Protest mit Raddemo: Klimagruppen wollen am Samstag gegen die Nutzung fossiler Energien zum Heizkraftwerk ziehen.
Wie kann eine sozial und ökologisch gestaltete Wärmewende in Frankfurt gelingen? „Mit dem klimafreundlichen Ausbau des städtischen Wärmenetzes, mit Wärmepumpen, Solarthermie und der effizienten Nutzung von Abwärme, beispielsweise von großen Rechenzentren“, sagt Sebastian Werner vom Klimaentscheid Frankfurt. Jedoch nicht - und das ist dem Klimaaktivisten ganz wichtig - mit der weiteren Nutzung von Kohle und Gas. Mehrere Klimaaktivist:innen von Fridays for Future Frankfurt sowie Hanau, von Attac und dem Klimaentscheid stören sich in diesem Zusammenhang an Mainova und dem Plan des Unternehmens für das Heizkraftwerk West im Gutleutviertel.
In dem Kraftwerk soll noch bis 2026 Kohle verheizt werden. Anschließend wird auf Gas umgestiegen und 2040 eventuell dann auf Wasserstoff. Dieser Plan bringt aus Sicht der Klimaaktivist:innen einige Probleme mit sich. Zum einen ist noch nicht klar, inwieweit Wasserstoff in Deutschland dann verfügbar sei, und zum anderen, inwieweit bezahlbar. Wahrscheinlich muss Wasserstoff dann aus Ländern des Globalen Südens importiert werden. „Das finden wir nicht richtig“, erklärt Daphne, Sprecherin von Fridays for Future Frankfurt, und ergänzt: „Dann geht der ganze Ausbeutungs-Zyklus ja wieder von vorne los.“ In diesem Zusammenhang hebt sie hervor: „Außerdem muss die Wärmewende sozial verträglich sein.“
Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, laden die Klimagruppen für Samstag zu einer Raddemo unter dem Motto „Kein fossiles Gas im Mainova Kraftwerk“. Treffpunkt ist um 17 Uhr am Willy-Brandt-Platz. Anschließend werden die Uniklinik und die Adolf-Miersch-Siedlung in Niederrad angefahren. Am Heizkraftwerk in der Gutleutstraße soll schließlich eine finale Kundgebung stattfinden.
Aktuell empfinden die Gruppen die Umstellung auf Gas als größtes Problem: „Wenn man am Schornstein misst, ist Gas rein theoretisch klimafreundlicher als Kohle, klar“, sagt Alexis Passadakis von Attac und ergänzt: „Was dabei allerdings nicht erwähnt wird, ist das viele Methan, das bei der Förderung und beim Transport emittiert wird. Das befeuert die Klimakrise fast doppelt so schnell wie Kohlenstoffdioxid.“
Mainova baut aktuell auch ein neues Kraftwerk in Hanau. Hierzu äußert sich Passadakis recht deutlich: „Für uns ist klar, wenn man die Klimakrise ernst nimmt, darf überhaupt keine neue fossile Infrastruktur gebaut werden.“
Außer dem Stopp des Baus fossiler Infrastruktur wünschen sich die Klimaaktivist:innen den Austritt der Mainova aus dem Lobby-Club „Zukunft Gas“ sowie eine Entschädigung des Energielieferanten an Gemeinden in kolumbianischen Kohleregionen.
Mit Blick auf die Stadt, der Mainova zu 75 Prozent gehört, meint Passadakis: „Mike Josef ist designierter Aufsichtsratsvorsitzender der Mainova. Er hat in seinem OB-Wahlkampf versprochen, von Steinkohle auf erneuerbare Energien umzusteigen. Wir nehmen ihn da beim Wort. Es sei denn, das waren alles nur hohle Wahlkampfversprechen.“