel bei den Themen bedingungsloses Grundeinkommen und Armutsbekämpfung in Deutschland die Geister.

Der regelmäßige Kontakt mit Jugendlichen sei für sie sehr wichtig, beteuerte Hofmann nach Ende der Doppelstunde. Veranstaltungen wie der EU-Projekttag sollte es in ihren Augen viel öfter geben, da sie die Demokratiebildung förderten und junge Menschen für die EU-Wahl mobilisierten, bei der in diesem Jahr zum ersten Mal auch Jugendliche ab 16 Jahren teilnehmen dürfen. „Machen Sie mit, bringen Sie sich ein, übernehmen Sie Verantwortung!“, appellierte Hofmann zum Schluss.

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