VonFlorian Leclercschließen
George Grodenskyschließen
Der Mensch soll im Mittelpunkt der Verkehrsplanung in Frankfurt stehen, nicht mehr nur der Verkehrsfluss. Kritik kommt von der FDP.
Die Stadt Frankfurt ist einen kleinen Schritt weiter auf dem Weg zur Verkehrswende. Künftig soll ein großer folgen, das kündigen der aktuelle und der designierte Verkehrsdezernent der Stadt an. Am Mittwoch- vormittag haben Stefan Majer und Wolfgang Siefert (beide Grüne) mit weiteren Fachleuten einen entsprechenden „Masterplan Mobilität“ für Frankfurt vorgestellt.
Den müssen nun noch Magistrat und Stadtverordnetenversammlung beschließen. Damit hätte die Stadt einen strategischen Rahmenplan, der den Weg zur Verkehrswende aufzeigt.
Alter Plan stellt Verkehrsfluss in Mittelpunkt
Der aktuelle Gesamtverkehrsplan der Stadt stammt aus dem Jahr 2005 und hatte eine andere Struktur und Inhalte. Darin steht der Verkehrsfluss im Mittelpunkt. Bei Bauvorhaben wird analog zum bisherigen Verkehrsaufkommen ein künftiger Verkehr prognostiziert und beplant.
Im neuen Masterplan dreht sich dagegen alles um die Menschen, ihre Mobilitätswünsche, aber auch die Auswirkungen, die das auf die anderen in der Stadt hat. Kurzum: Im Masterplan finden sich auch die Themen Klimaschutz, urbane Lebensqualität, Lärmschutz, Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit.
Am Rande bemerkt ist es auch eine EU-Vorgabe, dass sich alle Städte in Europa einen solchen Masterplan geben müssen, der Grundlagen einer nachhaltigen, urbanen Mobilitätsplanung setzen soll, was die Stadtverordneten 2021 beim Verkehrsdezernat in Auftrag gegeben haben.
FDP sieht Masterplan mit Skepsis
Kaum ist die Tinte trocken, kommt auch schon Kritik. Ausgerechnet von der FDP im Römer, die Teil der Koalition in Frankfurt ist. „Der Masterplan geht stark zulasten des motorisierten Individualverkehrs“, sagt Uwe Schulz, der einen Wegfall von Parkplätzen bemängelt. „Was in der Innenstadt durch Parkhäuser teilweise kompensiert werden kann, ist in äußeren Stadtteilen wie Oberrad, Schwanheim oder Seckbach illusorisch“, sagt er.
Die Belange des Einzelhandels auf dem Oeder Weg sieht Schulz im Masterplan nicht ausreichend berücksichtigt. Die Einrichtung der Fahrradstraße habe teilweise zu hohen Umsatzeinbußen der Geschäfte geführt. Modalfilter, die den Autoverkehr hindern, in eine bestimmte Straße zu fahren, sieht er „unter klimapolitischen Gesichtspunkten“ kritisch: Modalfilter und Sperrungen von Streckenabschnitten reduzierten den Verkehrsfluss und sorgen aus seiner Sicht für einen „größeren CO2-Fußabdruck als vorher“.
Der neue Masterplan räume mit Mythen auf, sagen dagegen Majer und Siefert. Es gehe nicht darum, Autos zu verbieten oder Straßen für sie zu sperren. Es gehe darum, den eingangs erwähnten großen Schritt zu machen. „Der Platz reicht für alle Verkehrsmittel“, sagt Majer.
Nicht mal halbieren wolle man den Autoverkehr. Der Masterplan sehe vor, den Anteil der Autos am Gesamtverkehr von 57 auf 47 Prozent zu reduzieren. Somit werde es künftig schwer, mit Parolen zu argumentieren, findet Majer.
„Alle sind immer für Klimaschutz“, moniert Majer. Aber wenn es darum gehe, konkret etwas umzusetzen, geschehe zu wenig. Das soll das Strategiepapier ändern: bei allen Themen in der Stadtentwicklung verbindliche Vorgaben machen. Damit es 2035 kein böses Erwachen gebe.
Auch interessant
Das empfiehlt der Masterplan Mobilität für den Autoverkehr.
Das empfiehlt der Masterplan Mobilität für den Radverkehr.
Das empfiehlt der Masterplan Mobilität für den Nahverkehr.
Das empfiehlt der Masterplan Mobilität für den Fußverkehr.
Das empfiehlt der Masterplan Mobilität für den Wirtschaftsverkehr.
Das empfiehlt der Masterplan Mobilität fürs Pendeln.

