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Fußball-EM in Frankfurt: Startschuss für die Party am Main

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An der Frankfurter Friedensbrücke wollen die Fußballfans Tore bejubeln.
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Auf der Fanmeile am Frankfurter Nordufer soll es in den kommenden vier Wochen nicht nur um Fußball gehen.

Am Ende ging es um 38 Zentimeter. 38 Zentimeter, die den Unterschied machten zwischen einer betont ausgelassenen Vorstellung des Programms auf der Fanmeile und einer Pressekonferenz zu einem Krisenszenario. Geworden ist es die heitere Vorstellung. Wäre der Main am Wochenende aber noch 38 Zentimeter weiter angestiegen, hätte die Stadt alle bisher getätigten Aufbauten auf der Strecke am nördlichen Mainufer wieder abbauen müssen. „Glück gehabt“, sagt Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) am Dienstag vor der Presse.

Sollte nicht doch noch ein Hochwasser nach Frankfurt kommen, dann beginnt am Mittwoch, 12. Juni, am Main eine mehr als vierwöchige Party, wie sie die Stadt zuletzt bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erlebt hat. Am späten Abend wird das Rahmenprogramm zur Europameisterschaft eröffnet. Zwar nicht auf der Fanmeile, die vom Eisernen Steg bis zur Friedensbrücke reicht, sondern an der Flößerbrücke, dafür aber umso pompöser.

Geplant ist eine Licht- und Soundshow. Die Brücke wird illuminiert mit den Fahnen der teilnehmenden Nationen, dazu steigen Lichtkegel auf, und es erklingen der Fußball-Klassiker „You’ll never walk alone“ in unterschiedlichen Varianten sowie Radio und TV-Reportagen von großen EM-Momenten. Mit dabei natürlich die Schilderung von Oliver Bierhoffs Golden Goal im Sommer 1996, durch das Deutschland zuletzt Europameister wurde.

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Frankfurt hat große Fußballturniere erlebt - ob beim klatschnassen Halbfinale der Weltmeisterschaft 1974 oder dem unvergessenen Fußballfest 2006. Diese EM bringt den Fans in Frankfurt fünf Spiele mit sieben Mannschaften.

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Auf der 1,4 Kilometer langen Fanmeile, die bis zu 30 000 Menschen Platz bietet, geht es dann am 14. Juni los, dem Tag des Eröffnungsspiels. Sämtliche Partien werden auf zehn Bildschirmen übertragen. Der mit Abstand größte misst 144 Quadratmeter und steht im Main – wie schon bei der Weltmeisterschaft 2006.

Überhaupt nehmen Mike Josef, Tourismus-Chef Thomas Feda und die hessische Sportministerin Diana Stolz (CDU) am Dienstag oft Rückgriff auf das Turnier vor 18 Jahren. Stolz erinnert an das positive Bild, das Deutschland seinerzeit abgegeben habe. Bei dem in wenigen Tagen beginnenden Kontinentalturnier gehe es auch darum, „wie wir in Europa wahrgenommen werden“. Präsentiere sich Deutschland wieder so positiv, werde sich das auch positiv auf die Wirtschaft im Land auswirken.

Jetzt kein Hochwasser mehr! Aufbau für die Fanmeile am Mainkai.

Mike Josef wagt derweil sogar eine Wetterprognose. „Zum Anpfiff wird die Sonne scheinen“, sagt der Oberbürgermeister. Wie eben einst im heißen Juni und Juli 2006, die Monate, die als Sommermärchen in die Geschichte eingingen.

EM in Frankfurt: Keine Kopie der WM 2006

Doch eine Kopie der Weltmeisterschaft sollen die vier Wochen in Frankfurt nicht werden. Das zeigt sich schon ein Blick auf das Programm der Fanmeile. Anders als 2006 bietet es sehr viel mehr als die Übertragung von Fußballspielen.

Gerade gegen Ende des Turniers, wenn nicht mehr an allen Tagen Fußball gespielt wird, sind zahlreiche Konzerte geplant. Durchaus prominente Künstler:innen haben sich angesagt, etwa Michael Schulte (7. Juli), der belgische Popstar Milow (12. Juli) und die Rodgau Monotones am 11. Juli. Zudem wird es ein Open-Air-Kino geben, und auch die lokale Prominenz hat sich angekündigt – etwa Comedian Henni Nachtsheim und der Video-Podcaster Basti Red. Wer selbst Fußball spielen will, kann das auf einem Feld tun, das unweit des Holbeinstegs auf dem Main angelegt wird. Dort sind auch Fanturniere geplant.

