VonChristopher Hessschließen- Jasmin Herzbergschließen
Der Landarztmangel beschäftigt die Gemeinden Neuhof und Flieden. Ärzte gehen vermehrt altersbedingt in den Ruhestand. Wie es danach mit den Praxen weiter geht, stellt den Südkreis vor Herausforderungen.
Neuhof - In Neuhof wird dringend ein neuer Hausarzt gesucht: Dr. Aman Esmaty plant, seine Praxis in Neuhof-Opperz Ende Juni aus Altersgründen aufzugeben. Ein Nachfolger wird derzeit noch gesucht. Der Fall steht sinnbildlich für die Suche nach Ärzten im ländlichen Raum: Ursprünglich wollte Esmaty bereits Ende 2023 in den Ruhestand gehen und die Praxis an seinen Sohn übergeben. Dieser erhielt jedoch ein Jobangebot als Chefarzt in München – und wechselte deshalb nicht nach Neuhof. Die Nachfolge bleibt also weiter offen.
Fulda: Aman Esmaty hört auf - Neuhof sucht dringend neuen Hausarzt
„Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen und die Ärztekammer Landesärztekammer Hessen wissen Bescheid“, sagt Esmaty. Sollte sich keine Nachfolge finden, kann sich der Mediziner Alternativen wie ein Medizinisches Versorgungszentrum vorstellen: „Da muss die Gemeinde aktiv werden. In erster Linie hoffe ich aber, dass wir einen Nachfolger für mich finden.“ Die Lage der Praxis in der Bahnhofstraße sei optimal, mit Apotheke sowie einer Physiotherapie in unmittelbarer Nähe. Außerdem betont Esmaty die moderne Ausstattung der Praxis. „Die Infrastruktur ist top.“ Er ergänzt: „Es wäre schade, wenn man keinen Nachfolger findet.“
Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) betont: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, einen nahtlosen Übergang gewährleisten zu können.“ Bereits im Herbst hat die Gemeinde angefangen, Nachfolger für die Arztpraxis in Opperz zu suchen, auch eine Arbeitsgruppe wurde gegründet. Bis Sommer benötigt man dort eine Nachfolgelösung. „Wir müssen jetzt Vollgas geben.“ Geplant ist, bald mit Stellenanzeigen an die Öffentlichkeit zu gehen. Wenn sich kein Arzt findet, der eigenständig eine Praxis übernehmen möchte, wären auch eine Praxisgemeinschaft oder ein Medizinisches Versorgungszentrum denkbare Alternativen, so der Verwaltungschef.
In Neuhof gibt es derzeit drei allgemeinmedizinische Praxen – dazu drei Zahnarztpraxen und einen Gynäkologen, wie Stolz berichtet. „Drei Hausärzte sind die Mindestausstattung, die wir brauchen. Zu Hochzeiten hatten wir mal sechs oder sieben in der Gemeinde, diese Zahl wird man aber wohl nicht mehr erreichen“, bedauert der Bürgermeister.
Mit Esmaty geht einer von zwei Ärzten über 60 Jahren in Neuhof im Sommer in den Ruhestand. Früher sei die Nachfolge automatisch geklärt worden, heute müssten die Gemeinden bei der Suche unterstützen, da es „schlichtweg zu wenig junge Ärzte gibt, die aufs Land wollen“, bedauert Stolz.
Die Gemeinde setzt dahingehend ihre Hoffnung auch in das Fulda-Stipendium, das vom Landkreis Fulda gemeinsam mit drei Kliniken an Medizinstudenten vergeben wird, die sich für eine mindestens dreijährige Tätigkeit als Arzt oder Ärztin im Landkreis Fulda entscheiden. Angesichts der guten Lage und Infrastruktur hält Bürgermeister Stolz Neuhof für einen attraktiven Arbeitsstandort.
Drei Hausarztpraxen in Flieden - aktuell kein Versorgungsproblem
In Flieden gibt es laut Bürgermeister Christian Henkel (CDU) drei Hausarztpraxen, in denen jeweils mehrere Ärzte praktizieren. „Zum aktuellen Stand würde ich die hausärztliche Versorgungssituation in Flieden damit als ausreichend bezeichnen“, sagt der Rathauschef. In einer davon werde sich aber in den nächsten Jahren die Frage der Praxisnachfolge stellen.
„In den beiden anderen Praxen konnten die Nachfolgen gut in eigener Organisation gelöst werden“, freut sich Henkel. Insbesondere durch das persönliche Engagement der Ärzte sei die Weiterführung und sogar der Ausbau der Versorgung sichergestellt worden. Aus diesem Grund sieht der Bürgermeister in Flieden keine unmittelbaren Versorgungsprobleme bevorstehen. „Ich würde mir wünschen, dass alle drei Praxen auch mittel- und langfristig fortbestehen“, sagt er.
Aufgrund der gesicherten Versorgung bestehe aus Perspektive der Gemeinde Flieden kein unmittelbarer Bedarf für eine Zusammenarbeit mit anderen Kommunen. Gleichwohl sei es für Henkel unabdingbar, dass man „auch über den eigenen Tellerrand hinausschaut und im Hinblick auf strategische Notwendigkeiten auch regional miteinander kommuniziert und über die Lösung langfristiger Herausforderungen spricht“. Dazu müssten laut dem Bürgermeister dann alle Akteure – Kommunen, Landkreis, Ärzte, Ärztenetzwerke sowie die kassenärztliche Vereinigung – an einen Tisch kommen, um über möglichst viele Lösungsansätze zu sprechen.
Henkel und Stolz sehen beide derzeit keinen Anlass, dass die Kommunen im Südkreis hinsichtlich der ärztlichen Versorgung komplett zusammenarbeiten. „Auf kurz oder lang wird man aber wohl näher zusammenrücken müssen und gemeinschaftliche Pläne entwickeln“, glaubt Stolz.
Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa


