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Die Marke VW will auch im Werk Kassel in Baunatal die Personalkosten reduzieren. Das hat auch Auswirkungen auf das Werk in Baunatal.
Kassel/Baunatal – Die Marke VW will auch im Werk Kassel in Baunatal die Personalkosten reduzieren. Die am Montag in einem internen Papier veröffentlichten Schritte im Zuge des Sparprogrammes „Performance“ gelten auch für den zweitgrößten deutschen VW-Standort mit aktuell 15 500 Beschäftigten. Das bestätigen Betriebsratsprsitzender Carsten Büchling und eine Konzernsprecherin in Wolfsburg auf Anfrage der HNA.
Die Personalkosten im Bereich der Angestellten um 20 Prozent zu senken, sei Ende 2023 zwischen Vorstand und Betriebsrat in Wolfsburg verhandelt worden, sagt Büchling. Er selbst sei bei den Gesprächen dabei gewesen. „Ich habe mitverhandelt.“
VW will Personalkosten senken: Vorruhestand und Abfindungen
Ein Baustein des erzielten Eckpunktepapiers ist neben Vorruhestandsregelungen für ältere Mitarbeiter nun auch die Ansprache an Jüngere, mit einer Abfindung aus dem Beschäftigungsverhältnis auszusteigen. Noch sei niemand angesprochen worden, so Büchling am Mittwoch. „Angebote gibt es erst ab Ende April.“ Nach Angaben der Sprecherin können sich Mitarbeiter bis 31. Mai melden. „Dann erhalten sie ein Angebot.“ Entscheiden sie sich innerhalb von zwei Wochen, gibt es eine Sonderprämie über 50 000 Euro.
Die Anfragen gingen ausschließlich an die Angestellten am Standort, erläutert der Betriebsrat in Baunatal weiter. „Da haben wir hier 3000.“ Das bedeutet, die Arbeiter aus der Produktion sind außen vor. Weitere Voraussetzung: „Man muss mindestens fünf Jahre dem Betrieb angehören.“
Altersteilzeit
Ein erster Baustein des Sparprogramms sei, dass das Angebot für Altersteilzeit verlängert werde, betont eine Sprecherin in Wolfsburg. Zusätzlich zum Geburtsjahrgang 1967, für den das Programm zuletzt geöffnet wurde, werde für die Jahrgänge 1965 und 1966, für die es bereits entsprechende Programme gab, die Frist zur Meldung verlängert, jüngeren Mitarbeitern biete man nun gezielt Abfindungen an. Damit gehe der Konzern in die nächste Phase des Eckpunktepapiers. Ziel ist es, die Personalkosten in der Verwaltung der Kernmarke VW bis 2026 um 20 Prozent zu senken.
Sparprogramm bei VW: Soll Beschäftigte „auf keinen Fall in eine Unsicherheit reinschicken“
Wichtig ist dem Baunataler Betriebsratschef, „dass die Entscheidung auf doppelter Freiwilligkeit beruht“. Das bedeutet auch, dass das Unternehmen einen Beschäftigten – beispielsweise aus der boomenden Software-Enticklung – auf keinen Fall gehen lassen wolle. „Das wäre ja widersinnig“, sagt Büchling. Auf der einen Seite suche VW diese Leute, auf der andere mache man ihnen dann Ausstiegsangebote. VW-Peronalvorstand Gunnar Kilian wird von der Sprecherin in Wolfsburg so zitiert: „Wir haben uns bewusst gegen ein pauschales Aufhebungsvertragsangebot entschieden. Es ist klar, dass eine nachhaltige Personalkostensenkung nur dann wirken kann, wenn wir unsere Personalinstrumente gezielt und im Sinne der doppelten Freiwilligkeit einsetzen“, so Kilian.
Über alles stellt Betriebsratchef Carsten Büchling die Beschäftigungsgarantie bei Volkswagen bis zum Jahr 2029, die durch den Tarifvertrag abgesichert sei. „Das ist wichtig, das immer wieder zu betonen“, so Büchling. Es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
Dabei kommt der Arbeitnehmervertreter auf die Stimmung in der Fabrik zu sprechen. Insgesamt füllten sich die Auftragsbücher im Baunataler Werk. „Deshalb haben wir jüngst erst wieder 200 neue Leiharbeiter eingestellt.“ Trotz des Sparprogrammes wolle man die Beschäftigten „auf keinen Fall in eine Unsicherheit reinschicken“. (Sven Kühling)