„Mein schlimmstes Jahr, war auch mein bestes“, so spricht Janine Fitzner über ihre Krebserkrankung. Behandelt wird die 42 Jahre alte Patientin an der Universitätsmedizin Göttingen.
Göttingen/Katlenburg – Derzeit erkrankt etwa eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 64 Jahren. Doch etwa eine von sechs Frauen ist jünger als 50 Jahre, wenn sie an Brustkrebs erkrankt. So auch Janine Fitzner. Bei ihr wird in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) mit 42 Jahren ein besonders aggressiver Tumor in der Brust diagnostiziert. Und: Die zweifache Mutter ist an einem vererbten Brustkrebs erkrankt.
Für die zweifache Mutter ist das eine harte Situation: Sie durchläuft eine Chemotherapie und entscheidet sich für einen operativen Eingriff. Durch die genetische Veranlagung ist das Risiko für eine erneute Erkrankung hoch, deshalb werden der Katlenburgerin in einer mehrstündigen Operation beide Brüste entfernt und wiederaufgebaut.
Das Brustkrebszentrum
Brustkrebs ist die häufigste, aber nicht die gefährlichste Krebsart bei Frauen. Auch Männer können daran erkranken. Das Brustkrebszentrum und das FBREK-Zentrum der UMG unter der Leitung von Prof. Julia Gallwas sind Teil des onkologischen Zentrums im Uni-Krebszentrum Göttingen. In den Zentren arbeiten die Behandlungspartner fachübergreifend zusammen. (tko)
Weitere Infos: https://gccc.umg.eu/brustkrebsmonat/
Trotz ihrer schweren Erkrankung und der Unsicherheit verliert die 42-Jährige aber nie ihre Lebensfreude. „Ich war schon immer ein positiver Mensch. Ich wusste einfach, ich muss da jetzt durch. Vor allem meine Familie und Freunde haben mir während der Therapie geholfen und waren immer für mich da. Außerdem waren die Ärzte und Pflegekräfte alle super nett“, so Janine Fitzner. Behandelt wird sie von den Experten des Brustkrebszentrums der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).
Bei weniger als zehn Prozent der Brustkrebserkrankungen liegt eine erbliche Veränderung in einem „Brustkrebs-Hochrisiko-Gen“ vor. Am häufigsten betrifft dies die Gene BRCA1 und BRCA2. Die Trägerinnen der Mutation erkranken früher als Frauen ohne erbliche Belastung: im Durchschnitt mit etwa 44 bis 50 statt 64 Jahren. Bei Janine Fitzner wurde eine Mutation auf dem BRCA2-Gen nachgewiesen.
Genetische Vorbelastung erhöht das Risiko
Da ihre Mutter bereits zwei Mal an Brustkrebs erkrankt war, war sich Janine Fitzner ihrem erhöhten Risiko, selbst daran zu erkranken, bewusst. „Ich hatte mich mit Anfang 20 gegen den Gentest entschieden, weil ich nicht in Angst vor dem Brustkrebs leben wollte. Als ich dann ein wiederholtes Stechen in der Brustwarze gemerkt habe und diese angeschwollen ist, bin ich zu meinem Frauenarzt gegangen.
Ich akzeptiere, was ich nicht ändern kann und richte den Blick nach vorn.
Die Vermutung liegt im Fall Janine Fitzner zuerst auf einer Entzündung, weil die Stelle für einen Tumor sehr ungewöhnlich ist. Die Biopsie hat dann jedoch gezeigt, dass es sich um einen schnell wachsenden und aggressiven Tumor handelt.
Die gute Nachricht aber ist, dass er stark abgekapselt war und nicht gestreut hatte. Für die Behandlung habe ich mich dann an die UMG gewandt, weil ich alles aus einer Hand haben wollte“, sagt Fitzner.
„Patientinnen mit genetisch bedingtem Brustkrebs benötigen eine besondere Betreuung und Behandlung. Die ist nur in einem spezialisierten Zentrum wie dem Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs (FBREK) möglich“, sagt die Professorin Julia Gallwas, Direktorin der UMG-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Sprecherin des Brustkrebszentrums und des FBREK-Zentrums.
Dort arbeiten alle Experten der Fachdisziplinen eng zusammen. „Ziel ist, jeder Patientin eine auf sie zugeschnittene Therapie zu ermöglichen“, betont Gallwas.
Chemotherapie ist gut angeschlagen
Sie weiß auch, dass laut der WiZen-Studie „die Vorteile im Gesamtüberleben für Brustkrebspatientinnen in einem von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG)-zertifizierten Zentrum bei 23 Prozent liegen“. Das FBREK der UMG ist eines von 23 Zentren im Deutschen Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs in Deutschland.
In der UMG wird Janine Fitzner zunächst umfangreich untersucht. Dazu zählen auch eine Knochenszintigrafie, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Die Ergebnisse werden dann im interdisziplinären Tumorboard des Universitätskrebszentrums besprochen. Dort wird die bestmögliche Therapie für jeden Patienten festgelegt.
Für Janine Fitzner heißt das: Erste Behandlung ist eine Chemotherapie, die direkt auf den Tumor und sein Wachstum wirkt. Sie schlägt gut an. Der Tumor ist nach der Chemotherapie bildlich nicht mehr darstellbar.
„Ich habe die Chemo gut vertragen. Ich war zwar sehr müde, hatte oft Herzstolpern und Probleme mit den Schleimhäuten, aber keinerlei Übelkeit und Erbrechen“, berichtet Fitzner, die sich zur Vorbereitung auf die Therapie ihre langen Haare abgeschnitten und gespendet hat. „Ich wollte den Zeitpunkt selbst bestimmen und so etwas Kontrolle während der Therapie behalten.“.
Auf die Chemotherapie folgt die Operation. In dem sechsstündigen Eingriff wurde Janine Fitzner das Brustdrüsengewebe beider Brüste entfernt und mit Silikonprothesen wiederaufgebaut. Nach der Operation ist sie tumorfrei und sehr erleichtert.
Optimismus ist eine wichtige Stütze
Während der gesamten Therapie hilft der 42-Jährigen ihr Optimismus. „Ich akzeptiere, was ich nicht ändern kann und richte den Blick nach vorn. Es muss ja weitergehen“, sagt die Frau aus Katlenburg. „Meine Familie und Freunde haben mir unglaublich geholfen in dieser Zeit. Sie waren meine Stütze“, sagt sie und fügt an: „Ich habe trotz der Erkrankung so viele schöne Erlebnisse gehabt. Es ist verrückt, aber mein schlimmstes Jahr, war auch mein bestes.“
Janine Fitzner hat zwei Töchter im Alter von 25 und acht Jahren. Auch wenn sie sich selbst in jungen Jahren gegen den Gentest entschieden hat, möchte sie für ihre Töchter Gewissheit. Im FBREK-Zentrum gibt es ein intensiviertes Früherkennungs- und Nachsorgeprogramm speziell für Hochrisikofamilien. (nh)