Veranstaltungen

Am Freitag, 7., und Samstag, 8. Juni , verwandelt sich die Frankfurter Paulskirche als „Stadion der Träume“ in ein kostenloses Kino und lädt dazu ein, verschiedene Filme in einer einzigartigen Atmosphäre zu erleben. Auf dem Programm steht am Freitag um 20 Uhr der Film „Das Wunder von Bern“ über die Geschichte des deutschen WM-Siegs 1954. Am Samstag geht es um 14.30 Uhr los mit „Max und die wilde 7“, ein Film über das Abenteuer von Max und seinen außergewöhnlichen Freund:innen, die gemeinsam einen kniffligen Fall lösen müssen. Um 20 Uhr läuft der Film „Wochenendrebellen“, der einen Vater und seinen autistischen Sohn auf ihrer Suche nach dem richtigen Fußballverein durch alle Fußballstadien Deutschlands begleitet. Tickets sind online unter www.frankfurtticket.de zu haben.

Am Donnerstag, 13. Juni , einen Tag vor EM-Beginn, wird der Hof der Frankfurter Kirchnerschule an der Berger Straße 268 zur Open-Air-Kino-Kulisse. Gezeigt wird ebenfalls der Film „Wochenendrebellen“. Der Einlass beginnt um 20.45 Uhr, um 21 Uhr gibt es ein Vorprogramm mit Glücksrad, Talk und Quiz. Der Film wird gegen 22 Uhr gezeigt. Eine Anmeldung ist nicht nötig, es wird jedoch darum gebeten, eigene Sitzgelegenheiten, Picknick-decken sowie Essen und Getränke selbst mitzubringen. „FAIRkickt“ und die „Faire Meile“ veranstalten das kostenlose Open-Air-Kino. Ziel der beiden Projekte ist es, die EM mit Nachhaltigkeitsaktivitäten und einem kritisch-konstruktiven Blick zu begleiten. Das „FAIRkickt“-Bildungscamp befindet sich gegenüber der Fanzone. Der Fokus soll darauf gelegt werden, zu zeigen, wie wichtig soziales Fairplay auch neben dem Platz ist. Auf www.fairkickt.de gibt es weitere Informationen. prla

Der Bereich direkt vor dem größten Bildschirm ist eingezäunt. Stehen dort zu viele Menschen, was gerade bei Deutschland-Spielen der Fall sein könnte, wird der Zugang geschlossen. Ansonsten bleibt das Gelände offen, wie Thomas Feda betont. Was nicht heiße, dass die Stadt dort keine Regeln aufstellen dürfe. Wie schon bei den großen städtischen Festen in den vergangenen Wochen ist etwa Cannabis-Konsum auf dem Gelände verboten.

Den Anspruch des Fußballverbands Uefa, ein nachhaltiges Turnier auszurichten, werde Frankfurt ebenfalls erfüllen, sagt Josef. Die meisten Fans sollen an den Main und ins Stadion mit der Bahn fahren. Dafür werde der Takt der öffentlichen Verkehrsmittel erheblich erhöht. Zudem soll es auf der Fanmeile kein Wegwerfgeschirr geben.

EM in Frankfurt: Stadt zahlt 32 Millionen Euro

Bleibt die Frage nach den Kosten. Billig wird die EM für Frankfurt nicht. Die Stadt zahlt 32 Millionen Euro, davon die Hälfte für die Fanmeile. Das übrige Geld ist etwa für Arbeiten zum barrierefreien Ausbau im Stadion gedacht. Eine Million Euro kommt vom Sportministerium. Wobei das Land sich mittelbar noch stärker engagiere, etwa durch zusätzliche Polizeikräfte, die in Frankfurt Dienst tun, sagt Ministerin Stolz.

Ja, diese Summen belasteten die öffentlichen Haushalte, sagt Josef. Doch zum einen verweist der Oberbürgermeister auf eine Studie zu den NFL-Spielen im Herbst. Alleine diese beiden Partien sorgten für mehr als 100 Millionen Euro Umsatz für die Frankfurter Wirtschaft. Und zum anderen, so Josef: „Was wäre denn die Alternative gewesen? Dass Frankfurt sich nicht bewirbt und in unserer Stadt keine Spiele ausgetragen werden?“

Das Programm findet sich auf www.fanzonefrankfurt.de

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