Notfälle

Frankfurter Rettungsdienst am Limit: Zu viele Bagatelleinsätze

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Der Rettungsdienst rückt oft unnötig aus.
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Immer öfter brauchen Rettungswagen länger als zehn Minuten zum Einsatzort. Das liegt auch daran, dass sie mitunter ohne Not gerufen werden.

Wann ist es notwendig, die 112 anzurufen? Wann sollte man sich an den Ärztlichen Notdienst wenden? Und wann reicht ein Besuch bei Hausarzt oder Hausärztin? Die Frankfurter Feuerwehr möchte die Bevölkerung für diese Fragen stärker sensibilisieren. Grund ist die hohe Zahl an Bagatelleinsätzen.

Der stellvertretende Feuerwehr-Chef Markus Röck war in den Sicherheitsausschuss der Stadtverordneten gekommen, um über die Situation beim Rettungsdienst zu informieren. Und was Röck vortrug, klang nicht beruhigend. Denn während bei Feuerwehreinsätzen die gesetzliche Hilfsfrist von zehn Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen am Ort des Brandes fast immer eingehalten wird, sieht das bei Einsätzen für die Rettungswagen anders aus. Die Quote, in der das Fahrzeug in zehn Minuten vor Ort ist, lag zuletzt bei weniger als 85 Prozent.

Dafür gibt es viele Gründe, wie Röck betonte. Einer davon: Die fehlende Notfallkompetenz von vielen Menschen. Denn immer öfter kommt die Besatzung von Rettungswagen zum Einsatzort und stellt fest, dass kein Notfall vorliegt.

Wann man tatsächlich die 112 rufen sollte und wann ein Arztbesuch ausreicht, das sollte schon den Kindern in der Schule vermittelt werden, schlug Röck vor. Außerdem sprach er sich dafür aus, dass das Thema bei Erste-Hilfe-Kursen und betrieblichen Fortbildungen stärker angesprochen wird.

Der CDU-Stadtverordnete Martin-Benedikt Schäfer schlug eine Kampagne zur Vermeidung von Bagatelleinsätzen vor. Eine entsprechende Aktion in Berlin habe aber keinen Erfolg gehabt, sagte Röck. Uwe Schulz (FDP) forderte, bei „offensichtlichen Bagatelleinsätzen“ müssten die Anrufer:innen die Kosten übernehmen. Jutta Ditfurth bezeichnete Schulz daraufhin als „unsozial“. Hausärzte seien telefonisch oft gar nicht erreichbar und machten auch keine Hausbesuche mehr, sagte sie. Röck ergänzte, dass immer mehr Menschen gar keinen Hausarzt hätten.

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