VonHanna Wieheschließen
Zahlreiche Hilfstransporte in die Ukraine, Bereitstellung von Flüchtlingsunterkünften in Osthessen und mehr als 200.000 Euro Spenden: Am Mittwoch hat die Ukraine-Hilfs-AG aus Vertretern von Bistum, Caritas und Maltesern ihren Überblick über ihre bisherige Arbeit gegeben.
Böckels - Seit zehn Jahren besteht der Kontakt des Bistums nach Iwano-Frankiwsk, einer Stadt mit etwa 230.000 Einwohnern in der Westukraine. Zunächst ging es in der Partnerschaft um Unterstützung in Bereichen wie Bauhilfe, Pastoral, Bildung und Soziales, wie Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez am Mittwoch verdeutlichte. „Diese Menschen haben gelebt wie wir – bis zum 24. Februar 2022“, sagte Generalvikar Christof Steinert – dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.
Fulda: Ukraine-Hilfs-AG stellt ihre bisherige Arbeit vor
Seither mussten zahlreiche Ukrainer flüchten – vor den Angriffen zunächst in den Westen des Landes. Die Stadt Iwano-Frankiwsk und die dortige Partner-Caritas sahen sich mit hohen Flüchtlingszahlen konfrontiert – heute leben in der Stadt etwa 40.000 Binnenflüchtlinge.
Sofort haben Weltkirche und auch das Bistum Fulda Gelder zur Verfügung gestellt. Schnell fand sich auch das Bündnis Ukraine-Hilfs-AG zusammen. „Zunächst stand die Frage im Raum: Wie können wir helfen?“, erinnert sich Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch. Vieles hat die AG bis heute auf den Weg gebracht – doch Juch verdeutlicht auch: Wichtig sei den ukrainischen Partnern vor allem das Wissen gewesen: „Ihr seid nicht allein.“ Deshalb bemüht sich das Bündnis darum, in Kontakt zu bleiben – über die materielle Hilfe hinaus, sei es im Gebet oder im Gespräch.
Wenn die Menschen dort das Gefühl bekommen, dass sie alleine gelassen werden, ist ganz viel verloren.
Um einen Überblick über die materiellen Hilfen zu geben, hat das Bündnis in die Lagerhalle der Malteser in Petersberg-Böckels eingeladen. Hier stapeln sich Bananenkisten, die Alfred Hau vom Malteser-Auslandsdienst einmal in der Woche von einem Lebensmittel-Einzelhändler holt.
„Diese Halle ist der Umschlagort für die Hilfe“, erläutert Christin Benkner, Malteser-Diözesangeschäftsführerin, denn die Malteser sind die Logistiker in der Hilfs-AG. 75 Hilfstransporte haben sie schon in die Ukraine geschickt – die Hilfs-AG schickte bereits fünf Transporte, von ihr gesammelte Spenden sind jedoch immer wieder bei den Malteser-Transporten dabei. Bis Ostern soll wieder ein eigener Transport starten.
Gesammelt wird vor allem, was die Menschen brauchen, die teilweise mit wenig Habe die Flucht antreten mussten: Im Winter Schlafsäcke, warme Kleidung, Decken, aber auch Hygieneartikel und medizinische Produkte. Auch Krankenhausbetten und Fahrzeuge sind gespendet worden. „Sogar eine komplette Bäckereiausstattung ist schon in die Ukraine gegangen“, erinnert sich Steinert – eine doppelte Hilfe: zum einen zur Lebensmittelherstellung, zum anderen schafft die Bäckerei Arbeitsplätze.
Archiv-Video: Unterwegs mit dem Hilfskonvoi an die polnisch-ukrainische Grenze
Doch auch finanzielle Hilfen bleiben wichtig, betont Markus Juch und nennt ein Beispiel: In Iwano-Frankiwsk wird derzeit der Flügel eines ehemaligen Krankenhauses in ein Wohn- und Pflegeheim für betagte Menschen umgebaut. Dort lebt jetzt zum Beispiel eine 93-Jährige, die bis zum November 2023 in der Region Donezk zu Hause war und von dort fliehen musste.
Um Spenden für die Menschen in der Ukraine zu sammeln, organisiert das Bündnis immer wieder Projekte – zuletzt zum Beispiel die Aktion „Mantel teilen“ am Martinstag 2023. Hier wurden sowohl Sach- als auch Geldspenden gesammelt.
Eines jedoch ist den Partnern besonders wichtig: „Wenn die Menschen dort das Gefühl bekommen, dass sie alleine gelassen werden, ist ganz viel verloren“, sagt Juch. „Sie leben von der Hoffnung, dass die Welt hinter ihnen steht. Es wäre eine Katastrophe, würde das enden.“
