Electra Pain

„Auf Regenbogenflagge uriniert“: Dragqueen aus Frankfurt erhält queerfeindliches Video

+
Electra Pain hat auf Tiktok über 400.000 Follower:innen.
  • schließen

Die Frankfurter Dragqueen Electra Pain teilt auf Social Media ein queerfeindliches Video, das ihr zugeschickt wurde. Darauf wird auf eine Regenbogenflagge „uriniert“.

Frankfurt - Für die Dragqueen Electra Pain aus Frankfurt ist Hass im Netz Alltag, aber das Video, das sie am Dienstag (11. Juli) erhält, lässt sie extrem schockiert zurück. „Ich habe eben auf Instagram eine Nachricht bekommen, wo jemand auf eine Regenbogenflagge uriniert. Das ist ekelhaft. Selbstverständlich werde ich das Ganze zur Anzeige bringen, denn solchen Menschenhass dürfen wir uns einfach nicht gefallen lassen“, verkündet die 35-Jährige auf ihrem Instagram-Kanal.

Aber nicht nur das, sie habe sich entschieden, das Video zu veröffentlichen, um zu zeigen „welchen Anfeindungen wir queeren Menschen täglich ausgesetzt sind“. Eine Person ist in dem Video nicht zu sehen, aber am Ende ist eine männliche Stimme zu hören: „Ich wünsche jedem von euch einen Happy Pride Month.“ Frankfurt feierte im Juni den ersten Pride Month mit Aktionstagen und Kundgebungen zum Thema queeres Leben. Electra Pain, die im Alltag als Mann lebt, sagt: „Ich hoffe, dass Regierung und Polizei, aber auch die Social-Media-Plattformen härter durchgreifen werden.“ Electra Pain hat eine große Reichweite mit 428 000 Follower:innen auf Tiktok und knapp 32.000 Follower:innen auf Instagram.

Dragqueen Electra Pain aus Frankfurt teilt queerfeindliches Video auf Instagram

Es ist nicht das erste Video mit queerfeindlichem Inhalt, das für Aufregung in der Region sorgt: Im Mai hatte ein Torwart des Drittligisten des SV Wiesbaden angedroht, auf den Regenbogenzebrastreifen in Wiesbaden zu urinieren. Sein Fußballverein trennte sich von ihm. Die Polizei Westhessen sagte am Dienstag: „Die Äußerungen des Torwarts sind zur rechtlichen Würdigung an die Staatsanwaltschaft übermittelt worden.“ Dort wird festgestellt, ob die Äußerungen gegen ein Recht verstoßen haben.

Wenige Stunden bevor Electra Pain das Regenbogenflaggenvideo teilte, hatte sie in ihren Insta-Storys queerfeindliche Hassnachrichten gegen sich als Person publiziert: „Mir reichts, Kinder. Ich werde jetzt alles sammeln und ganz vorbildlich zur Polizei bringen. Und das solltet Ihr auch tun. Wir lassen uns so was nicht gefallen.“ Sie erhalte „Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen“.

Immer wieder queerfeindliche Angriffe in Frankfurter Innenstadt

Nicht nur erlebt sie Hass im Netz: Im März 2022 war sie an der Konstablerwache mit Pfefferspray angegriffen worden. Es folgten vermehrt queerfeindliche Angriffe in der Innenstadt von Frankfurt. Als Konsequenz hatte die Stabsstelle für Antidiskriminierung zusammen mit der Polizei den LSBTIQ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen)-Koordinierungskreis gegründet.

Eine Konsequenz: Mehr Polizeipräsenz im Regenbogenviertel, dem Ausgehort der queeren Community unweit der Konstablerwache. Mehr queere Menschen trauten sich seitdem, Anzeigen zu erstatten, hatte Polizeipräsident Stefan Müller im Mai gesagt. Pain sagte, dass die Community sich sicherer im Viertel fühle, aber Beleidigungen weiter Alltag seien. Am Samstag tritt Electra Pain auf dem CSD auf. Hat sie Angst wegen all des Hasses? „Ich habe ein ungutes Gefühl, aber ich will die Hater nicht gewinnen lassen und für alle queeren Menschen stark bleiben“, sagte sie der FR. (Kathrin Rosendorff)

Kommentare