VonSabrina Mehlerschließen
Eine neue Insel, ein Erlen-Hain, ein Uferbalkon, neue Zugänge und Wege und sogar ein Strand – obwohl die Verantwortlichen das Wort „Strand“ tunlichst vermeiden: Der Aueweiher ist in den vergangenen Jahren anlässlich der Landesgartenschau umfassend umgestaltet worden. Was ist neu?
Fulda - Als vor rund zwei Monaten die Tore zur Landesgartenschau in Fulda eröffnet wurden, erhielten die Bürger und Bürgerinnen zum ersten Mal nach langer Planungs- und Umgestaltungszeit einen Blick auf den Rückzugsort für Naturfreunde und Erholungssuchende unweit der Innenstadt.
Fulda: Aueweiher erblüht nach Umgestaltung - Das hat sich verändert
Das Gebiet in der Aue zwischen Schlachthof und Umweltzentrum war bereits zur ersten Gartenschau 1994 aufwendig renaturiert worden. Diese Veränderungen seien nun „konsequent weitergedacht“ worden, erklärt Marcus Schlag, einer der Geschäftsführer der LGS.
Zielsetzungen für die Sanierung rund um das Gewässer gab es mehrere. Denn der Zustand der Weiher, insbesondere die Wasserqualität, war in der Vergangenheit besorgniserregend. Diese soll nun nachhaltig verbessert werden. Und außerdem soll der Bereich zu einem Rückzugsort weiterentwickelt werden, der einen Lebensraum für Tier- und Pflanzenwelt bietet und gleichzeitig den Menschen erlaubt, die Natur zu genießen.
Bei der Ideensammlung für mögliche Veränderungen am Aueweiher waren die Fuldaer in Workshops eingebunden. Einige Wünsche von Bürgern und Verantwortlichen hatten allerdings Kritik bei Naturschützern hervorgerufen, zwischenzeitlich wurde der Aueweiher zu einem echten Zankapfel. Vage Pläne für einen Badebereich mitsamt Sprungturm oder ein dauerhaftes Café waren aber schnell ad acta gelegt worden.
Mittlerweile dringen nur noch wenige kritische Stimmen an die Öffentlichkeit. „Man muss immer abwägen zwischen Natur und dem Wunsch nach Erholung“, betont Schlag. „Der Aueweiher ist Naturschutzgebiet – und damit müssen wir behutsam umgehen.“
Fauna: Die beiden Schwäne auf dem Aueweiher sind längst an Spaziergänger und Radfahrer gewöhnt. Doch wie geht es anderen Tieren – angesichts der Veränderungen und vielen LGS-Besucher? Gut, glaubt Marcus Schlag. Er weist zum Beispiel darauf hin, dass es bisher keine Amphibien im Weiher gegeben habe. Das sei jetzt anders: „Die neuen Flachwasserzonen haben Auswirkungen auf die Lebewesen: Es quakt hier wieder.“
Und auch die neue Insel stelle ein Standortvorteil für die Tiere, glaubt der Geschäftsführer dar. Denn unter anderem sei nach der Weiher-Zusammenlegung die Beleuchtung in diesem Teil weggefallen. Auf der Insel gibt es zudem zwei Biber-Burgen, und der Nager lasse sich kaum stören, sagt Schlag. Ähnlich in der Vogelwelt: Der Reiher fühle sich hier rundum wohl.
Ein Strand aus Kies am Südufer: „Strand“ ist ein Wort, dass die Verantwortlichen nicht gerne in den Mund nehmen. In den vergangenen Jahren hatte insbesondere das Vorhaben am Südufer des Weihers zu jede Menge Kritik geführt. Doch die Idee eines Sandstrands wurde verworfen. Marcus Schlag spricht jetzt von einem „kiesigen Ufer“, das auch von der Tierwelt besser angenommen werde.
Der rotbunte Kies wurde deshalb verwendet, weil die LGS gGmbH sich an den örtlichen Gegebenheiten angelehnt hat: Schließlich war der Aueweiher einst Kiesabbaugebiet. Theoretisch ist es an dieser Stelle möglich, mit den Füßen ins Wasser zu waten – aber nicht allzu weit: „Dann kommt schon der Schlick“, sagt Schlag, der nicht wirklich glaubt, dass das Südufer allzu oft genutzt wird, um sich die Füße im heißen Sommer abzukühlen.
Fotostrecke: Aueweiher erblüht nach Umgestaltung




Einen echten Badebetrieb zu etablieren, war unter anderem wegen der Wasserqualität nicht möglich. Ein Verbot zum Plantschen gibt es aber auch nicht. Ursprünglich sah das Konzept zudem vor, am Ufer einen u-förmigen Balkon anzulegen – mit einem Arm, der aufs Wasser hinausragt. „Dafür gab es aber keine guten technischen Lösungen, deshalb haben wir hier Einsparungen vorgenommen.“
Rechts und links laufen die Spaziergänger nun immerhin über zwei Holzstege mit Geländer; sie kaschieren die beiden Einlaufbauwerke für die Filteranlage. Das Gelände bis zum Westring wurde zudem geringfügig modelliert, die fest installierten Holzliegen bleiben auch nach der Gartenschau erhalten. Besonders toll am Südufer: Von hier aus reicht der Blick über die gesamte Wasserfläche bis hoch zum Frauenberg am Horizont. „Das ist Landschaftsarchitektur, wie sie sein muss“, findet Marcus Schlag.
