VonMichael Forstschließen
In Unterliederbach steht wohl Frankfurts schlimmste Schimmel-Schule. Das Kollegium ist besorgt, die Lehrer warnen vor akuter Gesundheitsgefahr.
Frankfurt – Dreck in dicken Brocken, kaputte Kacheln, aus freigelegten Decken ragen Kabel, Wände voll mit schwarzen Schimmelflecken: Ekelerregende Einblicke in den Keller der ehemaligen Karl-Oppermann-Schule in der Unterliederbacher Gotenstraße zeigt ein Videoclip, aufgenommen von Lehrern der zehn Minuten entfernten Walter-Kolb-Schule. Die hat dort seit März dieses Jahres ihr Ausweichquartier bezogen. Grund für den Umzug: Die Decke im Stammgebäude im Sossenheimer Weg ist einsturzgefährdet. Glaubt man den Bildern und den Lehrern, sind die Schüler und die Pädagogen vom Regen in die Traufe gekommen.
So war Keywan Kazemi, Lehrer und Sicherheitsbeauftragter der Schule, mit einer Kollegin in die Sitzung des Ortsbeirates 6 (Frankfurter Westen) am vergangenen Dienstag gekommen, um vor der „akuten Gesundheitsgefährdung“ zu warnen. Doch nicht nur der Keller, auch Decken und Wände der Klassenzimmer in den Stockwerken sind nach seinen Worten von den dunklen Flecken des Schwarzschimmels überzogen: „Die Kinder und wir müssen ständig husten“, berichtete Kazemi dem Gremium.
Schimmelfrust in Frankfurt: „Die Schule muss geschlossen werden“
„Du riechst und spürst den Schimmel auf der Zunge, sobald du das Gebäude betrittst“, schildert er die Lage. Ständig müsse in den Räumen gelüftet werden. Zudem laufe der Keller, in dem Computer-Server stünden, bei Regen ständig voll. Die Probleme mit dem Schimmel hätte die Schulleitung bereits nach dem Einzug im März gemeldet und auf die Entfernung des Schimmels bestanden. Man habe Wände neu gestrichen und der Bodenbelag ausgetauscht, teilt das Bildungsdezernat gestern mit. Aber: Kazemi beklagt: „Hinterher stellten wir fest, dass einfach nur über den Schimmel drüber gestrichen wurde.“ Seine Kollegen und er fordern nun: „Die Schule muss geschlossen werden.“
Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hatte in der Ortsbeiratssitzung zwar versichert, dass ihr die Lage der Walter-Kolb-Schule bekannt sei; von dem Schimmelproblem zeigte sie sich aber überrascht. Es müsse sofort etwas passieren, so Weber. Gestern kündigte sie an: „Noch heute wird die Feuchtigkeit im Keller überprüft, in der nächsten Woche werden die Schulräume auf mögliche Schadstoffe in der Luft untersucht.“ Kazemi berichtete gestern: „Bis heute hat sich hier niemand blicken lassen.“
Kollegium berichtet im Frankfurter Bildungsausschuss von Zuständen an Schule
Das bestätigt auch die Schulleiterin Sabine Fischer. „Ich habe mich jetzt auch an Oberbürgermeister Mike Josef gewandt und ihn zu uns eingeladen“, sagt sie. Einige Lehrer ihrer Schule werden außerdem am kommenden Montag dem Bildungsausschuss im Römer von den Zuständen erzählen, kündigt die Schulleiterin an.
Fischer weist auf das Hauptproblem in ihren Augen hin: Ihre Schule, in der mit Grund-, Haupt- und Realschule gleich drei Zweige existieren, platze aus allen Nähten und sei marode. Nicht nur fehlten Räume, die, die es gibt, seien auch am alten Standort in schlechtem Zustand gewesen. Seit Jahren bröckele Putz von der Wand. Im März dann veranlasste die Bauaufsicht die Räumung des Grundschulgebäudes wegen „erheblicher Baumängel“. Und den Umzug in die ehemalige Karl-Oppermann-Schule, die laut Fischer ihrerseits schon zum Abriss bestimmt war. Von den insgesamt 35 Klassen seien derzeit zwölf im Ausweichquartier und 23 im angestammten Schulgebäude untergebracht.
Seit Jahren Warten auf den Neubau: Konkreter Zeitplan gefordert
Ungeachtet der „untragbaren Bedingungen“ sowohl im Stammgebäude als auch im Ausweichquartier zögen sich nach Fischers Worten der geplante Abriss und Neubau seit Jahren hin. „Die Planungsphase 0 hat zwei Jahre gedauert und ist gerade zu Ende gegangen“, schildert sie. Wie es nun weitergehen solle, wisse sie nicht.
Deswegen habe sie den Oberbürgermeister auch um einen konkreten Zeitplan gebeten. Denn der gegenwärtige Zustand, so fügt die Schulleiterin hinzu, sei „schlicht nicht mehr tragbar für uns - weder psychisch noch physisch“.
Dass sich (Schimmel-)Geschichte an Frankfurter Schulen wiederholt, zeigt das Beispiel der Friedrich-Fröbel-Schule in Niederrad. Dort wurde bereits im Jahr 2014 im Keller des Verwaltungsgebäudes Schimmel festgestellt.
Kellersanierung nie umgesetzt
Die Stadt Frankfurt hatte daraufhin verschiedene Versuche unternommen, den Schimmel zu bekämpfen. Unter anderem wurde eine Luftschleuse aufgestellt. Vergeblich. Eine Sanierung des Kellers wurde erwogen, aber nie umgesetzt.
Bis heute gibt es in dem Gebäude der Grundschule Probleme mit Schimmelbefall und Wasserschäden - weshalb der Keller unbenutzbar bleibt. Außerdem kämpft die Schule mit großer Raumnot und wartet seit Jahren vergeblich auf einen Neubau - genau wie die Walter-Kolb-Schule. (Michael Forst)
