Drogen und Rotlicht

So will Frankfurt im Bahnhofsviertel aufräumen für die Fußball-EM

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E-Scooter im Kaisersack am Hauptbahnhof: Das Chaos im Bahnhofsviertel will die Stadt mit festen Stellplätzen beenden. An der Situation hier dürften Nutzer nicht alleine schuld sein: Verleihfirmen dürfen maximal fünf Roller an einem Standort platzieren.
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Weil bald zehntausende Besucher zur Fußball-EM kommen, will Frankfurt sein Problemviertel schön machen. Vor allem die E-Scooter werden weggeräumt.

Frankfurt -Wenn Zehntausende Fußballfans von Mitte Juni bis Mitte Juli wegen der Europameisterschaft auch nach Frankfurt strömen, soll es im Bahnhofsviertel schöner sein. Nicht nur hat die Polizei dort ihre Präsenz seit vorigem Spätsommer spürbar intensiviert. Nun will auch die Stadt das Problemviertel optisch hübscher gestalten.

Derzeit ist es besonders am Hauptbahnhof von Baustellen geprägt. Denn dort saniert die Deutsche Bahn seit 2021 die B-Ebene inklusive diverser Zugänge. Die Baustelleneinhausungen versucht das Unternehmen zwar inzwischen mit historischen Bildern an den Wänden ein wenig zu kaschieren. Doch dem negativen Gesamteindruck hilft das wenig.

Schluss mit wildem Parken der E-Scooter

Erheblich tragen auch die vielen wild geparkten E-Scooter dazu bei, dass es im Viertel mit seiner Mischung aus Rotlichtviertel, offener Drogenszene und Partyvolk oft sehr unaufgeräumt aussieht. Nicht nur: Drogenabhängige benutzen die trendigen Elektro-Tretroller überaus gerne als Sitzgelegenheit, ebenso als Drogenverstecke. Dem wilden Parken soll es nun aber an den Kragen gehen.

Die Stadt habe dieser Tage damit begonnen, feste Stellplätze für die E-Scooter zu markieren, erklärt Robert Nikolic vom städtischen Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE). Flächendeckend soll das wilde Parken im Bahnhofsviertel beendet werden, kündigt Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne) an.

51 Stellflächen für die E-Scooter soll es geben, jeweils mit Platz für zwölf Fahrzeuge. Ebenso würden 70 Ladezonen eingerichtet, was dem Einzelhandel und der Gastronomie erheblich helfe. Zusätzlich gebe es 102 Standorte für jeweils drei Fahrradbügel - und damit Abstellmöglichkeiten für 600 Drahtesel, erklärt Nikolic. „Wir machen die Gehwege und Fahrbahnen frei“, sagt Siefert.

E-Scooter: Parkverbot in 100 Metern Umkreis um neue Stellplätze

Die Zone, in der die Stadt diese neuen Abstellmöglichkeiten schafft, geht sogar über das Bahnhofsviertel hinaus und reicht von der Hafenstraße im Westen bis zum Kaiserplatz im Osten sowie vom Main bis zur Mainzer Landstraße. Nikolic: „Unser Ziel ist es, bis zur EM alles einzurichten.“

Nutzer dürfen die Leih-E-Scooter im Umkreis von 100 Metern um die Stellplätze nicht abstellen. Mit genug Stellplätzen stelle die Stadt sicher, dass das künftig fast flächendeckend im Viertel gelte, erklärt Siefert. Die Verleihfirmen steuerten über die Software, dass Nutzer nur auf den Stellflächen die Scooter-Miete beenden könnten. Im Zweifel fordere die Software die Nutzer auf, ein Beweisfoto zu machen. Das funktioniere gut, sagt der Dezernent. „Dort, wo wir solche Parkplätze schon eingerichtet haben, hat sich die Situation erheblich verbessert.“

Direkt vor dem Hauptbahnhof Frankfurt soll es hübscher aussehen

Aufhübschen will die Stadt in Kürze auch den Bahnhofsvorplatz - und zwar genau den Bereich vor dem Hauptportal des Hauptbahnhofs. Dort ist der Boden teils gepflastert, teils asphaltiert, in Unebenheiten bilden sich oft große Pfützen. Die Oberfläche werde durch eine 1500 Quadratmeter große, ebene Schicht hellen Asphalts ersetzt, kündigt ASE-Planungschef Michael Wejwoda an. Allerdings ist ohnehin ein Komplettumbau des Bahnhofsvorplatzes seit Jahren vorgesehen.

Nicht nur: Zum einen plant die Stadt den Neu- und Ausbau der Straßenbahnhaltestelle bis Ende des Jahrzehnts, anschließend will die Bahn wohl zehn Jahre lang den neuen Tiefbahnhof für Fernzüge aus dem Fernbahntunnel bauen. Der Platz werde „noch deutlich über zehn Jahre lang“ Baustelle bleiben, sagt ASE-Mann Wejwoda. Daher habe sich die Stadt angesichts der EM zu dieser Zwischenlösung entschieden: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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