Budgets oft im Dunkeln

Tausende Plakate zum Wahlkampfstart: Parteien setzen auf Köpfe und knackige Botschaften

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Der Wahlkampf ist gestartet: Kandidatenköpfe und kurze Botschaften finden sich seit Wochenbeginn in Osthessens Straßenbildern.
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    Sabrina Mehler
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Bunte Bilder, kraftvolle Slogans, ambitionierte Wahlversprechen: Seit dieser Woche dominieren im Kreis Fulda Plakate der Kandidaten für Landtags- und Landratswahl das Straßenbild.

Kreis Fulda - Am Buttermarkt kommt man nicht umhin, SPD-Landtagsbewerber Szymon Mazur von einem der Plakate blinzeln zu sehen. CDU-Landrat Bernd Woide und Parteikollege Thomas Hering grüßen derweil die Autofahrer in der Petersberger Straße, und die gelben FDP-Poster präsentieren in Fuldas Innenstadt markige Botschaften. Die Parteien sind offensichtlich in den Wahlkampf gestartet: Schon in der Nacht auf Samstag waren Kandidaten und Wahlhelfer mit Schaubildern, Leitern und Kabelbindern unterwegs.

Fulda: Tausende Plakate zum Wahlkampfstart

Allerdings dürfen sie nicht überall ihre Plakate anbringen. Die Vorgaben, wann der Plakat-Wahlkampf startet – und wo es Verbotszonen gibt – variieren von Kommune zu Kommune. In Fulda etwa sind unter anderem Barockviertel, LGS-Gelände, Wochenmarkt und der Baumhain auf dem Uniplatz wahlkampffreie Zonen, in Neuhof ist etwa das Areal des Gemeindezentrums tabu.

In der Barockstadt dürfen außerdem an Verkehrsschildern, -inseln, Mittelstreifen, Brückengeländern, Baustelleneinrichtungen und Ampeln keine Plakate angebracht werden. Vorsicht auch an Straßenlaternen: Hier gibt es Vorgaben der RhönEnergie, so dürfen je Mast nur bis zu zwei sogenannte Hohlkammerplakate hängen. Überhaupt darf die Sicht der Verkehrsteilnehmer nicht beeinträchtigt werden.

Die CDU setzt auf einen doppeldeutigen Slogan, der bei Thomas Hering oben links in der Ecke steht: „Hessen weiter führen“. In größeren Buchstaben steht das auf Hering zugeschnittene Motto „mit Herz und Sicherheit“. Die Zahl der Wahlplakate und die Budgethöhe vermag CDU-Kreisgeschäftsführer Erik Schäckermann nicht zu beziffern: „Wir haben drei Wahlkreise und erhalten vom Landesverband zwölf Themenmotive und eines mit dem Spitzenkandidaten. Die Zahl der Plakate ist auf jeden Fall deutlich vierstellig.“ Die CDU tendiere deutlich zu Plakaten mit Köpfen. Aufgehängt würden diese durch die Ortsverbände – nach kommunalen Vorgaben. Seines Wissens nach sei die Plakatierung lediglich in Künzell auf ausgewählte Flächen beschränkt.

Wir setzen eben mehr auf Qualität statt Quantität.

Kreisvorsitzender Knut Heiland (Grüne)

Die SPD plant mit einem Budget von maximal 20.000 Euro, zusätzlich leisten alle Kandidaten einen Eigenbeitrag, erklärt Unterbezirksvorsitzende Birgit Kömpel, die in den Landtag einziehen will. 1000 Plakate hängt die Partei für die Landtagswahl auf, 500 für Landratskandidat Andreas Maraun. Verwendet werden sowohl personalisierte Plakate als auch inhaltliche Botschaften. „Auch Großplakate kommen zum Einsatz.“

Man achte besonders darauf, dass Plakate möglichst weit oben angebracht werden, um Fußgänger und Radfahrer nicht zu stören und Verunstaltungen zu vermeiden. Zusätzlich wirbt die SPD in den sozialen Medien, verteilt Flyer und wirbt auf Eigen-Veranstaltungen, Infoständen und bei Haustürgesprächen.

An 600 Standorten im Kreis lacht ein Vertreter der Grünen von umweltfreundlichem Papier: „Alle Plakate können über das Altpapier entsorgt werden“, erklärt Kreisvorsitzender Knut Heiland. Auch er sagt nicht, wie viel der Wahlkampf kostet, glaubt aber: „Von allen großen Parteien haben wir mit Abstand das kleinste Budget. Wir setzen eben mehr auf Qualität statt Quantität.“ Die Themen seien typisch grün: Familie, Bildung, ländlicher Raum, Klimaschutz. Neben Plakaten werden auch die Grünen an Infoständen vertreten sein. Zudem wird zu Veranstaltungen mit bekannten Grünen-Politikern eingeladen, und auch auf Social Media werben die Kandidaten für sich.

Die Zahl der Plakate ist auf jeden Fall deutlich vierstellig.

CDU-Kreisgeschäftsführer Erik Schäckermann

1200 Plakate hat die AfD laut Pierre Lamely vorgesehen – die Hälfte davon Personenplakate. Die andere Hälfte trägt als Motiv den Satz „Realisten wählen AfD“, um die AfD-Positionen auf den Punkt zu bringen. Die Straßenplakate hänge die Partei möglichst hoch, damit sie gut sichtbar sind, aber auch, um sie vor Angriffen zu schützen. „Aus diesem Grund nutzen wir Großflächen nur sparsam“, so Lamely. Plakatzerstörer lasse die AfD wie in der Vergangenheit strafrechtlich verfolgen. Ansonsten nutze die Partei digitale Kanäle sowie Infostände und Anlaufpunkte in den Kommunen. Zum Budget macht Lamely keine konkreten Angaben, verweist aber auf den Einsatz der Mitglieder.

„Wir planen mit 1200 Plakaten sowie 10 Wesselmännern“, sagt Mario Klotzsche, FDP-Kreisvorsitzender sowie Landtagskandidat. Neun Motive gibt es zu typisch liberalen Themen: So heißt es etwa „Verbieten wir uns nicht die Wirtschaft kaputt“. Eine Botschaft für eher ländliche Regionen: „Bis einer heult – null Toleranz für den Wolf“. Die Höhe des Budgets verrät Klotzsche nicht, weist aber darauf hin, dass der Kreisverband die Werbung aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziere.

Die Liberalen achten darauf, Plakate gut sichtbar anzubringen: So hängen in Fulda mehrere Plakate mit gleichemMotiv hintereinander, damit sie auch von Autofahrern wahrgenommen werden. Ansonsten setzt die FDP auf Flyer, Infostände und Social Media: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Werbung in der realen Welt am wichtigsten ist. „Wir möchten mit den Leuten ins Gespräch kommen.“

Sechs Wochen vor der Landtagswahl in Hessen fällt der Startschuss für die Briefwahl. Seit dem 28. August können die Unterlagen beantragt werden.

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