Proteste

„Wir wollen nicht zurück zum alten System“

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Reza Rouchi kam 1989 aus dem Iran nach Deutschland. Seit dem lebt der heute 63-Jährige in Frankfurt. Er arbeitet als Taxiunternehmer.
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Reza Rouchi stammt aus dem Iran und wie viele andere protestiert er gegen das dortige Mullah-Regime / Ein Interview von Petra Zeichner

Mitte Dezember sind die Proteste gegen das Regime im Iran erneut aufgeflammt, sowohl mit Massendemonstrationen im Land selbst als auch mit Kundgebungen in Deutschland, darunter in Frankfurt. Es gibt zwei politische Lager: Die einen wollen Reza Pahlavi, den Sohn des einstigen Schahs, als „König“, wie viele bei den Protesten rufen. Sie nennen sich selbst Monarchist:innen, und sie fanden wiederholt Eingang in die Berichterstattung der Frankfurter Rundschau. Die anderen halten Pahlavi, der in den USA lebt, für einen, der wie sein Vater eine Diktatur anstrebt. Hier kommt der Frankfurter Reza Rouchi zu Wort, der zum zweiten Lager gehört.

Herr Rouchi, wie stellen Sie sich einen Iran ohne das Mullah-Regime vor?
Reza Rouchi: Wunderbar. Dann freuen wir uns auf einen freien und demokratischen Iran. Daran arbeiten wir.
Wie sieht dieser demokratische Iran aus?
Ich bin im Vorstand der deutsch-iranischen Gesellschaft, wir unterstützen den Nationalen Widerstandsrat. Der hat einen Zehn-Punkte-Plan von Maryam Rajavi (seiner im Pariser Exil lebenden Vorsitzenden, d. Red.), dieser basiert auf demokratischen Werten. Es gibt eine Trennung von Staat und Religion, Gleichberechtigung, eine unabhängige Justiz, freie Wahlen, Meinungsfreiheit. Und das Wichtigste: die Abschaffung der Todesstrafe.
Wie lässt sich das erreichen?
Der Nationale Widerstandsrat hat einen Übergangsplan für sechs Monate. Innerhalb dieser Zeit sollte eine verfassungsgebende Institution geschaffen werden.
Kann Reza Pahlavi dabei unterstützen?
Auch Pahlavi hat einen Übergangsplan erstellt. Darin ist zwar zuerst die Rede von einer drei- bis sechsmonatigen Übergangszeit. Doch dann wird dieser Plan auf unbestimmte Zeit verlängert. Dazu kommt: Pahlavi will eine Alleinherrschaft, er bestimmt alle Institutionen. Nach all den Jahren der Schah-Diktatur sind bisher Zehntausende Menschen getötet worden, auch Angehörige des nationalen Widerstands. Wir wollen nicht zurück zum alten System.

Der Iran

Mohammed Reza Pahlavi wurde 1941 mit Billigung der Besatzungsmächte Großbritannien und Sowjetunion vom iranischen Parlament zum Schah ernannt. Anfangs gab es Pressefreiheit, Gewerkschaften gründeten sich ebenso wie neue Parteien.

Wirtschaftlich wurde der Iran ausgebeutet. Es ging um Erdöl, nur wenig davon blieb im Iran. Die Opposition setzte eine Verstaatlichung der Erdölindustrie durch. Daraufhin boykottierten internationale Ölgesellschaften den Iran, es kam zu einer Wirtschafts- und Finanzkrise. Der Schah floh ins Exil.

Der britische und der US-Geheimdienst initiierten einen Putsch gegen Premierminister Mohammad Mossadegh. 1953 wurde er gestürzt, der Schah kehrte aus dem Exil zurück. Er richtete ein repressives System ein. Im September 1978 kam es zu Massendemonstrationen gegen den Schah. 1979 wurde er gestürzt und die Islamische Republik ausgerufen.

Der Nationale Widerstandsrat Iran (NWRI) ist eine Koalition aus rund 500 Persönlichkeiten und Oppositionsgruppen, die sich für eine demokratische Republik Iran einsetzen. Maryam Rajavi ist die gewählte Präsidentin des NWRI. pz

Schah Mohammad Reza Pahlavi hat sein Regime bis zu seinem gewaltsamen Sturz im Jahr 1979 mit Folter, Mord und Terror gegen Oppositionelle aufrechterhalten. Sein Sohn würde in seine Fußstapfen treten, meinen Sie?
Pahlavi hat bis heute nie die Verbrechen seines Vaters verurteilt, der auch den gefürchteten iranischen Geheimdienst Savak aufgebaut hat. Dazu kommt: Widerstand gibt es seit über 40 Jahren – aber Reza Pahlavi war nicht da. Auf einmal, seit der Revolution nach der Ermordung von Mahsa Amini, ist er da. Wo war er die 40 Jahre über? Er hat sehr gut von dem Geld in den USA gelebt, das sein Vater aus dem Land geschafft hatte.
Können Sie sich vorstellen, mit dem monarchistischen Lager übergangsweise eine Allianz zu schmieden, um die Kräfte für einen Sturz des iranischen Regimes zu bündeln?
Nein. Da gibt es eine rote Linie. Das wäre, als würde man von mir verlangen, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Das Handeln der Monarchisten ähnelt dem von Rechtsextremisten. Die Monarchisten sind auch gegen die Kurden, sie werfen ihnen vor, dass die Kurden die Einheit Irans zerstören würden. Doch das stimmt nicht. Die Kurden wollen auch einen Iran, sie wollen sich nicht abtrennen.
Sie sind Mitorganisator der bundesweiten Demonstration gegen das Mullah-Regime am morgigen Samstag, 7. Februar, in Berlin. Was versprechen Sie sich davon?
Wir wollen Druck machen, um unsere Forderungen zu erreichen: Der legitime iranische Widerstand soll anerkannt, regimeeigene Botschaften sollen geschlossen und Agenten der Islamischen Revolutionsgarden und des iranischen Geheimdienstes ausgewiesen werden. Die demokratischen Staaten müssen den Iran dabei unterstützen, das Regime zu stürzen.
In Frankfurt gehen Sie auch demonstrieren?
Ja, schon sehr oft. Man darf nicht still bleiben. Der Iran ist für alle da.

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