VonOliver Teutschschließen
Frankfurts Polizei hofft bei der Fußball-Europameisterschaft auf eine neue Folge des Sommermärchens 2006, weitet aber die Videoüberwachung aus.
Frankfurt – Gut 100 Tage vor der Fußball-Europameisterschaft hat die Frankfurter Polizei ihr Sicherheitskonzept für das Turnier vorgestellt. Es sieht eine temporäre Ausweitung der Videoüberwachung und Verkehrssperren vor. Auf das Turnier, zu dem ab Mitte Juni Fans aus ganz Europa in Frankfurt erwartet werden, bereitet sich die Polizei bereits seit zwei Jahren vor.
Thomas Schmidl, Leiter der Abteilung Einsatz im Frankfurter Polizeipräsidium, verriet am Donnerstag, dass sich der zwölfköpfige Planungsstab sogar die Gruppenauslosung gemeinsam im Präsidium angeschaut habe, um zu erfahren, mit den Fans welcher Mannschaften man es in Frankfurt zu tun bekomme. Schmidls Fazit nach der Auslosung: „Da sind wir sehr gut weggekommen, es gibt keine Spielpaarung, die uns Sorgen bereitet.“
Polizei muss Verkehr in Frankfurt für EM 2024 vorsichtig planen
Der Fokus bei der Vorstellung des Einsatzkonzepts lag daher zunächst auf der Verkehrsplanung. Denn wegen der enormen Anforderungen der UEFA als Veranstalter des Turniers werden am Stadion kaum öffentliche Parkplätze zur Verfügung stehen. Weder in der Tiefgarage noch in der Isenburger Schneise oder auf dem Waldparkplatz. „Es wird eine Herausforderung, die Menschen zu lenken und zu leiten“, so Schmidl. Nicht zuletzt, da drei der vier Vorrundenspiele um 18 Uhr angepfiffen werden und die Anreise daher mit dem Feierabendverkehr kollidieren dürfte.
Als Folge der Erfahrungen bei den beiden Spielen der National Football-League in Frankfurt wird während der Europameisterschaft an der Mörfelder Landstraße auf Höhe des Stadions ein Zaun aufgebaut. Schmidl spricht von dem Phänomen „Kiss and Jump“. Der Fan wird von der Liebsten bis vor das Stadion gefahren, dort wird noch für einen Kuss gehalten, bevor man aussteigt. „Die Mörfelder Landstraße war dadurch der längste Parkplatz der Stadt“, so Schmidl. Um dies zu unterbinden, soll ein Zaun den Zutritt von der Mörfelder Landstraße zum Stadion unmöglich machen.
Fan-Fest bei EM 2024 besonders im Fokus der Frankfurter Polizei
Schmidl kündigte an, dass Fans, die zum Stadion wollen, mittels ihrer Eintrittskarte einen Platz in einem Parkhaus der Stadt buchen könnten, um dann die letzte Strecke zum Stadion mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu absolvieren. Im Hinblick auf den notorisch schwächelnden Nahverkehr in Frankfurt merkte Schmidl süffisant an, am besten sei es wohl, einen der mittlerweile 1000 Fahrradstellplätze am Stadion zu nutzen.
Fernab der verkehrlichen Problematik sieht die Polizei während des Turniers vier neuralgische Punkte in der Stadt: das Fan-Fest am nördlichen Mainufer, die Innenstadt, das Bahnhofsviertel und Alt-Sachsenhausen. Beim Fan-Fest sieht Schmidl als Leiter der Abteilung Einsatz die Herausforderung, dass Fangruppen sich „völlig unsortiert“ begegnen. „Das wird uns fordern“, so Schmidl. Etwaige Einlasskontrollen in die Fan-Zone seien aber Sache des Veranstalters. Damit die Fans in der Innenstadt nicht völlig unsortiert aufeinandertreffen, soll es für die Fans der jeweiligen Mannschaften, die sich in Frankfurt treffen, „Fan-Meeting Points“ am Roßmarkt und am Opernplatz geben. Dies sei aber lediglich ein Angebot, eine Verpflichtung sei es nicht, betonte Schmidl.
EURO 2024
Das Turnier wird vom 14. Juni bis 14. Juli ausgetragen. Die Gruppenphase mit 24 Mannschaften läuft vom 14. bis 26. Juni. In dieser Zeit werden auch vier Spiele in Frankfurt statt finden.
Frankfurt ist Gastgeber für die Spiele Belgien – Slowakei (17.6., 18 Uhr), Dänemark – England (20.6., 18 Uhr), Schweiz – Deutschland (23.6., 21 Uhr), und Slowakei – Rumänien (26.6., 18 Uhr).
Die Achtelfinals werden vom 29. Juni bis 2. Juli ausgetragen. Frankfurt ist am 1. Juli um 21 Uhr Gastgeber der Partie des Siegers der Gruppe F gegen einen Dritten der Gruppe A, B oder C. Neben der Türkei, Portugal oder Tschechien wird das vierte Team der Gruppe F noch in den Playoffs am 21. und 26. März gesucht.
Ab den Viertelfinals bis zum Finale am 14. Juli in Berlin ist Frankfurt kein Austragungsort mehr. ote
Polizei will mehr Videoüberwachung in Frankfurt während er EM 2024 einsetzen
Nach den Spielen rechnet die Polizei vor allem im Bahnhofsviertel und in Alt-Sachsenhausen mit viel Trubel. Um den Überblick zu behalten, soll dort temporär weitere Videoüberwachung eingerichtet werden. Allein im Bahnhofsviertel soll es zwei bis drei zusätzliche Kamerastandorte geben. Im Präsidium werde dafür ein „Video Operation Center“ eingerichtet, um alle Kamerabilder in der Stadt im Auge behalten zu können.
Das friedliche Fußballfest bei der WM 2006 sei der Polizei auch für 2024 „ein Ansporn“, so Schmidl. Allerdings kannte man damals noch nicht die abstrakte Terrorgefahr, die mittlerweile bei Großveranstaltungen mitschwingt. Daher werde es diesmal auch zusätzliche Sperren geben, um Anschläge wie auf dem Breitscheidplatz in Berlin zu verhindern.
Eine Unbekannte ist für die Polizei noch das Gastspiel der englischen Fans, deren Mannschaft am 20. Juni in Frankfurt aufläuft. Bei der WM 2006 waren 65 000 englische Fans in der Stadt. Die beiden letzten Turniere seien für die Fans wenig attraktiv gewesen, daher habe die englische Polizei noch keine konkreten Fakten liefern können, wie viele Fans und mit welchen Absichten von der Insel zu erwarten sind.
Rubriklistenbild: © Rolf Oeser

