VonOliver Teutschschließen
Frankfurter Vorstandsmitglied Benjamin Graumann hofft auf Solidarität in der Bevölkerung, die auch nach einem Gegenschlag Israels noch anhält
Am Frankfurter Römerberg weht seit vergangenem Sonntag zum Zeichen der Solidarität die israelische Flagge. Das, so versichert Benjamin Graumann vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde, sei „ein starkes Zeichen für Frankfurt“. Allerdings hofft Graumann auch, dass die Solidarität mit Israel „über symbolische Bekundungen hinausgeht“. Zum Beispiel mit dem Verbot einer für Samstag geplanten Demonstration unter dem Motto „Freiheit für Palästina“.
Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde untermauerte seine Forderung am Mittwoch in einer Mitteilung: „Wir mussten bereits in Berlin sehen, wie das Leid der Menschen in Israel hämisch auf deutschen Straßen gefeiert und von Hamas-Unterstützern, die unter anderem dem Verein „Samidoun“ angehören, zelebriert wurde“, heißt es darin.
Als Folge wurden in Berlin nunmehr alle Demonstrationen, die zu Hass und Hetze gegen Israel und Juden aufrufen, verboten. Der gleiche Verein, Samidoun, rufe nun, gemeinsam mit weiteren anti-israelischen und antisemitischen Vereinen, zu Demonstrationen in Frankfurt auf. „Dabei verwenden sie antisemitischen Chiffren und glorifizieren diesen kaum in Worten zu beschreibenden Terrorakt der Hamas. Das darf nicht in Frankfurt toleriert werden“, heißt es in der Mitteilung des Vorstands weiter. Es könne daher keine Alternative zu einem Verbot dieser Demonstrationen geben.
Die Stadt reagierte am Mittwochnachmittag und verbot die Kundgebung am Samstag. „Die Demonstrationen schüren den Konflikt. Gewaltverherrlichungen darf es auf den Straßen unserer Stadt nicht geben“, wird Oberbürgermeister Mike Josef in einer sehr kurzen Mitteilung zitiert.
Die Jüdische Gemeinde selbst, sagt Graumann, sei „immer noch im Schockzustand“ und: „Die Bilder aus Israel übersteigen unsere schlimmsten Alpträume.“ Ganz massiv sei das Bedürfnis der Gemeindemitglieder, enger zusammenzurücken und zusammen zu sein.
Zu einem internen Solidaritätsgottesdienst am Mittwochabend wurden mehrere hundert Gemeindemitglieder in der Synagoge im Westend erwartet. Allerdings, betont Graumann, gebe es auch Mitglieder, die solchen gemeinsamen Veranstaltungen fern blieben.
„Viele haben auch Angst“, so Graumann, der von einer „perversen Situation“ spricht. So müssten Menschen aus Palästina in Deutschland weniger Racheakte für die Gräueltaten in Israel fürchten, als Juden und Jüdinnen einen aufwallenden Zorn von Trittbrettfahrern.
Das Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde hofft nicht nur auf ein Verbot der Demo, sondern auch, dass die Rolle des Iran als Drahtzieher der Terrorakte berücksichtigt werde. „Das gehört zwingend in den Fokus der deutschen Politik“, so Graumann. Ohne die Unterstützung und Ausbildung der Hamas durch den Iran wären die massiven Angriffe auf Israel nicht möglich gewesen.
Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt hat derzeit auch Zuwachs bekommen. „Wir haben viele Israelis, die hier gestrandet sind, weil ihre Flüge gestrichen wurden“, so Graumann. Diesen Menschen werde nun auch psychologische Betreuung angeboten. „Auch hier geht es wieder darum, nicht alleine zu sein“, verdeutlicht Graumann die Gemütslage der Jüdischen Gemeinde.
Den Bedarf an psychologischer Unterstützung für die israelische Bevölkerung sieht auch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus-Kreis.und bittet daher um sofortige Spenden für Traumabehandlungszentren im Süden Israels. „Helfen Sie mit. Gerade heute rettet Ihre Unterstützung für Israel Menschenleben“, heißt es in einem Aufruf vom Mittwoch.
Graumann hofft, dass die Unterstützung für Israel auch anhält, wenn es jetzt zu einer Bodenoffensive kommen sollte. „Wir wissen, Solidaritätsbekundungen schlagen schnell um, wenn Israel sich wehrt.“ Wie lange die Flagge auf dem Römerberg gehisst bleibe, sei „noch in Klärung“, hieß es am Mittwoch auf FR-Anfrage aus dem Protokollamt der Stadt.
