VonAndreas Hartmannschließen
Bei Ausgrabungen in der antiken römischen Stadt Nida ist ein hölzerner Keller entdeckt und aufwendig geborgen worden. Fachleute sprechen von einer archäologischen Seltenheit.
Archäologische Sensationsfunde – darunter stellen sich die meisten Menschen Gold und Silber, antike Kunstwerke und Juwelen vor, Prunk und Glitzer aus der Römerzeit sozusagen. Für Fachleute hingegen kann auch ein hölzerner Keller spektakulär sein, entdeckt im vergangenen Jahr bei Grabungen des Frankfurter Denkmalamts auf einem Baugrundstück „In der Römerstadt 126-134“ in Heddernheim. Auf dem Gelände will die Wohnungsbaugesellschaft ABG 200 Wohnungen und eine Kita errichten.
Glücklich über die Planungen war der Ortsbeirat damals nicht, wie die Ortsvorsteherin Katja Klenner (CDU) Ende August 2021 dieser Zeitung gesagt hatte. Sie sprach von einem „Frevel an der Geschichte“. Der Ortsbeirat könne nicht nachvollziehen, warum die Stadt so wenig Interesse an ihrem römischen Erbe habe. Ziemlich genau zwei Jahre später wurde der bedeutende Fund – Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) etwa spricht von etwas „ganz Außergewöhnlichem“ – geborgen und in die Werkstatt des Spezialrestaurators Detlef Bach im Hunsrück gebracht. Dass Hartwigs Dezernat so kurzfristig die Mittel für diese Restaurierung bereitgestellt und so vor dem Verfall gerettet habe, sei großartig, sagt Wolfgang David, Leiter des Archäologischen Museums.
Nun ist der Keller samt zugehöriger Treppe fertig restauriert, nach zweieinhalb Monaten akribischer Arbeit Bachs und dreier Mitarbeiter. Am Dienstag wurde er unter großem Medieninteresse im gemeinsamen Depot von Archäologischem und Historischem Museum in der Borsigallee vorgestellt. Das ist durchaus faszinierend: ein fast 2000 Jahre alter, extrem fragiler Fund, mit Methoden des 21. Jahrhunderts auf lange Zeit dauerhaft konserviert, wie ein großes Puzzlespiel auseinandergenommen und somit leicht transportierbar. Der Keller könnte künftig, so sagt Kulturdezernentin Hartwig, in der Nähe des Fundorts präsentiert werden.
Scherben, ein wertvolles Geschenk
Jahrhundertelang war das Rhein-Main-Gebiet Teil des Römischen Reiches. Scherben und Steine aus dieser Zeit finden sich seit Jahrhunderten bei Bauarbeiten, sie werden seit langem als Zeugnis der Geschichte oder als Kuriosität gesammelt, auch vom 1894 gegründeten Verein für Geschichte und Altertumskunde in Frankfurt-Höchst. Im Laufe von 130 Jahren kam da so einiges zusammen, genauer gesagt 18 Kisten voller rund 2000 Jahre alter Ziegel und Scherben, viele mit Stempeln der Hersteller, sorgsam inventarisiert und zum Teil auch bereits wissenschaftlich publiziert.
Jetzt hat sich der Verein von seiner Sammlung getrennt und diese dem Historischen Museum Frankfurt übereignet. „Ich freue mich, dass unsere Römerziegel in den Depoträumen des Museums angekommen sind“, sagt Vereinsvorsitzender Frank Mayer.
Dieser historische Schatz werde nun endlich ordnungsgemäß in dem Museum gelagert, das selbst eine große Sammlung römischer Ziegel besitzt, vor allem Baukeramik aus dem antiken Nida. Große Mengen stellte das römische Militär im heutigen Nied her. Er hoffe auch für die Zukunft auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit spannenden neuen Erkenntnissen, sagt Vereinsvorsitzender Mayer. aph
Auf dem Gelände in der Römerstadt, auf dem demnächst laut Andrea Hampel, Chefin des Frankfurter Denkmalamts, mit den Bauarbeiten begonnen werden soll, ereignete sich vor rund 1900 Jahren in der damals noch ziemlich neuen Siedlung Nida ein Unglück. Ein Fachwerkhaus brannte lichterloh, stürzte in sich zusammen, der mit schweren Holzbalken über gestampftem Lehmboden errichtete Keller samt allerlei Inhalt wurde vom Schutt begraben und verfüllt, das Haus nicht wieder aufgebaut. Später entstanden in der Umgebung prachtvolle Steinbauten, doch zeugt der jetzige Fund vom Leben im Umfeld der römischen Garnison, in einer Zeit, in der sich allmählich Angehörige der Soldaten, Handwerker und Bedienstete ansiedelten. Auch nach dem Untergang des Imperiums blieb hier eine Siedlung bestehen. Die heutige Frankfurter Innenstadt entstand erst ab dem 6. Jahrhundert rund um den Dom.
Für die Archäologie sind Funde wie dieser Keller ein seltener Glücksfall, zum einen, weil organisches Material wie Holz in Europa kaum einmal die Zeiten überdauert (Ausnahme: in verkohltem Zustand ), zum anderen, weil so gezeigt werden kann, was eine römische Familie in der Anfangszeit der stark wachsenden Stadt so alles an Vorräten besaß.
Denn in dem 25 Quadratmeter großen Keller fanden sich auch Amphoren, wohl für Wein und Öl, ein geschmolzenes Glasgefäß und rätselhafte eiserne Bauteile, die vielleicht zu einem Wagen gehörten. Damit ist der Raum eine echte Zeitmaschine, ganz im Kleinen.
