VonEike Zennerschließen
„Noch nie war die Entwicklung der Fuldaer Wirtschaft so volatil wie in den vergangenen drei Jahren. Auch die Risiken für die kommenden Monate bleiben hoch.“ So kommentiert der Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda, Michael Konow, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage.
Fulda - Der Geschäftsklimaindex der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda ist von 100,6 auf 84 Punkte gesunken. Damit liegt er wieder deutlich unter der Marke von 100 und deutet auf eine Rezession hin. Das ist das Ergebnis der dritten Konjunkturumfrage der IHK in diesem Jahr. Die Zahlen hat die Kammer am Montag vorgestellt.
Fulda: IHK sieht hohe Risiken für hiesige Wirtschaft
Die derzeitige Geschäftslage wird von 56,7 Prozent der Unternehmen als „befriedigend“ bezeichnet. Bei der Konjunktur-Umfrage im Mai lag dieser Wert bei 64,4 Prozent. Von einer „schlechten Lage“ sprechen 24,4 Prozent (zuvor 17,2 Prozent). Der Anteil der Unternehmen mit einer guten aktuellen Geschäftslage ist mit 18,9 Prozent (Mai 2023: 18,4 Prozent) annähernd konstant.
Die Erwartungen sind insgesamt negativ: Eine schlechtere zukünftige Lage erwarten 36,3 Prozent der Firmen (Mai 2023: 20,2 Prozent). 52,7 Prozent der Unternehmen gehen von einer konstanten Geschäftslage aus; im Mai 2023 waren 59,6 Prozent dieser Ansicht. Nur 11 Prozent der Unternehmen erwarten eine eher günstigere zukünftige Geschäftslage (Mai 2023: 20,2 Prozent).
Die Bewertung der derzeitigen und die Einschätzung der zukünftigen Geschäftslage ergibt den Geschäftsklimaindex für den Kammerbezirk Fulda.
Als größte Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werden der Fachkräftemangel (70 Prozent), eine schwindende Inlandsnachfrage (68,9 Prozent), höhere Arbeitskosten (63,3 Prozent), steigende Energie- und Rohstoffpreise (58,9 Prozent) sowie sich verschlechternde wirtschaftliche Rahmenbedingungen (56,7 Prozent) von den Betrieben genannt.
Aber: Die aktuelle Finanzlage bezeichnen 67,4 Prozent der befragten Unternehmen trotz anhaltender hoher Inflation mit einhergehenden steigenden Zinsen als unproblematisch, 16,9 Prozent berichten von einem Eigenkapitalrückgang und keines der befragten Unternehmen von einer drohenden Insolvenz.
Die Investitionsbereitschaft liegt per Saldo über alle Branchen hinweg im negativen Bereich: 37,8 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Investitionsabsichten reduziert. Von steigenden Investitionen gehen 30 Prozent der Betriebe aus. Hauptmotive für Investitionen sind Ersatzbedarf (62,7 Prozent) sowie mit deutlichem Abstand Produktinnovationen (26,5 Prozent), Kapazitätsausweitung (24,1 Prozent) und Rationalisierung (22,9). Bei den befragten Industrieunternehmen erwarten 62,9 Prozent der Unternehmen sinkende und nur 11,4 Prozent steigende Investitionen.
IHK Fulda nimmt die Politik in die Pflicht
Die Zahl der Firmen, die von einem Beschäftigungsabbau ausgehen (24,1 Prozent), liegt über der der Betriebe, die zusätzliche Beschäftigung planen (17,2 Prozent). In der Industrie zeichnet sich auch hier ein ausgeprägteres Bild: 40 Prozent der befragten Unternehmen erwarten sinkende und nur 5,7 Prozent steigende Beschäftigtenzahlen in den kommenden zwölf Monaten.
IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow sieht die Fuldaer Wirtschaft insgesamt noch vergleichsweise gut aufgestellt, nimmt aber die Politik mit deutlichen Worten in die Pflicht. „Die letzten drei Jahre war die konjunkturelle Entwicklung in unserem Landkreis wegen multipler externer Schocks äußerst volatil. Durch diese Krisen ist die Fuldaer Wirtschaft relativ unbeschadet gekommen. Nun aber hinterlässt das Hochrisikoumfeld gekoppelt mit hausgemachten wirtschaftspolitischen Problemen messbare Spuren. Dabei sind in der aktuellen Umfrage die Folgen des abscheulichen Angriffs auf Israel noch gar nicht berücksichtigt. Nun ist es an Brüssel, Berlin und auch Wiesbaden vernünftige ordnungspolitische Rahmenbedingungen zu setzen und zur Geldwertstabilität und einer konstanteren Wirtschaftspolitik zurückzukehren.“
