VonElisa Buhrkeschließen
Frankfurt ist massiv von Wohnungsmangel betroffen. Doch auch in anderen Kreisen Hessens sieht es düster aus. Nach Prognosen aus Fachkreisen bleibt die Lage in den nächsten Jahren angespannt.
Frankfurt - Deutschlandweit fehlen nach Recherchen von IPPEN.MEDIA über 600.000 Wohnungen. Von einem Notstand betroffen sind insbesondere Großstädte wie München, Berlin und auch Frankfurt. In der Mainmetropole standen Ende 2022 nur zwei von 1000 Wohnungen frei – ein Schnitt von gerade einmal 0,2 Prozent, gibt das Sozialforschungsinstitut Empirica an. Auch in anderen Kreisen Hessens herrschte massive Wohnraumknappheit vor. Nach Einschätzung von Branchenverbänden wird sich dieses Bild in den kommenden Jahren nicht verändern – sondern möglicherweise noch verschärfen.
Wohnnotstand in Hessen: Frankfurt und Darmstadt besonders betroffen
Denn: Zwar waren Ende 2022 fast genauso viele Wohnungen bezugsbereit, wie sie bundesweit fehlten. Doch befanden sich diese vor allem in strukturschwachen Regionen in Mittel- und Ostdeutschland. In Großstädten, in Süddeutschland und auch in Hessen fehlten hingegen zahlreiche Wohnungen. Derzeit stehen in Deutschland laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung rund 1,8 Millionen Wohnungen leer. Lediglich 554.000 davon waren Ende 2022 nach Angaben von Empirica unmittelbar oder mittelfristig vermietbar.
Blickt man auf die konkreten Zahlen in Hessen, so ergibt sich vor allem für Frankfurt und Umgebung ein erschreckendes Bild: In der Mainmetropole standen Ende 2022 nur zwei von 1000 Wohnungen leer, in den umliegenden Kreisen ist das Angebot an freien Wohnungen ebenfalls sehr gering. In Darmstadt waren Ende 2022 nur drei von 1000 Wohnungen frei, in Gießen neun. In Nordhessen sieht die Lage etwas entspannter aus, hier schätzt Empirica das Angebot in vielen Kreisen als angemessen ein. In Kassel wiederum war der Leerstand mit 22 von 1000 Wohnungen ebenfalls gering.
Keine Trendwende in Sicht: Neubau stagniert in ganz Deutschland
Zur Einordnung: In Fachkreisen gelten zwischen zwei bis fünf Prozent Leerstand als angemessen, um beispielsweise Umzüge zu ermöglichen. Der traurige Spitzenreiter bei der Wohnungsnot in Deutschland war übrigens nicht Frankfurt mit 0,2 Prozent, sondern München mit 0,1 Prozent (nur eine von 1000 Wohnungen stand Ende 2022 frei).
Da der Neubau derzeit bundesweit stagniert, ist so schnell keine Trendwende zu erwarten. So wird die Zielmarke von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr, die es bräuchte, um den Mangel zu bekämpfen, seit Jahren deutlich verfehlt. Anfang 2024 wurden sogar nur 16.800 Neu- und Umbauten genehmigt, gibt der Verband der Deutschen Bauindustrie an. „Dies war ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat um 23,5 Prozent“, sagt der Verband gegenüber IPPEN.MEDIA. Angesichts des fehlenden Neubaus versucht die Bundesregierung deshalb auch, strukturschwache Regionen attraktiver zu machen, um die Wohnungsnot zu bekämpfen. Für diejenigen, die in den Metropolen bleiben möchten, stellt dies jedoch keine Lösung dar.
Eine Auswertung der bundesweiten Daten zum Wohnraummangel lässt sich in diesem Artikel von IPPEN.MEDIA nachlesen.
Rubriklistenbild: © IMAGO / greatif und Screenshot Karte: CBRE-empirica (Mehrfamilienhäuser), Destatis, Rink/Wolff • Grafik: Bräunig, Lim Kartenmaterial: Copyright OSM