Badegarten, Wehr und Fulda-Insel: Komplett umgestaltet wurde der Bereich zwischen dem aufgehübschten Badegarten an der Frankfurter Straße und dem Aueweiher, der während der Landesgartenschau als Junger Garten fungiert. Ein Steg über den Fulda-Kanal verbindet den Park mit der neuen Freifläche auf dem ehemaligen Dura-Gelände, auf der es verschiedene Spielangebote samt Beachvolleyball-Feld gibt.
Von hier aus geht es entweder über einen Steg zur Fulda-Insel oder über die Brücke am Fulda-Wehr vorbei zum Weiher. Zur Fulda-Insel gelangt man aber auch von der Hornungsbrücke nahe der Kugelfabrik aus: Im März war hier eine gut 50 Meter lange Fußgängerbrücke aus Stahl eingesetzt worden. Die Fläche des Naturheilvereins wird während der LGS als Grünes Klassenzimmer genutzt.
Der Bereich am Wehr hat jetzt echte Aufenthaltsqualität bekommen: Auf Sitzstufen lässt sich gut beobachten, wie das Wasser hinabstürzt. An der Stelle führen weitere Treppen direkt zum Wasser.
Nordufer: Ein Parkplatz ist jetzt ein Erlen-Hain: Im vergangenen Jahr hatte die Stadt auf der Fläche an der Hornungsbrücke, auf der früher Autos parkten, 24 Bäume gepflanzt – für jeden Stadtteil einen. In einem weiteren Teil kann das Wasser aus dem Überlauf des Weihers in Rinnsalen durch eine kiesige Fläche fließen. In dem wellenförmigen Gelände bleibt zudem hängen, was aus dem Gewässer angeschwemmt wird.
Ein Highlight ist der Uferbalkon. Das Holzdeck dient als Ruhefläche sowie Aussichtspunkt. In der Mitte sind verschiedene Becken eingelassen, durch die Wasserpflanzen wie Seerosen, Igelkolben und mehr beobachtet werden können.
West- und Ostufer: An den Längsseiten des Weihers ist nur wenig verändert worden, erklärt Marcus Schlag. Pflanzflächen wurden ergänzt, Wege saniert. Die ufernahen Trampelpfade entlang der Olympiastraße etwa wurden etwas weiter vom Wasser weg verlegt und durch wassergebundene Wege ersetzt.
Die Plätze an den Bleichhäuschen wurden überarbeitet und mit neuen Sitzgelegenheiten ausgestattet. Vorgelagerte kleine Holzdecks erlauben den Zugang zum Wasser. Auf der Vorfläche der ehemaligen Segelflughalle, wo derzeit die Gastronomie zu finden ist, können sich Besucher ebenfalls über große Stufen dem Wasser nähern.
Zwei Weiher werden zu einem: Immer wieder liefen die Weiher in der Vergangenheit Gefahr, umzukippen: Zahlreiche Fische verendeten; mehr als einmal musste die Feuerwehr Sauerstoff in den Weiher pumpen. Die erste und wichtigste Phase der Umgestaltung konzentrierte sich daher auf die Zusammenlegung der beiden Weiher, um durch die größere zusammenhängende Wasserfläche ein besseres biologisches Gleichgewicht erzielen zu können.
Dafür wurde die einstige Landzunge an zwei Stellen durchbrochen: Eine neue Insel entstand, auf der Tiere und Pflanzen besonders geschützt werden sollen. Rund 20 Bäume mussten dafür gefällt werden, erläutert LGS-Geschäftsführer Marcus Schlag. Das sei aber „nicht aus Jux und Dollerei“ geschehen, „sondern um die Gewässerqualität in den Griff zu kriegen“. Zudem war vor zwei Jahren damit begonnen worden, eine Filteranlage einzubauen.
Video: Landesgartenschau in Fulda: Das müssen Sie wissen
Mithilfe eines Leitungssystems werden Tiefenwasser im nördlichen Bereich und oberflächennahes Wasser durch zwei sogenannte Skimmerschächte am Südufer abgezogen. Mit Pumpen wird es zur Filteranlage an der Karl-Storch-Straße transportiert, wo mithilfe von Schilfpflanzen Nährstoffe wie Phosphate gebunden und abgebaut werden.
Die Einleitung des aufbereiteten Wassers erfolgt über Düsen am Südufer sowie über fünf Wasserstrahl-Luftpumpen, die entlang der Nord-Südachse installiert sind. Über die aus dem Wasser herausragenden Leitungen wird Luftsauerstoff angesaugt. Dieser wird zusammen mit dem Treibwasser in die Sedimente eingebracht, um den Organikgehalt im Schlamm zu reduzieren. Im Laufe der Jahre soll das zu einer Abnahme des Sedimentvolumens führen.
Vor dem Gebäude des sogenannten Neptunfilters werden noch Sträucher gepflanzt, sodass es weniger in der Landschaft auffällt. Die Maßnahmen sind „nichts, was kurzfristig zum Ziel führt“, sagt Marcus Schlag. Bis das Gewässer, das sich aus Grundwasser speist, wieder in einem stabilen Zustand befindet, und der Nährstoffgehalt durch den Einsatz der Technik dauerhaft reduziert ist, wird es dauern.
Durch ein Monitoring wird der Prozess überwacht. „Wir sind sehr guter Dinge“, sagt Elke Binz vom Tiefbauamt der Stadt. Er habe den Eindruck, fügt der Geschäftsführer hinzu, dass das einst häufig trübe Wasser schon wieder viel klarer sei.
