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Die stark befahrene Durchgangsstraße am Mainufer ist noch bis Ende August für Autos tabu. Bis Mitte Juli gehört sie den Fußballfans. Anwohner befürchten das Schlimmste.
Frankfurt – Fast drei Monate lang müssen die Frankfurter in diesem Sommer ohne den Mainkai als Durchgangsstraße auskommen. Bereits seit 6. Juni ist die nördliche Uferstraße gesperrt. Autos und Lastwagen dürfen erst Ende August dort wieder entlang fahren. Auf der anderen Uferseite befürchtet man deswegen Schlimmes. Doch das Chaos blieb in Sachsenhausen bislang aus.
Fanzone am Mainufer in Frankfurt: So lange bleibt der Abschnitt für den Verkehr gesperrt
Wer mit dem Wagen durch die Frankfurter Innenstadt fahren will, sollte sich das in den nächsten Wochen gut überlegen. Denn am nördlichen Mainufer sollen allein in der „Fan-Zone“ bis zu 30.000 Menschen vom 14. Juni bis 14. Juli die Fußball-Europameisterschaften feiern. Dafür sind die benachbarten Straßen Speicherstraße, Untermainkai und Mainkai vom Westhafen bis zur Alten Brücke gesperrt. „Aus Sicherheitsgründen“, erklärt Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus+Congress-GmbH (TCF). „Diese Bereiche benötigen wir als Fluchtwege.“
Drei Wochen lang dauert der Auf- und Abbau der EM-Fanzone am Main in Frankfurt
Drei Wochen hat die TCF für den Aufbau der „Fan-Zone“ benötigt. Der Abbau wird fast so lange dauern, weshalb die Mainuferstraßen direkt nach der EM auch nicht sofort wieder geöffnet werden können. Der Mainkai bleibt sogar noch weitere fast anderthalb Monate lang dicht, kündigt Ulrike Gaube an, Referentin von Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne). „Die Veranstaltungen folgen nach der EM so kurz aufeinander, dass es sich nicht lohnt, wieder aufzumachen.“
Durch die Europameisterschaft drängen sich die Feste dicht wie zuletzt beim der WM von 2006. Schon am 28. Juli gibt es den City-Triathlon. Dann folgt vom 2. bis 5. August das Mainfest. Am 10. August dient der Mainkai als Aufstellbereich für die Demo-Parade des Christopher Street Day. Am Sonntag der Folgewoche (18. August) laufen am Main die Triathleten des Ironman. Derweil dürfte bereits parallel der Aufbau des Museumsuferfests mit seiner siebenstelligen Besucherzahl in Gang sein. Das Fest geht vom 23. bis 25. August, dann folgen drei Tage Abbau. Die Zeiträume zwischen dem Abbau der einen zum Aufbau der nächsten Veranstaltung lägen meist nur sehr knapp hintereinander, bestätigt TCF-Chef Feda. „Zum Teil geht das sogar ineinander über.“
Wegen EM zu knapp: Dieses Jahr kein zusätzliches Programm „Sommer am Main“ in Frankfurt
Weil alles so knapp sei, organisiere die Stadt diesmal kein zusätzliches Programm „Sommer am Main“, erklärt Ulrike Gaube. In den beiden Vorjahren hatte die Stadt Veranstaltungen organisiert als Vorwand, damit die Straße gesperrt werden durfte. Anlasslos ist das nämlich nicht erlauabt. „Wir haben die politische Vorgabe, dass der Mainkai im Sommer autofrei ist“, erinnert Gaube. Das hat die Römerkoalition aus Grünen, SPD; FDP und Volt beschlossen. Einen Anlass muss das Dezernat in diesem Jahr nicht schaffen. „Wenn schon Veranstaltungen dort sind,“ sagt Gaube, „brauchen wir keinen ,Sommer am Main‘.“
Für Herbert Schmoll ist das ein schwacher Trost. „Das machen sie schon recht clever, dass sie eine Veranstaltung nach der anderen machen.“ Der Sprecher der Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ befürchtet: „Der Mainkai-Horror steht vor der Tür.“ Seit die Stadt erstmals die nördliche Uferstraße 2019/2020 für 13 Monate testweise sperrte, beschweren sich Anwohner aus dem südlich gelegenen Stadtteil über den Mehr-Verkehr in ihren Straßen, wenn die Ost-West-Durchgangsstraße auf der Altstadt-Seite im Sommer dicht ist.
Stadt plant viele Veranstaltungen gleich hintereinander
In den jüngeren Jahren hat die Stadt versucht, die Folgen abzumildern. Unter anderem wurden großräumige Umleitungsrouten beschildert – vor allem über den Alleenring, für Lastwagen auch via Mörfelder Landstraße. Auch in die Navigationssysteme der Fahrzeuge werden die Umfahrungen eingespeist. „Das Umleitungskonzept wird auch dieses Jahr gestellt“, sagt Ulrike Gaube.
Dennoch rechnet Schmoll wieder mit „Riesenproblemen“. Für Sachsenhausen sei es egal, warum der Mainkai gesperrt sei, ob für reguläre Feste oder eine extra organisierte Veranstaltung. Ob es zulässig ist, dass die Stadt so viele Veranstaltungen direkt aufeinanderfolgend am Mainkai anbietet, will Herbert Schmoll juristisch klären lassen. „Da könnte ja jeder in Frankfurt seine Straße sperren lassen, indem er jedes Wochenende ein Straßenfest macht.“
Der Sachsenhäuser rechnet mit 10 000 Fahrzeugen mehr pro Tag, die über die Mainbrücken und den Schaumainkai führen. „In einer Straße, die zum Krankenhaus führt - das ist hochunverantwortlich“, schimpft Schmoll. Er prophezeit: „Das wird nicht jeder überleben, der im Rettungswagen liegt.“
Verkehrslage auf den Straßen in Sachsenhausen noch entspannt
Bislang wirkt die Lage auf den Sachsenhäuser Straßen eher normal. Erwartbar stockt der Verkehr in der Stoßzeit etwa auf dem Schaumainkai und der Gartenstraße, aber auch nördlich des Mains in Berliner und Gutleutstraße. Dass der Mainkai schon seit mehr als einer Woche dicht ist, hatte selbst Herbert Schmoll noch nicht mitgekriegt. Probleme gebe es „im Moment noch nicht“, erklärt er auf Nachfrage. Er schränkt zugleich ein: „Die Leute beschweren sich ja nicht bei mir.“ (Dennis Pfeiffer-Goldmann)
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