Klimakrise

Frankfurt ächzt unter Hochsommer – „Hitze-Check“ zeigt der Stadt die Rote Karte

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Zu viel Beton, zu wenig Grün: Frankfurt und andere Städte sind laut einer Untersuchung der Umwelthilfe nicht für hohe Temperaturen gerüstet. Die Folgen könnten gravierend sein.

Frankfurt – Frankfurt sieht rot. Laut einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist die Mainmetropole schlecht auf die Klimakrise und hohe Temperaturen vorbereitet. Der Grund: Zu viele Flächen in der Stadt sind versiegelt, zu wenig Grün ist vorhanden. Das Schicksal einer „Roten Karte“ in dem Ranking teilt Frankfurt mit 23 anderen deutschen Städten. In ihrem am Dienstag (30. Juli) veröffentlichten „Hitze-Check“ analysiert die Umwelthilfe, wie hoch die Belastung in den 190 deutschen Städten mit mehr als 50 000 Einwohner:innen ist.

Dabei geht es vor allem um die Frage, wie hoch der Anteil der Versiegelung an der Siedlungs- und Verkehrsfläche ist und wie hoch im Gegenzug das sogenannte Grünvolumen, in das neben der Größe auch die Qualität der vorhandenen Grünflächen eingeht. Dabei ist grün nicht gleich grün. „Der Rollrasen kann mit dem alten Baumbestand nicht mithalten, deshalb ist es entscheidend, dass neben Rasenflächen auch Bäume, Büsche und Wiesen in unseren Städten zu finden sind“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Ein durchschnittlich hoher Laubbaum hat laut Umwelthilfe ein Grünvolumen von etwa 3.400 Kubikmeter.

In Frankfurt betrifft die Versiegelung 51,32 Prozent der Flächen

Das Ergebnis der Untersuchung ist ernüchternd. Nicht einmal die Hälfte der Städte, nämlich 84, erhält bei dem „Hitze-Check“ eine „Grüne Karte“, also eine gute Bewertung. Darunter Städte sind wie Bonn, Marburg und Jena. Neben Frankfurt bekommt auch Rüsselsheim von der Umwelthilfe eine Negativbewertung. Abgeschlagen auf dem letzten Platz des Rankings landet Ludwigshafen, wo die Umweltschützer den Versiegelungsgrad an der Siedlungs- und Verkehrsfläche auf knapp 60 Prozent beziffern, das Grünvolumen hingegen nur auf 1,63 Kubikmeter pro Quadratmeter.

Zum Vergleich: Bei Spitzenreiter Detmold in Nordrhein-Westfalen betragen die Werte 35,51 Prozent und 4,10 Kubikmeter pro Quadratmeter.  In Frankfurt betrifft die Versiegelung 51,32 Prozent der Flächen. Das Grünvolumen in Frankfurt beträgt laut „Hitze-Check“ 2,62 Kubikmeter pro Quadratmeter. 82 Städten verleiht die Umwelthilfe eine „Gelbe Karte“, darunter unter anderem Kaiserslautern, Bremen und Gelsenkirchen. Besonders die Städte in den alten Bundesländern weisen auffällig hohe Versiegelungswerte auf.

Paradebeispiel für Versiegelung: der Frankfurter Roßmarkt.

Um gegen den Trend zu immer mehr Beton in den Städten anzukämpfen, fordert die DUH von der Bundesregierung ein verbindliches Ziel, die Flächenversiegelung in Deutschland bis spätestens 2035 zu stoppen. In Zeiten der Klimakrise brauchten die Städte unversiegelte Böden zur Versickerung von Wasser und Grünflächen zur Kühlung, erklärt Metz. „Statt zu lebenswerten Orten der Erholung, entwickeln sich unsere Städte in Hitze-Höllen. Die Bundesregierung muss jetzt wirksame Maßnahmen ergreifen, wie zum Beispiel bundesweite Standards für die Begrünung von Schulhöfen vorzuschreiben.“

Aktuelle Hitzewelle in Frankfurt

Pro Tag werden in Deutschland aktuell über 50 Hektar Fläche für Siedlungen und Verkehr versiegelt. Besonders folgenreich sei der Verlust großer Bäume, teilt die Umwelthilfe mit, da gerade sie einen hohen Kühleffekt hätten. Bis 2030 will die Bundesregierung den Flächenfraß auf 30 Hektar pro Tag reduzieren. 2050 soll er bei null liegen. Der Umwelthilfe ist das zu spät.

Um gegen die steigenden Temperaturen vorzugehen, hat Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) am Montag ihre Hitzeschutzstrategie vorgestellt. Auf 24 Seiten empfiehlt das Papier unter anderem mehr Parks, Straßenbäume und grüne Dächer, die in der Stadt für Abkühlung sorgen. Auch das Thema Entsiegelung wird angesprochen. Damit Pflanzen in längeren Trockenperioden nicht absterben, müssten Flächen geschaffen werden, wo Regen versickern kann.

Bis es so weit ist, dürfte es allerdings noch dauern und vor allem: Das Geld für die Klimaanpassung ist in Zeiten von Sparhaushalten weiterhin knapp. Die aktuelle Hitzeperiode mit Temperaturen über 30 Grad müssen die Frankfurterinnen und Frankfurter vorerst ohne neue Grünflächen überstehen. (nhe)

Rubriklistenbild: © Rolf Oeser

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