VonSelma Oestringerschließen
Dezernentin Stephanie Wüst informiert sich bei Mainova über die Umrüstung im Heizkraftwerk West, das künftig stärker auf Fernwärme setzt.
Es lohnt sich auch mal in die Gutleutstraße zu fahren.“ Diesen Hinweis einer Mainova-Mitarbeiterin hatte sich Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) zu Herzen genommen und besuchte am Mittwochmittag das Heizkraftwerk West (HKW) an der Gutleutstraße. Dort informierte sie sich nicht nur als Politikerin, sondern auch als Aufsichtsratvorsitzende der Mainova über die laufenden Projekte und Entwicklungen des regionalen Energiedienstleisters.
Mainova-Vorstand Martin Giehl gab der Besucherin einen Überblick zur Dekarbonisierungsstrategie des Unternehmens, die Voraussetzung für die Umsetzung der Energiewende ist. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Ausbau der Fernwärme zu, denn zum aktuellen Zeitpunkt wird der überwiegende Teil an Wärme in Frankfurt noch aus fossilen Energieträgern gewonnen. Laut Giehl würde die Nutzung von Wasserstoff am HKW künftig eine entscheidende Rolle einnehmen, um die Frankfurter:innen CO2-neutral und zuverlässig mit Wärme und Strom zu versorgen.
Mit Investitionen von bis zu zwei Milliarden Euro möchte die Mainova in den nächsten Jahren auf den Ausbau von Kohleersatzprojekten setzen. Dazu zählt auch die Umrüstung des HKW von Kohle auf Gas: Zwei Steinkohleblöcke sollen bis 2026 durch Gasblöcke ersetzt werden. Durch sie könnten jährlich 400 000 Tonnen CO2 eingespart werden.
„Die Umrüstung des HKW von Kohle auf Gas ist der richtige Schritt, um perspektivisch klimaneutrale Gase einsetzen zu können. Damit gewährleistet Mainova die sichere Versorgung Frankfurts mit umweltschonender Fernwärme, deren Bedeutung künftig weiter zunehmen wird“, sagte Wüst.
Bei Klimaschützer:innen stieß die Strategie der Mainova zuletzt auf Ablehnung. Sie fordern den Ausbau erneuerbarer Energien in Frankfurt, anstatt einen fossilen Energieträger durch den anderen zu ersetzen. Laut einem Sprecher der Mainova sei man seit 2018 in regelmäßigem Dialog mit verschiedenen Klimaschutzgruppen, zuletzt hätten die Klimaschützer:innen jedoch weniger Gesprächsbereitschaft gezeigt.
Die Mainova selbst hat sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2040 klimaneutral zu sein. Wüst findet dieses Ziel ambitioniert genug, denn nicht zuletzt fehle es auch der Politik oft an einer realistischen Gesamtstrategie beim Umbau der Infrastrukturen in Richtung Energiewende.
Beim persönlichen Austausch mit Kraftwerksmitarbeitern konnte sich Wüst schließlich noch ein Bild des Betriebsablaufs machen. „Vor Ort zu sehen, worüber wir uns in so vielen Gesprächen und Sitzungen ausgetauscht haben, hat das Bewusstsein für die Herausforderungen der Mainova noch einmal geschärft“, so Wüst. Später besichtigte sie noch das Nachwuchszentrum und den Fuhrpark der Mainova.
