Kassel

Frauen leiden auch im Raum Kassel öfter an Lungenkrebs: Facharzt nennt Gründe

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Anzahl der Diagnosen deutlich gestiegen: Frauen in Hessen erkranken immer öfter an Lungenkrebs. Dieser Trend zeigt sich auch bundesweit.
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Immer mehr Frauen leiden an Lungenkrebs. Dieser Trend zeigt sich auch im Raum Kassel, bestätigt ein Experte. Der Bund beschließt deshalb eine neue Verordnung zur Früherkennung.

Kassel – Frauen erkranken immer öfter an Lungenkrebs. Allein in Hessen ist die Anzahl der Frauen mit solch einer Diagnose in den vergangenen elf Jahren um rund 90 Prozent gestiegen. Das zeigt eine Studie der Barmer. Im Jahr 2022 haben rund 7800 Hessinnen die Diagnose bekommen, wie das Krankenkassen-Institut für Gesundheitssystemforschung meldet.

2012 waren es hingegen nur rund 4100 Frauen mit Lungenkrebs. Auch bei Männern stiegen die Lungenkrebs-Diagnosen im selben Zeitraum von rund 5800 auf 8000 – ein Anstieg von rund 38 Prozent. Prof. Dr. Stefan Andreas, Ärztlicher Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen, bestätigt den Trend.

90 Prozent aller Lungenkrebs-Diagnosen lassen sich auf das Rauchen zurückführen

„Lungenkrebs entsteht zu etwa 90 Prozent durch das Rauchen“, sagt der Mediziner, der das einzige zertifizierte Lungenkrebszentrum in Nordhessen anführt. Die steigende Anzahl an Lungenkrebs-Diagnosen erklärt er deswegen mit dem veränderten Rauchverhalten der Menschen:

„Etwa jede dritte Person in Deutschland raucht.“ Während der Raucheranteil bei Männern schon seit Jahrzehnten zurückgegangen sei, ist er bei Frauen noch bis zum Jahr 2000 kontinuierlich angestiegen.

Prof. Dr. Stefan Andreas Ärztlicher Leiter

Der Anstieg an Raucherinnen habe etwa 1950 begonnen – zunächst in Amerika. „Diese Nachkriegsbewegung hatte mit Emanzipation und Gleichberechtigung zu tun: Rauchen war für die Frauen damals ein Zeichen der Freiheit“, sagt Andreas. Dass nun immer mehr Frauen an Lungenkrebs erkranken, überrascht den Experten deshalb nicht.

Diese Bewegung werde durch die steigenden Lungenkrebs-Diagnosen jetzt im Gesundheitssystem sichtbar – und zeigt sich auch in der Klinik im Landkreis Kassel, die jährlich mehr als 350 Menschen behandelt: Im Jahr 2022 habe der Frauenanteil dort bei rund 41 Prozent gelegen: „Zehn Jahre zuvor waren es noch 32 Prozent Frauen“, sagt der Ärztliche Leiter.

Lungenkrebs ist kein Krebs des hohen Alters. Deshalb sei der demografische Wandel auch nur bedingt eine Erklärung für die steigende Anzahl der Diagnosen: „Je nach Belastung dauert es etwa 20 bis 30 Jahre, bis der Krebs entsteht“, sagt Andreas.

Zahl der Raucher steigt - auch durch E-Zigaretten

Aktuell nehme die Zahl an Raucherinnen und Rauchern in Deutschland wieder zu, sagt Andreas – vor allem bei jungen Menschen: „Etwa durch den Konsum von E-Zigaretten bei Jugendlichen.“

Tumore in den Lungen zählen zu den aggressiven Krebsarten. Fünf Jahre nach der Diagnose lebt weniger als jeder vierte Betroffene. „Lungenkrebs ist der am häufigsten zum Tode führenden Tumor bei Männern“, bestätigt auch Stefan Andreas.

Die Behandlung habe in den vergangenen Jahren aber erhebliche Fortschritte gemacht: „Dies ist insbesondere in den zertifizierten Lungenkrebszentren der Fall.“

Erste Anzeichen für Lungenkrebs sind unter anderem chronischer Husten, eine pfeifende Atmung, Heiserkeit und Abgeschlagenheit. Die Symptome sind jedoch eher unspezifisch, Lungenkrebs wird dadurch häufig erst spät entdeckt.

Neue Strategie zur Früherkennung

Um Lungenkrebs frühzeitig zu erkennen, hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz kürzlich eine neue Verordnung erlassen: Starke Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren dürfen sich künftig mittels Niedrigdosis-Computertomographie einer Lungenkrebs-Früherkennung unterziehen.

Bislang waren solche Untersuchungen an Menschen, die keine Krankheitssymptome aufweisen und bei denen kein konkreter Krankheitsverdacht besteht, wegen der strahlenbedingten Risiken verboten.

Mittlerweile ist durch Studien belegt, dass der Nutzen hier die strahlenbedingten Risiken jedoch überwiegt. Die Verordnung tritt am 1. Juli in Kraft.

Eine Kosten-Übernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung sei jedoch erst nach entsprechendem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses möglich, heißt es vonseiten des Bundesministeriums. (Anna Weyh)

Insgesamt ist die Zahl der Krebsfälle bei unter 50-Jährigen in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen.

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