VonMarcus Lotzschließen
Seit die Pläne von K+S zur Haldenabdeckung in Neuhof vom Tisch sind, scheint es ruhiger in der Kaligemeinde geworden zu sein. Doch dieser Eindruck trügt, sagt die Bürgerinitiative (BI) – und kündigt eine neue öffentlichkeitswirksame Aktion an.
Neuhof - „Es ist noch nicht vorbei. Jetzt gilt es, Alternativen zur Dickschichtabdeckung zu finden“, kündigt der Vorsitzende der BI Umwelt Neuhof, Sven Hartmann, gegenüber unserer Zeitung an. Anfang Mai war das Unternehmen K+S überraschend von seinen Plänen abgerückt, den Kaliberg in Neuhof mit einer Dickschicht abdecken zu wollen, um so die salzhaltigen Haldenwässer zu reduzieren.
Fulda: Bürgerinitiative an Alternativen zur Haldenabdeckung am Kaliberg
Die Erleichterung in Neuhof (Landkreis Fulda) war groß, denn die Umsetzung dieser Pläne hätte bedeutet, dass über einen Zeitraum von 105 Jahren jeden Tag 150 Lastwagen und ein kompletter Güterzug Material zur Abdeckung der Halde nach Neuhof hätte bringen müssen. Für viele Menschen in Neuhof wäre das eine unvorstellbare Belastung gewesen, sodass sich neben der BI schließlich auch in der Neuhofer Gemeindepolitik parteiübergreifend Widerstand gegen das Projekt geregt hatte.
Auch über die Gemeindegrenzen hinaus erregte das Jahrhundertprojekt Aufmerksamkeit. Landrat Bernd Woide (CDU) sowie mehrere Abgeordnete aus Land- und Bundestag setzten sich für eine einvernehmliche Lösung zwischen der Gemeinde, der BI, die mittlerweile rund 1350 Mitglieder hat, und K+S ein.
Dass die Dickschichtabdeckung laut K+S nun vom Tisch ist, ebnet zumindest den Weg dorthin. Das Verfahren wäre laut BI „eine über mehr als 100 Jahre hinweg dauernde, für die Region ökologisch schlicht unvertretbare, Katastrophe“ gewesen. Sie stellt aber auch fest: „Das Problem Kaliberg ist weiterhin ungelöst.“
Die Stimmung im Ort ist zwiegespalten. Die einen können ihr Glück kaum fassen, dass K+S von seinen Plänen abgerückt ist. Die anderen trauen dieser Ankündigung noch nicht so ganz.
Genau darauf möchte die Bürgerinitiative die Bevölkerung aufmerksam machen. „Wenn jemand glaubt, dass die BI in den vergangenen Wochen nichts getan hat, dann liegt er falsch. Wir waren immer am Thema dran, haben uns weiterhin regelmäßig getroffen und uns intensiv zum weiteren Vorgehen ausgetauscht“, sagt Sven Hartmann.
Dabei ging es beispielsweise um die Vorbereitung des Runden Tisches, an dem mit K+S über ein alternatives Verfahren zur Verringerung der Haldenabwässer verhandelt werden soll. „Noch in dieser Woche wird über die Moderation entschieden.Danach wird ein Termin für das Format festgelegt“, berichtet Hartmann.
Eine konkrete Forderung, welches alternative Verfahren die BI für den Kaliberg anstrebt, nennt der BI-Vorsitzende noch nicht. „Wir haben uns mit Bergleuten und Firmen getroffen, haben Expertisen eingeholt, was machbar ist. Es gibt zwar schon Ansätze, aber da müssen wir die Ergebnisse des Runden Tisches abwarten. Und natürlich wollen wir von dem Unternehmen wissen, was aus dessen Sicht möglich ist“, sagt Hartmann.
Er betont: „Wichtig ist uns, dass dabei alle möglichen Alternativen geprüft werden – und zwar ergebnisoffen.“ Es müsse eine mensch- und umweltschonende Lösung gefunden werden. Der BI-Vorsitzende erkennt aber auch an: „Am Ende muss es auch für K+S bezahlbar sein.“ Klar ist für Hartmann: Die eine Maßnahme, welche das Problem löst, werde es nicht geben. „Aus meiner Sicht ist dafür ein Bündel verschiedener Maßnahmen nötig.“
Ob man dabei zu einer einvernehmlichen Lösung finden wird, ist aus Hartmanns Sicht noch offen: „Wir hoffen das Beste.“ Eine Dickschichtabdeckung als Ultima Ratio, für den Fall, dass sich keine sinnvolle Alternative biete, kommt für die BI weiterhin nicht infrage: „Wir wissen schon jetzt, dass es geeignetere Maßnahmen als die Dickschichtabdeckung gibt. Deshalb ist sie für uns keine Option.“
Video: Forum der Fuldaer Zeitung zur Debatte um den Kaliberg
Ihre Ziele möchte die Bürgerinitiative nun mit einer Banneraktion der Bevölkerung näher bringen: Die Banner, welche auf die Ziele der BI in Sachen Kaliberg hinweisen, sind an verschiedenen Standorten rund um Neuhof aufgestellt. Dabei wurden insbesondere Stellen an den Ortseingängen ausgewählt, um nicht nur die Einheimischen, sondern auch Ortsfremde auf das Thema aufmerksam zu machen. Und auch an K+S möchte die BI damit das klare Signal senden, dass das Problem um den Kaliberg und die salzhaltigen Haldenwässer „ökologisch nachhaltig und ressourcenschonend gelöst werden muss“.
