- VonMax Wenischschließen
Eine Monstranz haben Unbekannte aus der Stadtpfarrkirche geklaut. Um an das Diebesgut zu gelangen, haben die Täter eine Glasscheibe beschädigt. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt wegen des besonders schweren Falls des Diebstahls.
Fulda - „Insbesondere die Rücksichtslosigkeit und Ehrfurchtslosigkeit gegenüber unserer Religion und letztendlich Gott gegenüber, hat uns am meisten schockiert. Offensichtlich war dem oder den Tätern der Diebstahl einer an sich nicht besonders wertvollen Monstranz wert genug, das Allerheiligste zu schänden und damit die religiösen Gefühle einer ganzen Glaubensgemeinschaft zu verletzen“, erklärte Stadtpfarrer Stefan Buß am Montag auf Anfrage unserer Zeitung.
Fulda: Monstranz aus Stadtpfarrkirche geklaut - Pfarrer schockiert
Es stelle sich die Frage, vor was solche Täter denn überhaupt noch Respekt und Ehrfurcht hätten, so Buß weiter. Dem stimmt Dr. Szymon Mazur, Sprecher des Pfarrgemeinderats der Innenstadtpfarrei zu: „Vom Schweregrad her, ist das etwas Großes. Wenn Geld aus dem Opferstock gestohlen wird, kann man ja noch sagen, dass es an Respekt vor dem Geld anderer fehlt – aber hier werden ganz klar religiöse Gefühle verletzt.“
Juristisch handelt es sich dabei um einen besonders schweren Fall von Diebstahl, den das Gesetz besonders streng – nämlich mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zehn Jahren – bestraft, erklärt Mazur, der in Fulda als Richter arbeitet.
Insbesondere die Rücksichtslosigkeit und Ehrfurchtslosigkeit gegenüber unserer Religion und letztendlich Gott gegenüber, hat uns am meisten schockiert.
Die Rede von besonders schwerem Diebstahl ist, laut Paragraf 243 Strafgesetzbuch, wenn eine Sache die der religiösen Verehrung dient, aus einer Kirche entwendet wird. „In diesem Fall hat der Täter darüber hinaus auch ein weiteres Regelbeispiel erfüllt, indem er zusätzlich eine Sache gestohlen hat, die gegen Wegnahme durch eine Schutzvorrichtung besonders gesichert war“, ergänzt Mazur.
Der Einbruch wurde durch den Küster bei der Schließung der Kirche am Freitag, gegen 17.45 Uhr entdeckt. Dieser hatte sofort den Pfarrer benachrichtigt. Die Polizei ermittelt nun nach den Motiven für die Tat und versucht herauszufinden, mit welcher Art Gegenstand die Scheibe vor dem Tabernakel eingeschlagen worden ist.
Bei dem gestohlenen Sakralobjekt handle es sich um keine sehr teure Monstranz, sondern um ein kleines, im Fachhandel für einen dreistelligen Betrag zu erwerbendes Exemplar. Die Stadtpfarrkirche und der Anbetungsbereich sind laut Mazur den ganzen Tag über zugänglich, der Tabernakel bleibe aber verschlossen.
Weitere Fälle
Im vergangenen Jahr kam es zu verschiedenen Diebstählen aus Kirchen in der Region:
19. Juni 2022: Unbekannte stehlen – offenbar mit roher Gewalt – ein Bronze-Kreuz aus der Bonifatiusgruft im Fuldaer Dom. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall inzwischen übernommen.
13. August 2022: Es wird bekannt, dass Unbekannte während der Umbauarbeiten in der Pfarrkirche Großenlüder eine Monstranz aus dem 18. Jahrhundert und eine Lonula – eine Klammer, die der Befestigung des Allerheiligsten in der Monstranz dient – gestohlen haben.
17. August 2022: Unbekannte brechen einen Opferstock in der Stadtpfarrkirche in Fulda auf. Sie hinterlassen Sachschaden in Höhe von rund 100 Euro und erbeuten einen mittleren zwei bis niedrigen dreistelligen Betrag.
10. Juni 2023: In Motten wird festgestellt, das Unbekannte während des Winters Steine aus dem Tabernakel der Kirche St. Barthomlomäus gestohlen haben. Dumm für die Täter: Laut Polizei handelte es sich dabei um Steine aus rotem Glas – und nicht um Diamanten oder Edelsteine.
Eine Überwachungsanlage gibt es keine – und werde es auch nicht geben, berichtet er. „Gerade der Anbetungsbereich ist ein Ort der Stille. Eine Überwachungskamera würde für die Gläubigen eine Störung bedeuten“, fasst Mazur zusammen.
Wie Fuldas Stadtpfarrer Bus gegenüber der dpa erklärt, solle das Panzerglas erneuert werden. „Wir denken da über eine Alarmsicherung nach“, ergänzt er.
Die Kriminalpolizei in Fulda sucht jetzt nach den unbekannten Tätern. Wer etwas gesehen hat und sachdienliche Hinweise geben kann, ist angehalten sich an das Polizeipräsidium Osthessen unter Telefon (0661) 105 0 oder an jede andere Polizeidienststelle zu wenden.