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Hessische Eltern müssen jetzt mal kräftig schlucken. Eine Studie zeigt, wo in Deutschland die Kitas am teuersten sind. Hessen ist ganz vorn mit dabei.
Frankfurt – Kinder kosten Geld. Richtig viel Geld. So gehen die Kosten für den geliebten Nachwuchs in den sechsstelligen Bereich, bis die Volljährigkeit erreicht ist. Neben Windeln, Kleidung, Babysitter und mehr muss dann auch schnell die Kita bezahlt werden. Und die kann ins Geld gehen. Jedes Land und jede Kommune entscheidet selbst, wie viel die Eltern für die Kinderbetreuung blechen müssen. In Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern sind Kitas kostenlos. Das ist hier in Hessen ganz anders.
Kita-Kosten: Frankfurt nimmt höchste Gebühr für Kleinkinder hessenweit
Das ist das Ergebnis einer Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Denn ob und wie viel man als Eltern für die Betreuung des Kindes zahlen muss, hängt von vielen Faktoren ab: vom Wohnort, dem Alter des Kindes, der Anzahl der Kinder und dem Betreuungsumfang. In manchen Fällen hängt es auch vom Einkommen beider Elternteile ab, das ist aber in den hessischen Großstädten nicht der Fall.
Für die Studie hat sich das IW im Rhein-Main-Gebiet auf die Großstädte Frankfurt und Wiesbaden fokussiert. Frankfurt ist laut IW die einzige Großstadt Hessens, die eine Unterscheidung zwischen ein- und zweijährigen Kindern macht – also das kostenlose Krippenjahr etabliert hat. Hier eine Übersicht der Kosten:
| Einjähriges Kind | Zweijähriges Kind | Kind über drei Jahren | |
| Frankfurt | 225 Euro | 0 Euro | 0 Euro |
| Wiesbaden | 220 Euro | 220 Euro | 34 Euro |
Zwar erhebt die Stadt Frankfurt ab dem Alter von zwei Jahren keine Gebühren mehr, im Hessen-Vergleich nimmt sie für Kleinkinder allerdings die höchste Gebühr. Mit Blick auf Hessens Großstädte wird in Offenbach mit maximal 188 Euro übrigens die niedrigste Gebühr erhoben.
„Im Sinne einer Chancengleichheit wäre der Besuch von Kitas idealerweise bundesweit einheitlich geregelt und für alle Kinder in den letzten Jahren vor der Einschulung kostenlos“, sagt Wido Geis-Thöne, Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). „Dies ist aufgrund der aktuellen Haushaltslage der Länder und Kommunen aber nicht überall umsetzbar, da die Kostenfreiheit nicht zulasten der Qualität der Betreuung gehen darf.“
400 Euro Kita-Kosten auf der einen Rhein-Seite, 0 Euro auf der anderen
Daher ist die Schere zwischen verschiedenen Kommunen groß. So kostet beispielsweise die Kita in Mannheim (Baden-Württemberg) für ein zweijähriges Kind fast 400 Euro. Im direkt auf der anderen Seite vom Rhein gelegenen Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) ist sie kostenlos. Den Rekord deutschlandweit halten laut der IW-Studie Bergisch Gladbach und Mühlheim an der Ruhr (beide Nordrhein-Westfalen) für die Betreuung von einjährigen Kindern. „In Mülheim an der Ruhr zahlen Gutverdiener für eine wöchentliche Betreuungszeit von 45 Stunden 1009 Euro, Bergisch Gladbach berechnet für 45 Stunden pro Woche einen Beitrag von 1.220 Euro.“
Immerhin: Seit einigen Jahren gibt es hessenweit die Regelung, dass der Kita-Besuch für alle Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung an sechs Stunden pro Tag kostenlos ist. Das mag sicherlich viele Familien oder Eltern zumindest in der Zeit entlasten, bei mehr Stunden pro Tag fallen aber natürlich wieder Kosten an.
In dieser interaktiven Grafik des IW sind die Kitagebühren aufgeführt, die für eine ganztägige Betreuung bei einem Brutto-Jahreseinkommen von 50.000 Euro anfallen. Geschwisterrabatte werden nicht berücksichtigt. „Für Ganztagsbetreuung gibt es keine einheitliche Definition, dargestellt wird jeweils der maximal mögliche Betreuungsumfang“, schreibt das IW.
Kita-Plätze sind an allen Ecken und Enden Mangelware. Ende vergangenen Jahres haben mehr als 429.000 Kita-Plätze gefehlt. Und wenn man dann nun einen Platz hat für sein Kind, dann wird es auch noch teuer. Aber wieso besucht denn das Kind die Kita? Wenn es vorwiegend dem Zweck diene, so das IW, dass die Eltern „Familie und Beruf besser vereinbaren und in größeren Umfang erwerbstätig werden können, erscheint es legitim, dass sie sich aus ihrem zusätzlich erzielten Einkommen in substanziellen Maß an den Kosten beteiligen“.
Fazit: Wer soll die Kita-Gebühren tragen?
Sehe man eine Kindertagesstätte hingegen als Einrichtung, die die Entwicklung von Kompetenzen der Kinder fördert und Teilhabe-Chancen ermöglicht, sollte laut dem Institut „die finanzielle Verantwortung, ähnlich wie bei den Schulen, beim Staat liegen“. (Rebecca Fulle)
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